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Gemeinde Grefrath: "Crash Kurs" soll Unfälle verhindern

Gemeinde Grefrath : "Crash Kurs" soll Unfälle verhindern

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr, das ist das Ziel von "Crash Kurs NRW". Das Präventionsangebot der Polizei war gestern zu Gast an der Liebfrauenschule Mülhausen. Die Schüler waren anschließend sehr nachdenklich.

Der Anblick des Sarges inmitten der Holzkreuze, auf denen Vornamen eingraviert sind und vor denen Kerzen flackern, lässt so manchen Schüler beim Betreten des Pädagogischen Zentrums der Liebfrauenschule in Mülhausen verstummen. "Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn da auf einmal ein Sarg steht. Ich habe selber schon den Führerschein und weiß, wie viele Unfälle durch zu schnelles Fahren oder anderes Fehlverhalten entstehen. Ich denke, es ist sehr wichtig, gerade Fahranfänger für die Gefahren zu sensibilisieren", meint die 17-jährige Sarah, die wie alle anderen Oberstufenschüler des Gymnasiums vor der Bühne Platz nimmt.

"Ihr erlebt hier heute keine erfundenen Geschichten, sondern Begebenheiten aus dem Leben. Wir ersparen uns dabei Schockvideos", begrüßt Martin Gennert vom Kommissariat Verkehrsunfallprävention die Schüler. Diese ungewöhnliche Art der Prävention betreffend die Verkehrssicherheit fand gestern erstmals in der Liebfrauenschule statt. Das Gymnasium hatte die Präventions-Kampagne für mehr Verkehrssicherheit, den "Crash Kurs NRW", eingeladen, bei der Polizei, Feuerwehr, Rettungsassistenten und Ärzte von ihren Einsätzen bei Verkehrsunfällen berichten und schildern, was sie beim Eintreffen an der Unfallstelle erlebten und wahrnahmen. "Unfälle fallen nicht vom Himmel. Sie passieren, weil vorher Fehler gemacht wurden. Unfälle können verhindert werden, wenn Fehlverhalten vermieden wird", betont Gennert.

Zwei Drittel aller Unfälle der 18- bis 22-jährigen Fahrer finden ohne Fremdeinwirkung statt. Die Autos kommen von der Fahrbahn ab, weil die Fahrer telefonieren, simsen, mit zu hoher Geschwindigkeit fahren oder unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen. Das Nichtanschnallen verschärft die Unfallfolgen oft noch.

Gestartet wurde die Veranstaltung mit einer Dia-Show, die Bilder von schweren Verkehrsunfällen im Kreis Viersen zeigte. Mit diesem neuen Weg für mehr Verkehrssicherheit hoffen die Beteiligten die Zahl von schweren Verkehrsunfällen, an denen junge Fahrer beteiligt sind, nachhaltig zu verringern. Denn junge Fahrer unter 25 Jahren verursachen nach wie vor überproportional häufig Verkehrsunfälle. 19 Prozent aller Unfälle gehen auf ihr Konto, obwohl ihr Bevölkerungsanteil insgesamt nur acht Prozent beträgt.

Ob die Erzählung von Polizist Udo Berndt, der von einer Unfallaufnahme mit sechs Toten berichtete, oder die Schilderung von Notärztin Ulli Rukes, die am Unfallort nur noch einen Totenschein ausstellen konnte und erlebten musste, wie Eltern die Unfallstelle aufsuchten — bei den Oberstufenschülern machte sich Nachdenklichkeit breit. Betroffene Mienen spiegelten wider, wie nahe die Schilderungen gingen. "Ich denke, dass es ganz wichtig ist, einmal damit konfrontiert zu werden, was passieren kann. Aber ich weiß nicht, ob wirklich ein jeder später beim Fahren auch daran denkt", meinte Hannah (17 Jahre), die in Kürze den Führerschein machen möchte.

(tref)