Das Luise-von-Duesberg-Gymnasium Kempen beteiligt sich an Astro-Projekt

Kempen : Schüler und ihre Weltraummission

Beim Projekt Astro-Pi der Europäischen Weltraumagentur ESA ist eine Schülergruppe des Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasiums bis in die Endausscheidung gekommen. Ihre Programmierungen liefen auf der internationalen Raumstation ISS. Jetzt werden die Ergebnisse gemeinsam mit den betreuenden Lehrern ausgewertet.

Die Grafik auf dem Computerbildschirm im Informatikraum vom Luise-von-Duesberg-Gymnasium (LvD) in Kempen mutet futuristisch an. Aber sie ist bei Weitem nicht so unverständlich wie die ellenlange Zahlenschlange mit den unendlich vielen Nullen und einigen wenigen Zahlenkombinationen, die Oliver Zimmermann ebenfalls geöffnet hat. „Ich habe die Daten in die Grafik umgewandelt. Sie stellt jetzt quasi unsere Zahlenwerte dar“, sagt der Informatik- und Mathematiklehrer und deutet auf einige rötliche Stellen. Das müssten hochenergetische Beta-Teilchen sein, vermutet er. Eins steht auf jeden Fall fest, die Grafik verdeutlicht, dass es im All radioaktive Strahlung gibt. Die Daten sind ganz frisch von der internationalen Raumstation ISS eingetroffen und stammen von einem Programm, das Oberstufenschüler sowie ehemalige Gymnasiasten gemeinsam mit ihren beiden Lehrern Zimmermann und Christian Reiners geschrieben haben.

Die Schülergruppe nimmt am Projekt Astro-Pi der ESA teil. ESA steht für European Space Agency. Die Europäische Weltraumorganisation ist Europas Tor zum Weltraum und bietet unter anderem auch europaweit Weltraumprojekte für Schulen an. Zimmermann entdeckte das Projekt und holte gemeinsam mit Reiners die beiden Oberstufenschüler Till und Göran sowie den Abiturienten Till ins Boot. Dazu kamen zwei ehemalige Schüler vom LvD. Sie bildeten eines von insgesamt 471 Schülerteams weltweit, die ihre Projektidee einreichten. Danach gehörten sie zu den 381 Teams, die den Sprung in die zweite Runde geschafft hatten.

Ihr Projekt war von der ESA für so interessant befunden worden, dass sie ein entsprechendes Programm für einen so genannten RaspberryPi mit einem speziellen Addon schreiben durften. Dafür stellte die ESA eigens entsprechende Hardware in Form eines RaspberryPi mit Sensoren und Kameras zur Verfügung. Alles identische Dinge, die auch auf der internationalen Weltraumstation ISS genutzt werden.

In der Weltraumstation ISS sind diese kleinen Computer mit Minikamera verbaut. Sie zeichnen die Stahlenbelastung auf, denen die Besatzung ausgesetzt ist. Foto: Norbert Prümen

Die kleine Gruppe um Zimmermann und Reiners schrieb gleich zwei Programme. Zum einen ging es um die Messung der Stabilität der Flugbahn und der Fallgeschwindigkeit der Raumstation und zum anderen um den Nachweis der radioaktiven Strahlung mittels Kamera, wobei der Fotosensor der Kamera die Alpha- und Beta-Strahlen in Form von Lichtblitzen registrierte. Mit den beiden Programmen gelang der Gruppe ein weiterer Sprung innerhalb des Wettbewerbes. Sie wurden analysiert, getestet und für gut befunden, um drei Stunden auf der ISS zu laufen. 135 Teams erreichten diese Wettbewerbsebene.

„Die Zusammenarbeit mit der ESA ist sehr gut. Wir sind so extra gefragt worden, ob wir eine Abdeckung für die Kamera bräuchten, bevor die Untersuchungen in der Raumfahrtstation starteten“, erzählt Reiners, Ende April wurden die Quelltexte zur ISS geschickt und liefen über ein dreistündiges Zeitfenster in der Raumfahrtstation. Das heißt, die Experimente „made by LvD“ wurden real durchgeführt. „Das ist schon ein cooles Gefühl zu wissen, dass das, was wir hier auf der Erde entwickelt haben, auf der Raumfahrtstation umgesetzt wurde“, sagt Till mit leuchtenden Augen.

Nun liegen die Daten vor, und es geht an die Auswertung. „Wir müssen bis zum 31. Mai unseren Bericht eingereicht haben“, sagt Zimmermann. Wie alles andere auch wird der Abschlussbericht ebenfalls in Englisch verfasst. „Wobei es schwierig wird, unsere Ergebnisse so kurz und knapp zu halten“, erklärt Göran. Jedem Team stehen nämlich nur vier Seiten mit einer genau vorgegeben Wörtermenge zu. Die zehn besten Arbeiten prämiert die ESA im Anschluss. In Sachen Stabilität der Flugbahn ergaben die Sensor-Rohdaten übrigens, dass die ISS von null bis zu 20 Meter pro Sekunde fällt.

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