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Bundeswehr hilft im Kreis Viersen bei Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten

Soldaten unterstützen im Kreis Viersen bei Kontaktnachverfolgung : Bundeswehr kämpft gegen Corona

Seit Ende November hilft die Bundeswehr im Kreis Viersen wieder bei der Kontaktnachverfolgung Corona-Infizierter. 15 Soldaten sind derzeit im Corona-Einsatz, weitere könnten bald hinzukommen. Denn die Zahl der Ansteckungen steigt.

Soldaten des Aufklärungsbataillons 7 aus Ahlen kämpfen im Kreis Viersen gegen die Corona-Pandemie. Seit Ende November unterstützt die Bundeswehr das Gesundheitsamt des Kreises erneut bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten. Im Herbst 2020 hatte der Kreis Viersen schon einmal einen Hilfeleistungsantrag bei der Bundeswehr gestellt, bis März 2021 halfen Soldaten damals im Kreis Viersen aus. Dann gingen die Infektionszahlen zurück, der Kreis stellte zusätzliches Personal ein, die Hilfe der Soldaten war vorerst nicht mehr nötig. Allerdings stehe man weiter in engem Kontakt mit den Verbindungsoffizieren des Kreisverbindungskommandos, kündigte Landrat Andreas Coenen (CDU) damals an. Sollte es die Lage erfordern, würde der Kreis erneut um Unterstützung bitten.

Mit der Ausbreitung der Omikron-Variante und immer mehr Ansteckungen hat sich die Lage nun wieder zugespitzt. Aktuell sind rund 150 Menschen in verschiedenen Bereichen mit der Bearbeitung von Corona-Fällen im Kreis Viersen beschäftigt – darunter 15 Soldaten der Bundeswehr, die die Angestellten des Kreises bei der Kontaktnachverfolgung unterstützen. Weitere Soldaten könnten bald hinzukommen, sagt Oberstleutnant Jörg Albrecht, Leiter des Kreisverbindungskommandos: Sollten die Infektionszahlen exponentiell ansteigen, würden die derzeit 15 Soldaten vermutlich nicht reichen; dann müsste man möglicherweise weitere Kräfte hinzuziehen.

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Einsatzzentrale für die Bundeswehrsoldaten ist ein Gewerbekomplex in Grefrath. Dort sitzen immer 15 Soldaten, wechselnd aus dem Aufklärungsbataillon 7, montags bis sonntags am Telefon. Wird eine Person im Kreis Viersen positiv auf das Coronavirus getestet, erhält das Gesundheitsamt eine Nachricht. Mitarbeiter des Gesundheitsamts oder die unterstützenden Soldaten rufen dann die infizierte Person an und fragen beispielsweise, ob sie geimpft ist, ob sie Symptome hat, zu wem sie Kontakt hatte, ob sie Grunderkrankungen hat wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck, ob sie in den vergangenen Tagen im Krankenhaus war oder im Urlaub, und erklären die Quarantäne-Bedingungen.

In Ahlen würden die Soldaten normalerweise etwas ganz anderes machen: Das Aufklärungsbataillon 7, das zur Panzerbrigade 21 gehört, hat den Auftrag, am Boden Spähaufklärung und in der Luft unbemannte abbildende Aufklärung zu betreiben. Es soll Informationen sammeln – etwa über die Struktur und Zahl feindlicher Kämpfer, über gegnerische Waffen und das Gelände. In der Luft werden dafür beispielsweise Drohnen genutzt, am Boden kommt der Spähwagen Fennek zum Einsatz. „Normalerweise wäre ich jetzt im Tagesdienst in der Kaserne, bei der Fahrzeugpflege oder beim Training“, sagt eine junge Soldatin, die in Grefrath mit Corona-Infizierten telefoniert. „Es geht darum, die Leute zu informieren und zu beraten“, sagt die Hauptgefreite. Jeder Fall sei individuell, „manchmal ist es überhaupt nicht möglich zu rekonstruieren, wo sich jemand infiziert hat.“

Im Laufe des Tages füllt sich das E-Mail-Postfach mit den Corona-Befunden immer weiter, mehrere hundert E-Mails liegen zur Bearbeitung vor. „Wir versuchen, die Befunde abzuarbeiten – was wir im Moment aber nicht schaffen“, sagt Anja Czarnietzki, die als Mitarbeiterin des Gesundheitsamts in Grefrath auch als Ansprechpartnerin für die Soldaten zur Verfügung steht. Einen Schwerpunkt legt das Amt auf Schulen und Kitas: Diese Einrichtungen seien aktuell massiv durch Neuinfektionen betroffen, berichtet Czarnietzki. Teilweise müssten ganze Schulklassen in Quarantäne.

„Aktuell wurden vom Gesundheitsamt zwölf komplette Klassen in ihr häusliches Umfeld isoliert“, erklärt Kreissprecher Daniel Schnock. Fälle wie diese seien Einzelfallentscheidungen und könnten aufgrund eines erhöhten Infektionsaufkommens innerhalb einer Klasse oder des Nicht-Einhaltens der Corona-Regeln zur Quarantäne einer ganzen Klasse führen.  „Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Kreis Viersen bei fünf positiven parallelen Fällen innerhalb einer Klasse von einem Infektionsgeschehen ausgeht, welches eine Isolation der restlichen Schüler als Kontaktpersonen rechtfertigt“, so Schnock. „Jedoch bleibt anzumerken, dass Schüler, welche den vollen Impfschutz besitzen oder bereits genesen sind, nicht in Quarantäne müssen.“

Der Corona-Einsatz in Grefrath sei für die jungen Soldaten eine Erfahrung, die sie prägen werde, glaubt Oberstleutnant Albrecht. Die Gespräche am Telefon seien nicht immer freundlich, „das ist eine Belastung für alle, die in der Kontaktnachverfolgung tätig sind.“ Durch die Tätigkeit bekomme man einen anderen Blick auf die Pandemie, sagt ein junger Feldwebel: „Es führt einem vor Augen, wie viele Fälle es derzeit gibt. Das macht es reeller, als wenn man nur von steigenden Inzidenzen in den Nachrichten hört.“