Stadt Kempen: Das neue Zuhause erarbeitet

Stadt Kempen: Das neue Zuhause erarbeitet

Von der laufenden Rückkehr von 14 000 Kosovaren aus Deutschland in ihre Heimat ist die Kempener Familie Batatina nicht betroffen. Der Familienvater ist als Arbeitskraft unentbehrlich, hat den Aufenthalt per Gericht erwirkt.

Hier entsteht eine Terrasse: Zwei Schläge mit dem Gummihammer – eine weitere Steinplatte sitzt. Der freundliche Hüne, der hier in einem Kempener Garten pflastert, heißt Amrush Batatina. Er ist Albaner, Lehrer und kommt aus dem Kosovo. Dort, im Dorf Hertice, wurde er 1971 als Sohn eines Maurers geboren. Amrush Batatina besuchte das Gymnasium in der benachbarten Stadt Podujeva, machte 1989 Abitur. Damals gehörte der Kosovo noch zu Jugoslawien, und der Abiturient Amrush wurde – notgedrungen – jugoslawischer Soldat.

Lehrer an der Grundschule

Zu jener Zeit vollzog sich unter Präsident Milosevic der Zerfall Jugoslawiens. Während Amrush in der serbischen Garnison Bor Schießen übte, entzog die Regierung in Belgrad seinem Heimatland die Selbstständigkeit. Im Fernsehen rief der Kosovo- Führer Ibrahim Rugova die kosovarischen Soldaten auf, ihre jugoslawischen Einheiten zu verlassen. Sie sollten nicht in die Zwangslage kommen, eines Tages auf ihre Landsleute schießen zu müssen. Amrush folgte dem Aufruf, ging zurück ins Kosovo. Er studierte Pädagogik, unterrichtete illegal – Kosovaren durften nicht mehr im Staatsdienst sein - als Grundschullehrer in seinem Dorf.

Zuhause erwarteten ihn seine Frau und seine ein Jahr alte Tochter, die 1990 geboren war. 1993 kam sein Sohn auf die Welt. In dieser Zeit rückte auch die serbische Armee ein. Amrush tauchte mit seiner Familie unter. 1995 wurden im Untergrund Zwillinge geboren. Die serbische Polizei fahndete nach ihm, schließlich war er aus der serbischen Armee desertiert. Noch im selben Jahr schlug er sich mit einem gekauften Reisepass über Ungarn nach Düsseldorf durch, wo sein Bruder Alush in einer Baumschule arbeitete. Dort bekam auch Amrush Arbeit, pflasterte Wege, schnitt Hecken. Der Asylantrag lief.

Im Jahr 2000 wurden Tausende Kosovaren von den Serben nach Mazedonien deportiert. Zu den heimatlos Gewordenen gehörten auch Amrushs Frau Valbona und die vier Kinder. Im mazedonischen Flüchtlingscamp erschien der damalige Außenminister Joschka Fischer und organisierte Familienzusammenführungen. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof schloss Amrush die Seinen in die Arme.

Streit mit dem Kreis vor Gericht

Alles schien nun gut. In Tönisberg hatte Amrush eine schöne Wohnung gemietet. Die empfangene Sozialhilfe für die Zeit, als er noch nicht arbeiten durfte, hatte er zurückgezahlt. Aber der Kreis Viersen bestand auf der Rückführung. Obwohl vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf ein Prozess lief, musste die Familie Batatina im Dezember 2003 zurück in ihr Dorf im Kosovo. Amrushs Chef, ein Gartenbaubetriebsinhaber in Krefeld, fand für seinen tüchtigen Vorarbeiter keinen Ersatz, machte die Ausländerbehörde für seine Verluste haftbar. Bei der Ausländerbehörde des Kreises Viersen gewann Amrushs Anwalt schließlich einen Prozess um die Aufenthaltsgenehmigung. Die kam am 17. Januar 2004. Doch Amrushs Frau und die vier Kinder mussten zuerst zurückbleiben, bis ein Anwalt auch die Familienzusammenführung erstritt.

Heute sind die Batatinas geachtete Kempener Bürger. Beide arbeiten, haben sich eine Eigentumswohnung gekauft; ihre vier Kinder schaffen gute Noten. Eine europäische Familiengeschichte des 21. Jahrhunderts.

(RP)