Konzert in der Kempener „Haltestelle“ Chris Hopkins bot eleganten Jazz mit Temperament

Kempen · „Chris Hopkins & His British Swing Quartet” traten in der Kempener „Haltestelle” auf und boten hohe künstlerische Qualität, gepaart mit Leidenschaft.

Chris Hopkins verbindet die alten Jazzformate mit den modernen Formen der Jazzmusik.

Chris Hopkins verbindet die alten Jazzformate mit den modernen Formen der Jazzmusik.

Foto: Sascha Kletzsch

Anfang September spielten die „Armstrong‘s Ambassadors“ noch eine hörenswerte musikalische Huldigung an den großen Jazztrompeter mit der markanten Jazzstimme: Louis Armstrong. Jetzt folgte einer der aktuell meistbeschäftigten Musiker der internationalen Jazzszene, Chris Hopkins, der am Piano wie am Saxophon gleichermaßen zu brillieren weiß. Mit seinem „British Swing Quartet“ spielte er in der Kempener „Haltestelle“ seinen „Salute to Louis Armstrong & the Trumpet Kings“ und begeisterte sein Publikum mit einer leidenschaftlichen und wie beflügelt wirkenden Musik.

Um ihn herum erstklassige Musiker: Da bestach mit seiner herausragenden Qualität der Trompeter Enrico Tomasso, der mit fünf Jahren Trompete spielen lernte, als junger Bursche 1968 mit Louis Armstrong zusammen in einem Club bei Leeds auftrat und viele Anregungen für seinen Jazz von ihm erhielt. Noch heute hat er viel von seinem Idol und weiß auch stimmlich an ihn zu erinnern, hat dabei aber seine ganz eigene Interpretation gefunden. Der Könner am Kontrabass an diesem Abend, Dave Green (80 Jahre jung), ist eine Legende in England. Und gemeinsam mit den Dreien steuerte der Ausnahmegitarrist John Kelly sein grooviges Gitarrenspiel bei.

Mit ansteckender Spielfreude begann das Jazzkonzert des Quartetts in der gut gefüllten „Haltestelle“ und dem Standard „Struttin‘ with some barbecue“. „Jubilee“ folgte, ein Titel, den „Uncle Satchmo“ einst gerne mit seiner Big Band spielte. „St. James Infirmary“ ist ein Stück, das ins Ohr, aber auch in die Beine geht, wurde es doch oft bei den Marching Bands im legendären Jazz von New Orleans gespielt. Enrico Tomasso hatte bei seinem Gesang wie bei den späteren Titeln den kratzigen Sound des traditionellen Jazz richtig gut drauf.

Chris Hopkins verbindet in seiner Musik die alten Jazzformate auf das Beste mit den modernen Formen der Jazzmusik. Das brachte ihm neben vielen beachtlichen Auszeichnungen vor neun Jahren schon den Titel eines „Keeper oft he Flame“ für das Bewahren des klassischen Jazz ein. Sein Quartett spielte aus den späten 1920er-Jahren Kompositionen von Howie Carmichael, den unverwüstlichen Blues „Ol‘ rocking chair“ und den von Armstrong selbst komponierten Titel „Swing that music“.

Neben bekannten Titeln von Cole Porter wie „You do something to me” und „The Christmas Song” von Mel Tormé erklangen die Stücke „They call him chop suey” und „I can‘t get started” von Bunny Berigan. Dann wurde es adventlich mit „Santa Claus is coming to town” mit einem exzellenten Chris Hopkins am Alt-Saxophon, dem traditionellen „Rudolph the Red-Nosed Reindeer“ im ungewöhnlichen Samba-Rhythmus und „Winter Wonderland“ als Zugabe.

Chris Hopkins, der auch sympathisch moderiert, bringt bei seinen Gastspielen stets ausgezeichnete Musiker mit und lässt seinem Ensemble viel Spielraum zur eigenen Entfaltung. So spielten jeweils zwei Musiker in wechselnder Besetzung und entfalteten ihr ganzes Können. Und Chris Hopkins, in Princeton/New Jersey in den USA geboren, aber schon seit vielen Jahren in Deutschland lebend, bringt die Erfahrung aus rund 4000 Konzerten in allen Teilen der Welt und als Jazzdozent an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz mit.

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