Das „Morgenstern Trio“ spielte in Kempen

Kempener Kammermusik : Dreimal „B“ in der Paterskirche

Das „Morgenstern Trio“ spielte in Kempen Werke von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und eine Uraufführung von Thomas Blomenkamp.

„Sie sehen vor sich einen sehr glücklichen Menschen“, begann Thomas Blomenkamp die Ausführungen zu seinem ersten Klaviertrio, um die der Künstlerische Leiter von „Kempen Klassik“, Peter Landmann, ihn gebeten hatte. Landmann und Blomenkamp verbindet seit Jahren eine künstlerische Freundschaft – bereits mehrere Werke des Meerbuscher Komponisten sind in Kempen uraufgeführt worden.

Blomenkamp berichtete, dass der „Geburtsort“ des Klaviertrios die Paterskirche gewesen sei. Dort hatte er im Jahr 2017 anlässlich eines Konzertes das „Morgenstern Trio“ kennengelernt und mit den aufgeschlossenen Musikern eine Zusammenarbeit vereinbart. Diese wurde vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen gefördert, indem es die Auftragserteilung durch die Duisburger Philharmoniker ermöglichte. Zwei Tage vor der Kempener Erstaufführung war das Werk in der Duisburger Philharmonie uraufgeführt worden. „Die Musiker bewältigten die immensen Schwierigkeiten mit einer solchen Überlegenheit, als hätten sie dieses Opus schon Jahre in ihrem Programm“, schwärmte Blomenkamp.

Der Komponist hatte wahrlich nicht übertrieben. Die Pianistin Catherine Klipfel, Stefan Hempel (Violine) und Emanuel Wehse (Violoncello) hatten die durchaus nicht durchgängig atonal erscheinende, viersätzige Kompositionen mit ihren asymmetrischen Taktarten und ihren teils rasanten Tempi derart verinnerlicht und vermittelten sie mit einer solchen Souveränität, dass sie auch dem unvorbereiteten Hörer in keiner Weise fremd erschien. Wer gut aufpasste, konnte im Finalsatz „Precipitato“ ein kur­zes Zitat aus Beethovens „Erzherzog-Trio“ vernehmen – eine Hommage an den großen Komponisten. Der Jubel des Publikums war riesig, und Blomenkamp dankte seinen „Vermittlern“ herzlich.

Vor und nach dem Ausflug in die gemäßigte Moderne erklangen zwei Schwergewichte der Klaviertrio-Literatur, von Beethoven das zeitgleich mit der 6. Sinfonie – „Pastorale“ – entstandene Trio Es-Dur op. 70 Nr. 2 und das Trio C-Dur op. 87, das 1882 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde – mit dem Komponisten des Werkes, Johannes Brahms, am Klavier.

Das „Morgenstern Trio“, dessen „Motor“ zweifelsohne Pianistin Klipfel ist, die, ohne unangemessen zu dominieren, ihre ausgezeichneten Mitstreiter stets aufmerksam im Blick hat, ist eine musikantische Einheit von höchster Güte. Den unerwartet spielerischen und tänzerischen Grundton des Beethoven-Opus oder dessen liedhaft-melodische Themen im dritten Satz trafen die Musiker mit derselben unbeirrbaren Stilsicherheit, wie sie sich dem Spätwerk von Brahms mit ihrem Können und ihrer klanglichen Ausgewogenheit stellten. Alles wirkte leicht und selbstverständlich bei diesen Musikern – das brillante, doch nie unangenehm auftrumpfende Klavierspiel, die einfühlsame, technisch makellose Handhabung der Geige und das traumhaft schöne Cellospiel, dessen Kantilenen nie enden dürften.

Es zeigte sich ein Ensemble der Extraklasse, das die Zuhörer mit anhaltendem Applaus und Bravorufen feierten und das nicht ohne eine Zugabe aus der Paterskirche entlassen wurde.