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Calmus Ensemble sang ein Advents- und Weihnachtsprogramm live in der leeren Paterskirche in Kempen

Kempener Klosterkonzerte : Konzert wurde im Internet übertragen

Das Calmus Ensemble sang ein Advents- und Weihnachtsprogramm live in der leeren Paterskirche in Kempen. Via Live-Stream im Internet konnten alle Interessierten daran teilhaben.

„Schon mehrere von ,Kempen Klassik’ geplante Konzerte mussten abgesagt werden, doch wir dürfen heute hier für Sie singen – dafür sind wir unendlich dankbar“ – so begrüßte einer der Sänger von Calmus das virtuelle Publikum. Doch bevor die honorigen Gäste mit ihrem etwa dreiviertelstündigen Programm begannen, erläuterte Peter Landmann, Künstlerischer Leiter von Kempen Klassik, die ungewöhnliche, der Pandemie geschuldete Vorgehensweise und dankte allen Unterstützern sowie den Fachleuten der Aufnahmefirma „dembach media works Krefeld“, die sich alle für dieses besondere musikalische Geschenk eingesetzt hätten. Kempens neuer Bürgermeister Christoph Dellmans schloss sich dem an und betonte die kulturelle Bedeutung von „Kempen Klassik“.

Homogenität, Präzision und Witz, gepaart mit einfallsreichen Programmen – das macht das 1999 gegründete, im vergangenen Jahr mit dem „Opus Klassik“ für die beste Chorwerkeinspielung geehrte Calmus Ensemble aus. Anja Pöche mit geerdetem, sich farbenreich in höchste Höhen aufschwingendem Sopran, David Erler, der versierte Counter, der erst in diesem Jahr zu Calmus kam, Friedrich Bracks mit angenehm lyrischem Tenor, Ludwig Böhme – einziges noch verbliebenes Gründungsmitglied – dessen klar zeichnender Bariton sich bestens anpasst, und der markante, dabei flexible Bass von Manuel Helmeke – sie bilden ein Vokalquintett der Sonderklasse. Das Klangbild ist stets ausgeglichen und auf faszinierende Weise lebendig. Kein Wunder, dass erstklassige Instrumentalensembles wie die Lautten Compagney, das Raschèr Saxophonquartett oder die capella de la torre (die noch im September in Kempen war) gerne mit den Ausnahme-Vokalisten musizieren.

Die Vortragsfolge reichte von der Renaissance bis zur Gegenwart. Anspruchsvolle Schwerpunkte waren das „Ave regina caelorum“ von Carlo Gesualdo di Venosa (1566–1613), dem die Choristen ebenso viel leuchtende Strahlkraft verliehen wie dem „Deutschen Magnificat“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Von Mateo Flecha (1481–1553) erklang ein fast tänzerisches Marienlied mit Tamburinbegleitung, und die „Weihnachtsmotette“ von Albert Becker (1834–1899) entpuppte sich als eine Paraphrase über das Lied „Vom Himmel hoch“. „Resonet in laudibus“, bearbeitet von Jacobus Gallus (1550–1591), ließ die überschäumende Freude über Christi Geburt lebendig werden – als wunderschöner Kontrast folgte darauf das schlackenlos ins Piano genommene „Kindelein zart“ in einer Fassung von Franz Wüllner (1832–1902).

Auch mit Weihnachtlichem aus Frankreich und England, teils in komplizierten modernen Sätzen, machten die Sänger bekannt und endeten mit „Weihnachtlichen Impressionen“, in denen Fredo Jung (geb.1949) auf eigenwillige, teils expressiv-festliche Weise zehn Weihnachtslieder verarbeitet hat. Vielleicht haben nach diesen faszinierenden Vorträgen, die in makelloser Tonqualität und begleitet von abwechslungsreicher und dennoch dezenter Kameraführung das Publikum erreichten, nicht wenige beim abschließenden „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ mitgesungen.