De Beukelaer: Betriebsrat und Gewerkschaft wollen Schließung nicht hinnehmen

Kampf um de Beukelaer : Betriebsrat will Prinzenrolle in Kempen halten

Keksproduzent de Beukelaer hat angekündigt, die Produktion der Prinzenrolle von Kempen nach Thüringen zu verlagern. Die Betroffenheit in der Stadt ist groß. Die Arbeitnehmervertreter wollen um die 270 Jobs kämpfen.

Mit Wut und Bestürzung haben die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Betriebsrat auf die angekündigte Schließung des Kempener Standorts von Griesson-de Beukelaer reagiert. Am Freitag hatte die Geschäftsleitung der Belegschaft mitgeteilt, dass die Prinzenrolle ab 2020 im thüringischen Kahla produziert werden soll. Betroffen sind 270 Mitarbeiter.

„Kempen is(s)t de Beukelaer – und dabei soll es auch bleiben“, forderte am Montag die Gewerkschaft. Die Ankündigung des Unternehmens sei absolut nicht nachvollziehbar und wirtschaftlich vollkommen ungerechtfertigt, so Karim Peters, NGG-Geschäftsführer der Region Krefeld-Neuss: „Die Keksproduktion in Kempen ist sehr effizient und außerdem profitabel.“ Offenbar wolle die Firma mit der Verlagerung vor allem eines erreichen: noch mehr Profit. Die Pläne des Unternehmens würden deshalb auf erbitterten Widerstand stoßen: „Die Beschäftigten haben eine sichere Zukunft ihrer Arbeitsplätze verdient. Wir werden für ihren Erhalt kämpfen und geben sie nicht auf“, so Peters weiter.

Die Geschäftsleitung hofft auf der anderen Seite, möglichst schnell einen Sozialplan abschließen zu können. Für NGG und Betriebsrat hingegen ist die Schließung noch keine beschlossene Sache. Sie kritisieren außerdem die Informationspolitik und die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. Nach dem Gesetz müsse er frühzeitig über derartige Maßnahmen informiert werden. „Stattdessen wurde der Betriebsrat am Freitag vor vollendete Tatsachen gestellt“, kritisierte Peters.

Ähnlich äußert sich Detlev Büschges, Betriebsratsvorsitzender in Kempen. Griesson-de Beukelaer habe keinerlei Versuche unternommen, frühzeitig mit dem Betriebsrat über die Zukunft des Standorts Kempen zu sprechen. „Genügend Fläche wäre da, und auch der Draht zur Politik ist sichergestellt“, betonte Büschges. Gefehlt hätten jegliche Gespräche zu einem Um- oder gar Ausbau: „Kurzum: Es war nicht gewollt.“ Jetzt biete man den Mitarbeitern Stellen in Thüringen an. „Menschen sollen aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden, ihre Familien, ihre Nachbarschaft und ihre Vereine zurücklassen und mit Griesson in Kahla ein neues Leben beginnen“, kritisiert Büschges. Er selber, teilte er mit, sei wie viele seiner Kollegen mit Kempen eng verbunden und schon als St. Martin und Schützenkönig unterwegs gewesen. Die Kempener, die täglich die Prinzenrolle produzieren, seien sozial hoch engagiert und aktiv: „Jetzt will man sie in den Thüringer Wald schicken.“

Wie geht es nun weiter? Der Betriebsrat möchte alle Fragen zu den Unternehmensplänen „umfänglich und ausführlich“ beantwortet haben. Vor allem wollen er und die Gewerkschaft mögliche Alternativen zur Schließung und zu den geplanten Entlassungen prüfen, bevor man über einen Sozialplan verhandele.

Die Nachricht von der geplanten Schließung des Kempener Werks hat in der Thomasstadt bei vielen Bürgern für große Bestürzung gesorgt. De Beukelaer und speziell die Prinzenrolle gehörten zu Kempen wie der große Sohn der Stadt, Thomas. Dass dies nun bald nicht mehr der Fall sein soll, bedauern viele Bürger. Auch Kempens Bürgermeister Volker Rübo argumentiert so.

Griesson-de Beukelaer war über viele Jahrzehnte auch Partner und Sponsor von Veranstaltungen und Aktivitäten in der Stadt. Alljährlich stellte das Unternehmen 4800 Prinzenrollen für die Martinstüten, in Kempen „Bloese“ genannt, zur Verfügung. In früheren Jahren erhielt der St.-Martin-Verein einen Teil des Kontingents sogar kostenfrei, zuletzt gab es immerhin einen Rabatt von 20 Prozent. Ähnliches gilt für die Karnevalsgesellschaften und -vereine, die Wurfmaterial für den Kempener Rosenmontagszug bekamen. Der St.-Martin-Verein ist aber nicht vom Wohlwollen des Unternehmens abhängig, betonte dessen Vorsitzender Rainer Hamm. Man werde auch über einen Großhändler mit Süßigkeiten beliefert.

Ob und wie es mit dem Griesson-de-Beukelaer-Altstadtlauf weitergeht, dazu konnte der Vorsitzende der Vereinigten Turnerschaft Kempen (VTK), Detlev Schürmann, am Montag noch nichts sagen. Seit Jahren wird die Traditionsveranstaltung durch das Unternehmen gesponsert. In Kürze stünde ein Gespräch mit den Verantwortlichen von Griesson-de Beukelaer an, erklärte Schürmann auf Anfrage unserer Zeitung. „Was uns allerdings jetzt mehr bewegt, ist das Schicksal der Kempener Belegschaft. Für sie eine sozialverträgliche Lösung zu erarbeiten, das ist weitaus wichtiger als die Zukunft des Altstadtlaufs. Die Menschen, die Familien und deren berufliche Zukunft haben jetzt absolute Priorität. Der Altstadtlauf ist Spaß. Aber beim Beruf geht‘s ans Eingemachte, also knallhart um die Existenz der Betroffenen“, meinte Detlev Schürmann.