Stadt Kempen: Denkmalstreit: SPD und Grüne kritisieren Verwaltung

Stadt Kempen : Denkmalstreit: SPD und Grüne kritisieren Verwaltung

Die Entscheidung, das Verfahren um die Zeche neu aufzurollen, werten die beiden Parteien als Erfolg.

Nicht überrascht von der Entscheidung des Denkmalexperten beim Landesbauministerium zur Zeche Tönisberg zeigen sich die Kempener SPD und Bündnisgrüne. In Stellungnahmen kritisieren SPD-Fraktionschef Andreas Gareißen und Grünen-Vorstandssprecherin Monika Schütz-Madré noch einmal das Vorgehen der Kempener Stadtverwaltung in der Sache.

Im Besonderen erneuern sie ihre Kritik an der Tatsache, dass das Gutachten des LVR-Zechenexperten Prof. Dr. Walter Buschmann aus dem Jahre 2002 mit einem entsprechenden Antrag des Rheinischen Amtes für Denkmalschutz auf Unterschutzstellung der Zechenanlage von der Stadt über Jahre bis Ende 2012 dem zuständigen Bau- und Denkmalausschuss verschwiegen worden sei. Stattdessen sei den Politikern im November 2012 von der Stadt lediglich die Absicht zur Kenntnis gegeben worden, den Abbruchantrag der RAG zu genehmigen. SPD-Fraktionssprecher Gareißen: "Es ist viel Zeit vergangen, die nach einer Unterschutzstellung aus Sicht der SPD hätte genutzt werden können, sich mit Nutzungsmöglichkeiten und Finanzierungsfragen zu beschäftigen."

Die SPD-Fraktion kritisiert zudem die mangelhafte Vorbereitung des städtischen Denkmalamtes. Es mangele ihm zudem an der Anerkennung der fachlichen Kompetenz des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege. Gareißen: "Gerade eine Stadt wie Kempen, die großen Wert auf ihre Tradition, auf ihre historische Bausubstanz und ihr besonderes Flair legt, muss interessiert sein an einer guten Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege." Die SPD unterstützt weiterhin die Unterschutzstellung des Zechenturms in Tönisberg und fordert die Stadt auf, für den nächsten Denkmalausschuss eine Beratungsvorlage zu erstellen, die den Erfordernissen des Denkmalschutzes entspricht.

Die Kempener Grünen kritisieren unter anderem, wie das Baudezernat unter dem Beigeordneten Stephan Kahl und auch Bürgermeister Volker Rübo mit der Bürgerinitiative zur Rettung des Zechenturms umgegangen seien. Es gehe um einen Teil der Geschichte des Bergbaus in Tönisberg und die Menschen, die dort gearbeitet hätten. Es gehe letztlich um Respekt. Den habe sie auch in der Sitzung des Bau- und Denkmalausschusses im März vermisst, so Grünen-Sprecherin Monika Schütz-Madré.

Die Grünen werten die jüngste Entscheidung des Landesbauministeriums als großen Erfolg für den Zechen-Förderverein und als "große Niederlage" für die Stadtverwaltung und Teile der Politik. Die Sache sei ein gutes Beispiel dafür, "dass engagierte Bürger viel bewegen können, um alte eingefahrene Verwaltungsstrukturen aufzuweichen".

(RP)