Stadt Kempen: Denkmalpolitik: Neustart etwas holprig

Stadt Kempen : Denkmalpolitik: Neustart etwas holprig

Die Kempener Stadtverwaltung will ihren Kritikern entgegenkommen und legt ein Konzept für eine mögliche Neuausrichtung der Denkmalpolitik in der Thomasstadt vor. Kritik gibt es für das Papier schon von SPD und Grünen.

Anders als in der Zechenfrage will die Stadtverwaltung Bürger und Politik bei einer möglichen Neuausrichtung der Denkmalpolitik in der Stadt Kempen nun verstärkt mitnehmen. So kann man die Beratungsvorlage der Verwaltung für die künftigen "Arbeitsschwerpunkte und Verfahrensabläufe zur denkmalgerechten Entwicklung der historischen Altstadt in Kempen" durchaus verstehen. So war auch der Vortrag des zuständigen Technischen Beigeordneten Stephan Kahl in der Sitzung des Denkmalausschusses am Montagabend getragen von dem Bemühen, die Interessenslagen der Bürger - im konkreten Fall der neuen Bürgerinitiative "Denk mal an Kempen" - zu berücksichtigen.

Auch wenn sich Kahl im Sitzungsverlauf vom grünen Fraktionssprecher Joachim Straeten vorhalten lassen musste, seine Bilanz der bisherigen Denkmalpolitik für die Altstadt allzu sehr geschönt und die unwiederbringlichen Verluste historischer Bausubstanz in der Altstadt gar nicht erwähnt zu haben, so scheint die Stadtverwaltung bei der Altstadtentwicklung tatsächlich auch auf die Interessen aus der Bürgerschaft eingehen zu wollen.

Beispiel Peterstraße 20: Die Pläne für einen Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Hauses und seiner Nachbargebäude hat der Investor, die Firma Schmitz, - auch auf Anraten der Stadt - zunächst zurückgestellt. Der neue Denkmalausschuss wird sich der Sache annehmen. Die Stadt schlägt einen Ortstermin vor, auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege soll weiterhin im Boot bleiben.

Ein weiteres Projekt für Verwaltung und Ausschuss wird die Aufwertung des westlichen Teils der Ellenstraße sein. Dass seit wenigen Tagen das Kunstzentrum Kempen in den leer stehenden Ladenlokalen ist zwar lobenswert, kann aber keine dauerhafte Lösung sein. Die Verwaltung will mit Eigentümern, Werbering und Bürgern in einen Planungsprozess einsteigen, um nach realistischen Lösungen für diesen Teil der historischen Altstadt zu suchen.

In das neue Konzept gehört aus Sicht der Stadt auch die Pflasterung in der Altstadt. Wenn die Versorgungsleitungen in der Judenstraße demnächst erneuert werden, dann muss auch über den neuen Belag auf der Judenstraße entschieden werden. Der bereits während der Bauarbeiten für den neuen Klosterhof bekannt gewordenen Plan, die Art des dort verlegten Pflasters auch für die Judenstraße und - später - für die gesamte Fußgängerzone vorzusehen, will die Stadtverwaltung nun mit Varianten zur Gestaltung der Judenstraße Ende 2014/Anfang 2015 in die politische Beratung und öffentliche Diskussion einbringen.

Ein weiterer Punkt für die Denkmalpolitik in der neuen Wahlperiode ist die Zukunft der Burg. Wie berichtet wollen der Kreis Viersen als Eigentümer des historischen Wahrzeichens und die Stadt Kempen gemeinsam nach einer möglichen neuen Nutzung suchen, wenn ein neuer Standort für das Kreisarchiv gefunden ist. Kreisdirektor Dr. Andreas Coenen hatte zuletzt im Kreiskulturausschuss angekündigt, dass Kreis und Stadt sich einig seien, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie auch die Öffentlichkeit breit an dem Planungsprozess zu beteiligen.

Auch das Thema "Bezahlbarer Wohnraum" soll in der künftigen Diskussion eine größere Rolle als bislang spielen, wobei die Stadt ihre Einflussmöglichkeiten auf private Investitionen nachvollziehbar als nur gering einstuft.

Das nun vorliegende Papier der Verwaltung soll in den kommenden Monaten im neuen Denkmalausschuss diskutiert werden. Die von den Grünen geforderte Einrichtung eines Denkmalbeirates als den Prozess begleitendes Expertengremium findet bei der Stadt und der politischen Mehrheit allerdings keinen Gefallen. Die Experten könnten von Fall zu Fall hinzugezogen werden, heißt es dazu.

Für die SPD ist es wichtig, einen Denkmalpflegeplan für Kempen zu erstellen. "Wie kann es sein, dass Denkmalhäuser überhaupt verkommen?", fragte SPD-Sprecher Heinz Wiegers im Denkmalausschuss. Auch für diesen Vorschlag gab es im Ausschuss keine Mehrheit.

(RP)
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