Country und Blues beim Wohnzimmerkonzert mit Bad Temper Joe in Mülhausen

Mülhausen : Country und Blues auf engstem Raum

Bei einem weiteren Wohnzimmerkonzert bei Morena Hommel wurden die Besucher in kuscheliger Atmosphäre vom Bielefelder Künstler Bad Temper Joe unterhalten.

Für viele Musiker sind sogenannte Wohnzimmerkonzerte die perfekte Ergänzung zum gängigen Konzertformat, und auch für die Zuhörer ergeben sich einige Vorteile: Sie müssen nicht rausgehen, sondern können im gemütlichen Wohnzimmer bleiben, haben gleich Freunde und Bekannte um sich herum, und gemeinsam lauschen sie dem Künstler. So kam es auch am Samstag zu einem kuscheligen Zusammentreffen auf etwa 26 Quadratmetern im Wohnraum von Morena Hommel in Mülhausen.

Über Jahre war die Kulturscheune in Mülhausen ein idealer Ort für Musiker, Kabarettisten und Künstler, doch machte das Bauamt Morena Hommel einen Strich durch die Rechnung. Der fehlende Brandschutz zwang sie, kreativ zu werden und eine andere Lösung zu finden. So lud sie in der Vergangenheit nun schon mehrfach Freunde und Bekannte für kleine Konzerte ins Wohnzimmer ein. Unterhalten wurden die Gäste am Samstag von den rohen und mitreißenden Klängen des Künstlers Bad Temper Joe, der mit seinen langen Haaren, dem Holzfällerhemd, Bart und einem Cowboyhut ganz das Klischee eines old-school Blues-Musikers erfüllt.

Der Bielefelder präsentierte seine Musik nah, persönlich und unverfälscht, ohne große Dekoration, sodass die Lieder und Geschichten im Mittelpunkt standen. „Es gibt vielleicht Leute, die sich fragen, warum ich so wenig rede“, sagte der mürrische Mittzwanziger. „Das liegt daran, dass ich die Stille so liebe. Und Multitasking-fähig bin ich auch nicht“, erklärte er, während er seine Gitarre stimmte. Bad Temper Joes lässige Art und wohltuenden Töne begeisterten die Besucher in Mülhausen bei einem Bier oder einem Glas Wein. Die meisten seiner lieder spielte er auf einer Weißenborn-Gitarre, die man nur flachliegend auf dem Schoß spielen kann.

Am Samstagabend musste man jedoch kreativ werden. Es kamen weitaus mehr Besucher zu dem kleinen Konzert, als erwartet wurden. „Jetzt müssen wir eben improvisieren“, sagte Morena Hommel. Es wurden weitere Stühle organisiert und im Flur aufgestellt. „Wir müssen ihn ja nicht unbedingt sehen. Ihn zu hören reicht völlig aus“, sagte eine Besucherin. Im Laufe des Abends wechselten die Besucher also einfach mal die Sitzplätze durch, sodass jeder die Chance bekam, dem Künstler seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. „Das gehört eben dazu“, sagte Hommel, die sich gleichzeitig noch um die kleine Bar in der Scheune kümmerte.

Da es sich um ein Hutkonzert handelte, wurde kein Eintritt verlangt, sondern es ging ein Zylinder durch die Reihen, in den die Besucher eine Spende werfen konnten. So werden die Künstler mit einer selbstbestimmten Gage unterstützt, und der Konzertabend bleibt dennoch erschwinglich. „Ihr helft mir damit, dass ich wieder nach Hause komme“, sagte der Musiker. Zwischen Bluessongs spielte er auch ein paar Countryklänge, „Blues finde ich auf Dauer auch ziemlich langweilig“, sagte er mit seinem trockenen Humor.

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