Das Wahrzeichen von Tönisberg, die Kastenbockwindmühle, soll noch vor Weihnachten gesichert werden. Fürs kommende Jahr steht eine große Sanierung an.

Tönisberg : Kastenbockwindmühle muss stabilisiert werden

Das Wahrzeichen von Tönisberg soll noch vor Weihnachten gesichert werden. Fürs kommende Jahr steht eine große Sanierung an.

Sie ist – neben dem Zechenturm – das unübersehbare Wahrzeichen von Tönisberg. Bis 1913 wurde in der Kastenbockwindmühle noch Korn gemahlen. Und bis zum vergangenen Jahr konnte das Denkmal regelmäßig besichtigt werden. Aber seit Monaten haben nur noch wenige Menschen die 33 Stufen erklommen. Denn die Mühle ist aus Sicherheitsgründen gesperrt. Das Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert muss dringend saniert werden.

Ben Burchardt, Mühlenexperte des Heimatvereins Tönisberg, ist in großer Sorge um die Zukunft des Denkmals. Bei Führungen hat der pensionierte Ingenieur Besuchern die Technik der Mühle erklärt. Das möchte er auch künftig tun. Derzeit ist das Bauwerk für Besucher nicht zugänglich. Foto: Wolfgang Kaiser

In der jüngsten Sitzung des Kempener Bauausschusses zeigte sich Ben Burchardt in großer Sorge. Der Diplom-Ingenieur im Ruhestand hat in den vergangenen Monaten den Zerfall des Wahrzeichens verfolgt. Burchardt hat in den vergangenen Jahren als Mitglied des Tönisberger Heimatvereins viele Besucher durch die Mühle geführt, hat ihnen die besondere Technik erklärt. Doch seitdem der Klopfkäfer dem Bauwerk zusetzt, ist das Betreten nur noch Experten für Untersuchungszwecke erlaubt. Burchardt äußerte in der Einwohnerfragestunde des Bauausschusses die Befürchtung, dass die Mühle bald umkippt, wenn nicht dringend mit der Sanierung begonnen wird. Etliche tragende Holzbalken seien ausgehöhlt und so morsch, dass sich der Aufbau schrittweise zur Seite neigt, sagte Buchardt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Beim städtischen Hochbauamt ist man sich über den aktuellen Stand im Klaren. Amtsleiter Christian von Oppenkowski bestätigte in der Sitzung die Angaben von Burchardt. Die Stadt hatte einen Krefelder Statiker mit Untersuchungen beauftragt. Auch Mühlenbauer aus den Niederlanden haben sich die Lage bereits angesehen. Die Stadt hat bei Messungen festgestellt, dass sich der Mühlenaufbau schon um 23 bis 28 Zentimeter geneigt hat. Nicht nur der besonders vom Klopfkäfer befallene Steinbalken muss ausgetauscht werde. Der Bock, die Unterkonstruktion der Mühle, muss im kommenden Jahr komplett erneuert werden. Das soll dann auch dazu führen, dass der Hausbaum, der derzeit auf dem Schwellenkreuz aufliegt, wieder frei im Lot hängen kann. Bei der Sanierung ist außerdem geplant, die Mühle ein wenig zu drehen, damit sie nicht immer voll dem Westwind ausgesetzt ist. Die Sanierung des Denkmals – sie war ursprünglich bereits für dieses Jahr vorgesehen – soll nun im Sommer 2019 vorgenommen werden, so der Hochbauamtsleiter. Doch zunächst werde die Mühle an vier Punkten gesichert. Dies soll noch vor Weihnachten passieren.

Wann das Wahrzeichen wieder für Besucher geöffnet werden soll, ist derzeit offen. Zum jährlichen Mühlentag zu Pfingsten ist dies eher unwahrscheinlich. Für den Heimatverein Tönisberg ist die Sperrung der Mühle nicht einfach. Die engagierten Mitglieder haben den Mühlentag alljährlich mit einem attraktiven Programm auch zur Werbung in eigener Sache genutzt. Seitdem das denkmalgeschützte Haus Baaken vor geraumer Zeit den Besitzer wechselte, ist der Verein ohne Heimstatt. Die Sammlung ist eingelagert.

Die Mitglieder des Heimatvereins hoffen auf ein neues Domizil, möglicherweise in einem Gebäude auf dem früheren Zechengelände auf dem Wartsberg. Aber die Realisierung des Plans, dort ein neues Museum einzurichten, ist ebenfalls offen, weil die Besitzverhältnisse des ehemaligen Zechengeländes noch immer nicht abschließend geklärt sind. Und der potenzielle Investor hat seine Planungen noch nicht veröffentlicht.

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