Tönisberg: Das warme Wetter bekommt den Reben

Tönisberg: Das warme Wetter bekommt den Reben

Ricarda und Hermann Prinz aus Tönisberg stellen ihren eigenen Wein her.

„Das wird eine gute Ernte“, ist sich Hermann Prinz sicher und blickt zu den Weintrauben, die dicht an dicht in der grünen Wand hängen, die sich nicht nur über die Längsseite seines Gartens zieht. Die Weinstöcke haben ihre Ausläufer auch in Richtung Veranda ausgestreckt. Dicke Weintrauben hängen unter dem Plexiglas, wo sie sich aufgrund der Wärmeentwicklung durch das Dach besonders gut entwickelt haben. „Denen bekommt das warme Wetter“, bemerkt der Tönisberger, während er zum Schlauch greift und die sieben Weinstöcke im Garten ein wenig bewässert.

Auch Ricarda Prinz ist in Sachen Weinstockpflege im Einsatz. Blätter mit Läusebefall knipst sie sorgfältig ab. „Bei uns kommt keine Chemie zum Einsatz. Wir spritzen nicht“, informiert Ricarda Prinz. Die beiden hegen und pflegen ihre Weinstöcke mit den drei unterschiedlichen Rebsorten aber nicht nur liebevoll. Seit über zehn Jahren stellen sie auch Wein her. Ein wunderschönes Hobby, ist sich das Ehepaar einig. Die Liebe zum Wein kommt nicht von ungefähr. Hermann Prinz ist gebürtiger Österreicher. „Ich bin in der Weststeiermark aufgewachsen. Das ist eine bekannte Weingegend. Mein Vater hatte auch zwei Rebstöcke und hat Wein gemacht. Wobei der allerdings immer wie Essig schmeckte, wenngleich mein Vater behauptete, er sei lecker“, erinnert sich der 79-Jährige lächelnd.

Mit 18 Jahren verschlug es in beruflich an den Niederrhein, wo er unter Tage arbeitete. Mit dem Rentenalter kam die Zeit für ein schönes Hobby. Von einem Freund in Österreich brachte sich Prinz Setzlinge mit und pflanzte sie im heimischen Garten ein. Die Tönisberger Luft und das Wetter schienen ihnen gut zu bekommen. Die sieben Weinstöcke wuchsen hervorragend und begannen nach drei Jahren bereits zu tragen. Mit den Jahren vergrößerte sich die Ernte, und das Ehepaar fragte sich, was sie mit den ganzen Trauben machen wollten. Die Idee, hobbymäßig Wein für den eigenen Bedarf herzustellen, entstand. Die beiden schafften sich die Grundausstattung zur Weinherstellung an, zu der neben Glasballons und Gärröhrchen auch ein Refraktometer gehört. Mit diesem kann der Zuckergehalt der Trauben, das sogenannte Mostgewicht festgestellt werden. „Man spricht vom Oechsle-Wert“, informiert Ricarda Prinz. Er ist eine Maßeinheit für das Mostgewicht. Wobei sie für die Bestimmung und das Rechnen zuständig ist. Je nachdem, wo der Oechslewert liegt, erhält der Traubenbrei Zucker. In der Regel pendelt sich der Wert bei den Tönisberger Trauben bei 55 Oechsle ein. Entsprechend der gewünschten Süße, folgt die Zuckerbeigabe. „Möchte ich eine Süße von 100 Oechsle haben und es sind nur 55 fehlen mir 45 Oechsle. Dieses spezifische Gewicht nehme ich mal zwei. Das entspricht dann dem Zucker, gemessen in Gramm, den ich nach der Pressung je Liter Saft zugebe“, erklärt die Tönisbergerin.

Quetschte sie am Anfang die Trauben noch mit einem Holzstampfer, so greift die 70-Jährige heute auf den Mixer zurück. „Das geht weitaus einfacher und schneller“, sagt sie.  Entsprechend der Kilogrammzahl nach der Quetschung wird ein Antigeliermittel zugegeben, damit der Brei, der zwei bis drei Tage stehen muss, flüssig bleibt. Nach der Pressung folgen Zucker, Hefe und etwas Kaliumpyrosulfit. Dieses verhindert, dass der Wein faulig wird oder umschlägt. Dass man einen Ballon nicht in seinem vollen Umfang füllen darf, weil die chemisch ablaufenden Weinprozesse die Menge steigen lassen, lernte die beiden Hobby-Kelterer aus Erfahrung. Ein 25-Liter-Ballon darf so maximal mit 17 Liter Flüssigkeit befüllt werden. Ein Ballon mit Gärröhrchen muss rund acht Wochen stehen, dann blubbert es nicht mehr in dem Röhrchen.

Es folgt das Umfüllen in einen zweiten Ballon, wobei es wichtig ist, dass kein Satz vom Boden mit umgefüllt wird. Das Gärröhrchen kommt erneut auf den Ballon. „Wenn der Wein klar ist, ist er fertig, und wir füllen in Flaschen um“, sagt Prinz. Im vergangenen Jahr brachten die heimischen Weinstöcke 60 Liter Wein. Zu kaufen gibt es den leckeren Tropfen nicht. Das Ehepaar stellt für sich her und verschenkt bei entsprechenden Gelegenheiten an Freunde und Verwandte. „Ein Viertel trinken wir selber, Dreiviertel verschenken wir“, sagt der Tönisberger.