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Coronavirus hat kaum Auswirkungen auf den Alltag in Kempen, Willich, Tönisvorst und Grefrath

Wie sieht der Alltag aus? : Das Leben mit Corona läuft

In Kempen, Willich, Tönisvorst und Grefrath geht das Leben trotz Coronavirus seinen normalen Gang. Desinfektionsmittel sind stark nachgefragt, aber ansonsten buchen die Menschen Reisen, treffen sich zum Essen und treiben Sport.

Das Coronavirus ist nach wie vor das vorherrschende Gesprächsthema, aber stärkere Auswirkungen auf das tägliche Leben hat das Virus in Kempen, Willich, Tönisvorst und Grefrath derzeit nicht. Nahezu alles geht seinen gewohnten Gang. „Wir können keine Einbrüche bei den Restaurantbesuchern verzeichnen. Die Leute kommen und feiern auch bei uns. Sie sprechen zwar über Corona, und der ein oder andere verzichtet auch auf eine Begrüßung mit Handschlag, aber negative Auswirkungen können wir bis jetzt nicht feststellen“, sagt beispielsweise Willi Hirschmann vom Restaurant „Et Kemp’sche Huus“ in Kempen.

Was Hirschmann allerdings festgestellt hat: Die Lager der Großlieferanten sind teilweise wie leergefegt, es scheint Hamsterkäufe zu geben. Zudem sind die Desinfektionsmittel sehr gefragt. „Entsprechende Flaschen stehen in unseren sanitären Einrichtungen. In den vergangenen Tagen wurden wirklich zwei Flaschen aus unseren Toilettenräumen entwendet“, berichtet Hirschmann. Bei der Kempener Pizzeria Al Capone verzeichnet Inhaber Savas Aslan ebenfalls keine Rückgänge, was Pizza-Bestellungen und Co. betrifft. Der Lieferservice sei wie immer nachgefragt. „Wir spüren bislang keine Auswirkungen. Alles läuft wie gehabt, und die Bürger nutzen unser Angebot. Der Bürgerbus rollt und alle fahren mit“, sagt auch Matthias Zeies vom Bürgerbusverein in Anrath.

Auch die Reiselust der Bürger ist ungebrochen: „Der Januar und der Februar waren wie immer sehr umsatzstark und sind sehr gut gelaufen. Im März ist es nun etwas verhaltener, was aber eigentlich immer so ist“, berichtet Susanne Utke vom Reisebüro am Kuhtor in Kempen. Die Reiseziele sind unterschiedlich: Ägypten, Italien und Griechenland sind stark nachgefragt, aber auch die Türkei wird wieder mehr gebucht. Die Kanaren laufen immer, selbst vor dem Hintergrund, dass auf Teneriffa ein ganzes Hotel aufgrund des Coronavirus unter Quarantäne stand. Etwas verhaltener zeigen sich die Kunden bei den Neubuchungen für Kreuzfahrten. „Die Sorge, auf einem Schiff unter Quarantäne zu stehen, und das vielleicht in einer gebuchten Innenkabine, hält derzeit doch etwas ab“, sagt Utke. Stornierungen verzeichnete das Reisebüro am Kuhtor bislang nur eine. Es handelte sich um eine Reise nach Vietnam, die ein Kunde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hat.

„Generell ist es so, dass die Gebühren für eine Stornierung bis 30 Tage vor Abreise gleich sind. Warum sollte also jemand jetzt seine gebuchte Sommerreise stornieren? Die Stornierungsgebühr steigt nur nach Überschreiten der 30 Tage und staffelt sich entsprechend, je näher der Abreisetag rückt“, sagt Utke. China-Reisen seien indes schon vor dem Coronavirus nicht gefragt gewesen. Das liege an den erschwerten Einreisebedingungen: Früher konnte ein Visum online geordert werden, heute ist ein Besuch in Berlin unumgänglich, da in der dortigen Botschaft ein Daumenabdruck hinterlegt werden muss.

Die Reiselust ist also trotz Coronavirus ungebrochen, und auch die sportlichen Menschen werden nicht von ihrem Hobby abgehalten: „Unsere Kunden trainieren nach wie vor ganz entspannt. Hygienestationen gab es bei uns schon immer, so dass dies überhaupt kein Problem ist“, informiert Thomas Mathes vom Fitnessstudio „Halle 22“ in Willich. Bei den Sportvereinen läuft alles ebenfalls in gewohnten Bahnen. „Unsere Angebote werden normal besucht. Dass sich jemand Sorgen macht, ist eher die Ausnahme“, sagt Anja Schröter, Übungsleiterin und Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des TV Schiefbahn. Beim Willicher Turnverein gibt es einige besorgte Eltern: „Sie sagen es zwar nicht deutlich, aber sie lassen ihre Kinder daheim. Ansonsten läuft alles wie gewohnt, wie uns unsere Übungsleiter mitteilen“, sagt Gaby Heinemeyer, Geschäftsführerin des Willicher Turnvereins.

„Alles wie immer“, heißt es auch in der Kempener Sauna- und Wasserwelt „Aqua Sol“. Corona hält nicht vom Schwimmspaß und dem gesunden Saunieren ab. Eine gewisse Verunsicherung stellt allerdings Stefan Robben vom gleichnamigen Herrenmodegeschäft in St. Tönis fest: „Die Leute können nicht richtig einschätzen, welche Auswirkungen das Virus mit sich bringen könnte. Der teilweise etwas merkwürdige Informationsfluss trägt zur Verunsicherung bei“, ist sich Robben sicher. Er meint, die Frequenz in der Innenstadt sei etwas zurückgegangen, dennoch habe er gut zu tun. Das bestätigt auch Karl Groß von der gleichnamigen Buchhandlung in Grefrath: „In dieser Saison ist generell nicht viel los, aber derzeit meine ich festzustellen, dass es in der Grefrather Innenstadt etwas ruhiger zugeht als sonst“, sagt er. Die Lust, sich unter Menschen zu bewegen, scheint kleiner zu sein. Ein verstärktes Interesse seiner Kunden an Gesundheitsbüchern kann er indes nicht feststellen.

Beim international arbeitenden Unternehmen Saint-Gobain Performance Plastics Pampus GmbH in Schiefbahn gelten derzeit Reiserestriktionen. „Anstehende Dienstreisen sind abgesagt worden. Wir verzichten auf die Begrüßung per Händereichen und haben zusätzliche Händedesinfektionsstationen installiert. Ansonsten geht alles seinen gewohnten Gang“, sagt Unternehmenssprecherin Annette Gurdon. Man sei vorsichtig und empfehle gründliches Händewaschen, was aber eh in der Erkältungszeit so gehandhabt werde, fügt sie an.