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CDU und Grüne triumphieren im Kreis Viersen​ bei der Landtagswahl 2022

Landtagswahl 2022 : CDU und Grüne triumphieren im Kreis Viersen

+++ Beide CDU-Kandidaten direkt gewählt +++ Auch Dietmar Brockes (FDP) schafft den Einzug in den Landtag +++ Christdemokraten bleiben stärkste Kraft im Kreis Viersen +++ Grüne verdreifachen ihr Ergebnis +++ SPD und FDP verlieren stark +++ Geringe Wahlbeteiligung +++

Die CDU ist bei der Landtagswahl am Sonntag stärkste Kraft im Kreis Viersen geblieben, ihre beiden Kandidaten Guido Görtz (Wahlkreis Viersen I) und Marcus Optendrenk (Viersen II) wurden direkt in den Landtag gewählt. Auch Dietmar Brockes (FDP) wird dem Landtag erneut angehören, der Brüggener zog trotz starker Verluste für die FDP über die Landesliste ein.

Die CDU erhielt im Kreis Viersen insgesamt 42 Prozent der Zweitstimmen, das sind 3,9 Prozentpunkte mehr als bei der Landtagswahl 2017. Am stärksten verbesserten sich die Grünen: Sie kamen auf 17,4 Prozent (2017: 5,3 Prozent), konnten ihr Ergebnis mehr als verdreifachen. Die SPD erhielt mit 22,4 Prozent fünf Prozentpunkte weniger als 2017, fuhr ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl im Kreis Viersen ein.

Noch deutlichere Verluste erlitten die Freidemokraten. Kam die FDP im Jahr 2017 noch auf 15,6 Prozent, waren es an diesem Sonntag nur noch 6,6 Prozent. Die AfD, die 2017 erstmals bei einer Landtagswahl angetreten war, rutschte im Kreis Viersen von 5,9 Prozent unter die Fünf-Prozent-Grenze (4,4 Prozent). Die Linkspartei, die in NRW an der Fünf-Prozent scheiterte, kam im Kreis Viersen auf 1,4 Prozent (2017: 3,7 Prozent).

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Die Wahlbeteiligung ging gegenüber 2017 zurück. Das hatte sich bereits am Nachmittag angedeutet. Im Kreis Viersen machten 56,5 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch (2017: 66,1 Prozent). Doch in den Wahllokalen blieb es auch deshalb leerer, weil viele schon vorab per Briefwahl ihre Stimme abgegeben hatten.

„Der Abstand war größer, als ich erwartet hatte“, sagte Marcus Optendrenk. Er wertete das Ergebnis für die CDU als „eine Bestätigung unserer guten Arbeit“ und eines „sehr engagiert geführten Wahlkampfes der gesamten Partei“. Sein Parteikollege Guido Görtz, der erstmals zur Landtagswahl angetreten war, erklärte: „Mein Wunsch war, 40 plus x Prozent der Erststimmen zu erreichen, und das hat geklappt.“ Ausgezahlt habe sich, dass er sich in der Wahlkampagne auf die Positionen und die Erfolge der CDU fokussiert habe, statt die Gegner zu attackieren. Klar ist für Görtz, dass es nun eine „Regierung der Gewinner“ geben müsse. Görtz: „Der Bürger erwartet jetzt eine schwarz-grüne Koalition.“ Eine Ampel hält er für unwahrscheinlich. Er selbst wolle sich nun für die Themen Verkehrspolitik, Arbeit und Soziales, Digitales und Europapolitik einsetzen.

Klarer Wahlgewinner sind die Grünen. Als um 18 Uhr die erste Prognose bekannt gegeben wurde, brandete bei der Wahlparty der Grünen am Viersener Bahnhof Applaus auf. „Ohne uns Grüne geht es nicht mehr im Land“, sagte Christian Küsters, grüner Bürgermeister der Stadt Nettetal. „Mit so einem guten Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, erklärte Jürgen Heinen, Sprecher der Kreispartei. Er war stolz, dass sich die Mitgliederzahlen nach der Kommunalwahl 2020 verdoppelt haben. Kreisweit haben die Grünen jetzt knapp 500 Mitglieder. Auch nach der Bundestagswahl seien viele junge Menschen bis 40 Jahre in die Partei eingetreten. Überglücklich auch der Grünen-Kandidat Paul Muschiol, auch wenn es für ihn als Direktkandidat gegen Görtz nicht gereicht hat. „Ich bin ehemaliger Leistungssportler und stelle mich auf den Platz, um zu gewinnen“, sagte er. Aber er sei auch Realist. Ihn freue, dass offensichtlich viele Menschen grüne Politik wollten. Daher müsse in der künftigen Regierung „die grüne Handschrift erkennbar sein“.

Enttäuschung bei der SPD: Kandidat Lukas Maaßen nennt das Zweitstimmenergebnis eine „deutliche Niederlage“ seiner Partei, sein eigenes Ergebnis sei solide, er empfinde es als „wertschätzend“, zumal er zum ersten Mal angetreten sei. „Darauf lässt sich aufbauen.“ Im Wahlkampf habe ihm persönlich eine inhaltliche Auseinandersetzung gefehlt. „In den letzten Wochen wurde an den Wahlkampfständen nicht über Landespolitik, sondern mehr über Olaf Scholz und den Ukraine-Krieg gesprochen“, sagt Maaßen. Landesthemen wie ÖPNV, Kita-Ausbau oder Sicherheit seien zu kurz gekommen. Klar ist für ihn nun, dass die CDU als klarer Wahlsieger erste Gespräche führen müsse und die SPD sich zurückhalten und die Gründe für das schlechte Abschneiden analysieren solle. Die Nettetaler SPD-Landtagskandidatin Tanja Jansen sagte: „Das Ergebnis für die SPD ist deutlich hinter meinen Erwartungen geblieben. Was ihr Sorgen bereitet:. „Die Wahlbeteiligung im Kreis Viersen lag bei 56,6 Prozent. Das ist eine klare Ansage zum Stellenwert von Politik und Demokratie. Das müssen wir noch aufarbeiten.“

„Sehr enttäuschend“ sei der Abend für ihn gewesen, erklärte der FDP-Landtagsabgeordnete Dietmar Brockes. Dass es Verluste für seine Partei geben würde, sei ihm klar gewesen, dass seine Partei und damit auch er um einen Wiedereinzug in den Landtag würde bangen müssen, hätte er nicht gedacht. „Von meiner Seite aus wird es nun eine knallharte Opposition geben“, sagt Brockes. Die CDU habe es geschafft, die FDP zu vereinnahmen und große Teile des liberalen Wahlprogramms zu kopieren, statt eigene Ideen zu präsentieren, sagte Brockes. FDP-Landtagskandidat Frank a Campo tröstete, dass seine Partei in der Gunst zumindest der jungen Leute konstant geblieben sei. Dennoch sei die Regierungsarbeit seiner Partei vom Wähler nicht honoriert worden. Der Wahlkampf auf der Straße sei von den großen Krisenthemen geprägt gewesen, so a Campo.