Stadt Kempen: Das Café, über das die Engel wachen

Stadt Kempen: Das Café, über das die Engel wachen

Das "Café himmlisch" an der Judenstraße soll ein Wohlfühlraum für seine Gäste sein. Tanja Laufmanns hat in die Gestaltung viel Herzblut gesteckt.

Ein Engelchen hat es sich im Schneidersitz gemütlich gemacht. Auf seinem linken Handteller thront eine dampfende Tasse Kaffee. Mit diesem Logo auf einem runden Schild an der Fassade lockt das "Café himmlisch" die Gäste in der Kempener Altstadt. Seit August befindet sich das Café im Erdgeschoss des barocken Hauses auf der Judenstraße 5. Inhaberin ist Tanja Laufmanns. Die 45-Jährige leitete zuvor das gleichnamige Café in St. Tönis an der Hochstraße. Als das Angebot kam, nach Kempen zu wechseln, zögerten sie und ihr Mann Markus nicht lange. "Entweder jetzt oder nie", sagten sie sich damals. "Sehr zufrieden" seien sie in Kempen, erzählen die beiden. Und von vielen positiven Reaktionen der Gäste.

Denn das Café bietet offensichtlich mehr als nur leckere Kuchen, feine kleine Speisen und Getränke. "Ich wollte einen Wohlfühlraum schaffen, in dem die Gäste ihre Zeit genießen können", sagt Tanja Laufmanns. Die gelernte Bürokauffrau aus St. Tönis hat sich mit der Eröffnung ihres ersten eigenen Cafés im Jahr 2012 einen Traum erfüllt. "Als reinen Gelderwerb würde ich das niemals betreiben", beteuert sie, auch wenn natürlich die wirtschaftliche Basis stimmen muss und der Arbeitseinsatz hoch ist. "Entschleunige Dich, nimm Dir Zeit, setz' Dich hin und lass' Dich verwöhnen", ist auf der Vorderseite der Speisekarte zu lesen. Viel Herzblut hat sie in die Gestaltung des Cafés gesteckt. Nichts ist hier von der Stange. "Da verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl", sagt Tanja Laufmanns, "ich würde nie etwas machen, wo ich nicht hundertprozentig hinterstehe." Der Boden ist mit einem dunklen Parkett belegt. Die Wände sind in einem zarten grau-blauen Farbton gestrichen. Die Frontseite des Raums schmückt eine moderne großformatige Variante des berühmten Bildes von Michelangelo von der Erschaffung des Adam: Eine Hand neigt sich einer anderen zu, die Finger berühren sich fast.

Der Raum ist mit farbigen Holztischen und -stühlen möbliert. Die Theke wird von Kristalllüstern illuminiert. Sie setzen die hier angebotenen Kuchen ins rechte Licht. Und auch die tragen eine persönliche Handschrift, werden teilweise nach alten Familienrezepten gebacken. "Wir haben etwa Tante Inge gebackenen Käsekuchen im Angebot", erzählt Tanja Laufmanns und davon, dass Tante Inge mittlerweile 88 Lenze zählt. Ebenso gibt es "Kallis Grillagetorte". Das sei ein Rezept ihres Vaters. Und "Bennys kalte Hundeschnauze", ein Kellerkuchen zu Ehren des verstorbenen Familienhundes, dessen Foto nebst anderen Familienporträts im hinteren Flurbereich hängt. Dazu gibt es Kaffee aus Fairtrade-Produktion, Tees und kleine Speisen wie Suppen und Nudelgerichte. In Regalen, Schränkchen und auf Borden finden sich Süßigkeiten und Accessoires aller Art. Kleine Weckgläser mit roten Schokoherzen und bunten Ostereiern, Tütchen mit rosa Himbeerdragees, Schokolinsen und Pfefferminztalern. Dazu Servietten, Teegeschirr und Dekoratives aller Art. Auch Unerwartetes, wie die bunt gepunkteten Regenschirme. Fast alles ist käuflich zu erwerben. "Schon in St. Tönis haben mich die Leute gefragt, ob sie die Dekoration erwerben können", sagt die Inhaberin. Und dann sind da auch immer wieder die Engel. Ein silberner Engelsflügel mit einer kleinen Perle baumelt an der Halskette der Inhaberin, kleine Porzellanputten stehen hier und dort. Auf einem Wandbild findet sich ein ermutigendes Gedicht über "Liebe, Glaube und Zuversicht" und darüber, "dass Engel mein Leben beschützen." "Das wird oft abfotografiert", berichtet Tanja Laufmanns. "Ich bin eigentlich kein religiöser Typ, aber ich glaube an die Verbindungen zwischen Menschen und der Natur." Tanja Laufmanns ist ein Menschen- und Tierfreund. Kinder sind im Café sehr willkommen, genauso wie ältere Menschen. Die werden bei Bedarf auch schon mal mit dem Küchenaufzug in das Untergeschoss zur Toilette gefahren. Auch die Gäste auf vier Pfoten mag sie sehr. "Ich versuche in diesem Café rüber zu transportieren, was ich empfinde", sagt Tanja Laufmanns. Zwei Engel aus Porzellan sind übrigens nicht zu verkaufen: "Das sind Oma Cox und Tante Maria. Die habe ich zum Einzug geschenkt bekommen und die passen jetzt mit aufs Café auf", schmunzelt die Inhaberin.

(evs)