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Das ist seit der vorherigen Wahl in der Gemeinde Grefrath passiert

Rückblick auf die vergangene Legislaturperiode in Grefrath : Der Rat hat vieles auf den Weg gebracht

Wichtige Themen in der Gemeinde waren das Freibad, der Oedter Ortskern, die Landesgartenschau und die Sanierung des Eisstadions. Fest steht: Die Grefrather bekommen einen neuen Bürgermeister.

Wenn die Grefrather am 13. September wählen, steht fest: Sie bekommen einen neuen Bürgermeister. Amtsinhaber Manfred Lommetz (66) tritt nicht mehr an. Um seine Nachfolge bewerben sich Stefan Schumeckers (CDU), Roland Angenvoort (SPD) und Jens Ernesti als unabhängiger Kandidat, wobei er Mitglied der Grünen ist.

Der parteilose Lommetz wurde 2009 zum Bürgermeister gewählt. Er war nach Herbert Kättner der zweite hauptamtliche Bürgermeister der Gemeinde, er setzte sich bereits im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 51,1 Prozent durch. Im Jahr 2015 stellte er sich erneut zur Wahl und setzte noch einen drauf. Er kam auf 73,9 Prozent und verwies damit seine Mitbewerber Kirsten Peters (CDU) und Volkmar Josten (parteilos) deutlich in die Schranken.

Die Grefrather bekommen auf jeden Fall einen neuen Bürgermeister. Manfred Lommetz kandidiert nicht mehr. Foto: Prümen, Norbert (nop)

Der Gemeinderat war bereits bei der Kommunalwahl 2014 gewählt worden. Lommetz hatte sich damals entschieden, seine Amtszeit voll auszuschöpfen, um sich erst dann der Wiederwahl zu stellen. Die CDU setzte sich seinerseits mit 46 Prozent vor der SPD (33,4 Prozent) durch. Auf den Plätzen landeten die Grünen (13,3) und die FDP (7,1).

Stellvertretende Bürgermeister sind Kirsten Peters (CDU) und Roland Angenvoort (SPD). Fraktionsvorsitzende der CDU ist Wilma Hübeckers. Die SPD-Fraktion führt inzwischen Bernd Bedronka für den aus der Partei ausgetretenen Jochen Monhof. Werner Mülders (FDP) und Andreas Sonntag (Grüne) komplettieren die Liste der Fraktionschefs.

Bei den für Grefrath wichtigen Themen war die Arbeit im neuen Gemeinderat von Harmonie geprägt. Erhalt des Freibads, Sanierung der Oedter Innenstadt, Zuschüsse für das Eisstadion und die Bewerbung um die Landesgartenschau – da gab es eigentlich keine zwei Meinungen. All diese Themen werden auch den neuen Rat beschäftigen.

Freibad: Das Hallenbad ist gerade umfassend saniert worden und war daher kein Thema. Das benachbarte Freibad hingegen galt als dringend sanierungsbedürftig. Aber welche Möglichkeiten gab es vor dem Hintergrund einer realistischen Finanzierung? Ein Sachverständigenbüro wurde hinzugezogen. Seit geraumer Zeit bereits gab es im Freibad technische und hygienische Herausforderungen, die die Gemeindewerke als Betreiber stets mit Notlösungen beheben konnten. Man schwebte ständig in der Gefahr, dass die provisorisch reparierte Wasseraufbereitung plötzlich komplett ausfällt und damit der Betrieb des Bades eingestellt werden muss. Die Gastronomie musste auf Anordnung des Kreisgesundheitsamts in einen mobilen Imbisswagen verlegt werden.

Das Gutachten empfahl schließlich die Schließung des Freibads. Das Hallenbad sollte zu einem Kombi-Bad werden, mit einer kleinen Außenwasserfläche für Nichtschwimmer und einer Liegewiese. Es stellte sich aber heraus, dass der Gutachter nicht alles zur Verfügung stehende Zahlenmaterial aufgenommen hatte. Er habe mit zu hohen Kostenansätzen auf der einen und zu hohen Besucherzahlen im Kombi-Bad auf der anderen Seite kalkuliert.

Die Verwaltung ging noch weiter: Auch wenn das Gutachten auf korrekter Grundlage basierte, sei ein Kombi-Bad keine erstrebenswerte Lösung. Die große Wiese werde ganzjährig von Erholungsuchenden genutzt, es fänden zudem Sport- und Schulveranstaltungen statt. Die Qualität der beliebten Freizeiteinrichtung werde, so hieß es Anfang des Jahres, durch ein Kombi-Bad nicht erreicht. Im Sommer gehe ohnehin niemand ins Hallenbad.

Im Februar beschloss der Gemeinderat einstimmig den Erhalt des Freibads. Es gab nur kleine Meinungsverschiedenheiten. Während die CDU zunächst die Minimallösung der Erneuerung der Wasseraufbereitung angehen wollte, bevorzugten SPD, Grüne und FDP die zweite Variante, die bereits eine Sanierung des Kiosks vorsieht. Man müsse den Besuchern etwas bieten. Trotz kleiner Differenzen kann man sagen: Die Politik hat an einem Strang gezogen und damit einen dringenden Wunsch der Grefrather Bürgerschaft erfüllt.

