Denkmalschutz behindert Bauprojekt in der Kempener Altstadt

Kempen : Ellenstraße: Unterstützung für Investor

Im Mai hat der Denkmalausschuss zum Unmut des Investors das Neubauvorhaben Ellenstraße 15 gekippt. Seitdem hat es etliche Gespräche mit Politikern und dem Werbering gegeben. Es geht auch um die Zukunft des Handelsstandorts.

Seit Wochen fiebern Hans-Peter und Dorothea Homberg dem Termin am kommenden Montag, 20. August, im Kempener Rathaus entgegen. Dann soll bei einem internen Gespräch nach einer Lösung für das Bauvorhaben Ellenstraße 15 in der Altstadt gesucht werden. Das hatte – wie berichtet – der zuständige Denkmalausschuss im Mai gekippt. Die Familie Homberg, Sohn Peter tritt offiziell als Investor auf, hatte bei der Stadt über den beauftragten Architekten Udo Thelen einen Bauantrag für ein neues Wohn- und Geschäftshaus an der Ellenstraße 15 gestellt. Das soll dreigeschossig werden – mit ausgebautem Dachgeschoss und Ladenlokal im Erdgeschoss. Das bestehende Haus, in dem sich bis vor einigen Monaten ein Elektro-Geschäft befand, soll dafür abgerissen werden.

Bei der städtischen Bauverwaltung hatte man zunächst auch keine Bedenken gegen das Projekt. Der geltende Bebauungsplan lässt an dieser Stelle die gewünschte dreigeschossige Bauweise zu. Allerdings holte die Verwaltung – wie bei derartigen Projekten im Denkmalbereich Altstadt vorgeschrieben – eine Stellungnahme des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland ein. Die Behörde lehnt das Vorhaben ab. Es sei mit Blick auf die Nachbarbebauung zu wuchtig. Dieser Sichtweise schloss sich die Politik im Denkmalausschuss einstimmig an. Man verwies auf den unmittelbar benachbarten Neubaukomplex auf dem ehemaligen Heitzer-Areal. Da hatte man in einem aufwendigen Verfahren den Investor dazu gebracht, nur zweigeschossig zu bauen. Er errichtete lediglich Wohnungen, für Ladenlokale im Erdgeschoss war kein Platz.

Schon damals störte sich der Kempener Werbering an dem Projekt. Und nun schlägt die Vertretung der Einzelhändler und Gastronomen in einer Stellungnahme zum Bauprojekt Ellenstraße 15 erst recht Alarm. In dem Schreiben, gerichtet an die im Stadtrat vertretenen Fraktionen – es liegt der Redaktion vor – geht der Werbering ausführlich auf die Situation in der Ellenstraße ein. Es sei gut, dass der Investor wieder ein Ladenlokal plane. Allerdings sei nachvollziehbar, dass er diesen Plan verwerfe, wenn die vorgesehene Bebauung nicht realisiert werden könne, weil sich das dann wirtschaftlich nicht rechne. Der Werbering spricht von einem „verheerenden Signal“ für die weitere Planung der Ellenstraße und für deren Fortbestand als attraktive Einkaufsstraße, wenn wie bereits bei dem Neubau auf dem Heitzer-Areal wieder kein Ladenlokal angeboten werde. „Wenn in der Ellenstraße 15 kein Ladenlokal entstehen kann, ist es fraglich, was in Zukunft mit den Häusern 11 bis 14 geschehen wird“, heißt es in dem Schreiben weiter. Gemeint ist die derzeitige Von-Broich-Passage. Hier soll in einiger Zeit – konkrete Pläne gibt es noch nicht – ebenfalls neu gebaut werden. Ohne Geschäftsflächen im mittleren und westlichen Teil der Ellenstraße sei die Straße ab Hausnummer 10 „wirtschaftlich tot“, befürchtet der Werbering. Geschäftsflächen in der Innenstadt seien schon jetzt Mangelware, sie weiter zu reduzieren, sei für den Einzelhandelsstandort problematisch. Es gebe genug Interessenten, etwa einen Lebensmittelhändler aus der Nachbarschaft, die in Kempen Geschäfte eröffnen wollten. Der Werbering appelliert daher an die Verantwortlichen, der geplanten Bebauung an der Ellenstraße 15 – auch mit Blick auf eine mögliche neue Bebauung der benachbarten Von-Broich-Passage – doch noch zuzustimmen.