Landesgartenschau: „And the winner is . . . Grefrath“, hieß es im Mai vergangenen Jahres. Die kleinste Kommune des Kreises Viersen soll Schauplatz der Landesgartenschau 2026 werden. Dafür sprachen sich Tourismusberater Christian Rast und Landschaftsarchitekt Clas Scheele aus. Diese Entscheidung stieß bei der Politik auf einhellige Zustimmung. „Das ist eine Anerkennung für Grefrath“, sagte der damalige SPD-Fraktionschef Jochen Monhof.

Bereits 1970 hat in Grefrath eine Landesgartenschau stattgefunden, ihr verdankt die Niersgemeinde den Schwingbodenpark mit seinem Turm. Dort könnte 2026 das Zentrum der Schau sein. Das dezentrale Konzept bringt es mit sich, das auch andere Kommunen des Kreises einbezogen werden. Auch Wirtschaftsförderer Jens Ernesti war sehr angetan, das sei eine Superchance für Wirtschaft und Tourismus.

Überwältigende Zustimmung für die Planungen gab es auch bei einer Bürgerinformation im November vergangenen Jahres. Die Gemeinde hat so richtig Lust auf Gartenschau, Bürgermeister Manfred Lommetz war begeistert über die Resonanz. Die beiden Gutachter schwärmten bei der Versammlung von der bereits vorhandenen Infrastruktur mit Einsporthalle und Freilichtmuseum. Zurzeit läuft die Machbarkeitsstudie. Die Bewerbungsfrist endet am 1. November 2021. Ob der Kreis Viersen den Zuschlag bekommt, entscheidet sich im Lauf des Jahres 2022.

Oedt soll nach den Ideen der Planer und der Bürger eine „Neue Mitte“ bekommen. Foto: Norbert Prümen

ISEK: Diese vier Buchstaben stehen für „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ für den Ortsteil Oedt. Im Oktober 2018 war Regierungspräsidentin Birgitta Rademacher zu Gast im Oedter Rathaus und verkündete eine frohe Botschaft: Für das damals laufende Jahr gebe es einen Landeszuschuss von 123.000 Euro für die Planungskosten. Das gesamte Konzept umfasst Maßnahmen mit einem Kostenvolumen von fünf Millionen Euro, die auf die kommenden fünf Jahre verteilt werden. Davon sind 70 Prozent förderfähig. Rademacher sagte seinerzeit: „Wir als Bezirksregierung wollen ein Umfeld schaffen, das für die Menschen schön und attraktiv ist.“ Es sei großartig zu sehen, wie die Bürger hier für ihre Heimat eintreten. Schwerpunkt der Neugestaltung ist die Ortsdurchfahrt Hochstraße und der Markt, der die „Neue Mitte“ von Oedt werden soll.

Schnell wurden die beabsichtigten Änderungen auf den Weg gebracht. Häuser sollen abgerissen werden, um eine Achse zwischen Marktplatz und Albert-Mooren-Halle herzustellen. Von vornherein war klar, dass nicht nur die Politik entscheiden solle, sondern auch Akteure aus der Bürgerschaft wie die Interessengemeinschaft Oedt-Mülhausen. Im Juli 2019 wurde beschlossen, in einem Werkstattverfahren Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Die Bürger können Ideen einbringen, am Ende wählt eine Jury den besten Vorschlag aus. Drei Entwürfe wurden im September 2019 vorgestellt, Ende Oktober bekam ein Krefelder Planungsbüro den Zuschlag. Ziel sei „eine neue zentrale Ortsmitte auf hohem Niveau“. Auf dem Platz vor der Mooren-Halle, deren Außengastronomie ausgeweitet werden soll, könnte eine Boulebahn angelegt werden. Eine Rampe soll Barrierefreiheit gewährleisten.

Die Sanierung im Eisstadion kann erst beginnen, wenn die Fördergelder zugesagt sind. Foto: Eissport- und Eventpark Grefrath

Eisstadion: Das Eisstadion muss dringend modernisiert werden, 41 Maßnahmen sind angedacht. 3,85 Millionen Euro Zuschuss sollten aus Berlin fließen, 55 Prozent der Gesamtkosten. Nachdem Grefrath das Haushaltssicherungskonzept verlassen hatte, sollten es plötzlich nur noch 430.000 Euro sein. In Grefrath war man sicher, den Antrag rechtzeitig vorher eingereicht zu haben. In Berlin hatte man das komplett ausgefüllte Formular indes lediglich als Willenserklärung aufgefasst. Dieses Missverständniss ist inzwischen geklärt, die Sache könnte sich also zum Guten wenden, und Grefrath könnte sich über die ursprünglich angedachte Summe freuen. Die Arbeiten im Eisstadion können erst beginnen, wenn eine endgültige Zusage über die Fördergelder vorliegt.