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Bürgerverein will Kempen voranbringen

Initiative : Initiative will Kempen voranbringen

Es gärt in Kempen. Nicht nur Umweltschützer sind enttäuscht von Verwaltung und Politik. Auch etablierte Vereine fühlen sich nicht ernst genommen. Einige haben sich in der „Initiative Pro Kempen“ zusammengefunden.

Es ist ein eher loses Bündnis von Vereinen und Verbänden in der Stadt Kempen. Was die Mitglieder eint, ist der Wunsch nach Veränderung. „Initiative Pro Kempen“ nennt sich der Verbund. Er ist vor etwa einem Jahr entstanden. Damals traf man sich am Rande von Veranstaltungen zum informellen Gedankenaustausch. Beteiligt waren Vertreter von verschiedenen Kempener Vereinen und Bürger, die etwas zu sagen haben. Die Gesprächspartner hatten als Gemeinsamkeit eine gewisse Unzufriedenheit mit der Stadtverwaltung und den politischen Gremien festgestellt.

Da war beispielsweise die Diskussion um die verkaufsoffenen Sonntage in Kempen. Der Werbering war unzufrieden darüber, dass die Stadt die Geschäftsöffnung lediglich auf den Kernbereich der Altstadt begrenzt hatte. Die Politik trug dies mit. Geschäfte außerhalb des Altstadtrings blieben bei den Verkaufssonntagen außen vor, obwohl sie wie zum Beispiel Self-Markt oder Media-Max auch für die Innenstadt als Frequenzbringer angesehen werden können.

Dann kam die Diskussion um die Frage der Sicherheit bei Veranstaltungen wie Stadtfesten in der Altstadt hinzu. Der Werbering fühlte sich von der Stadt allein gelassen, ebenso die Vereinigte Turnerschaft, die mit dem Altstadtlauf eine der wenigen sportlichen Leuchtturmveranstaltungen für Kempen organisiert. Zwar ist von der Politik im zuständigen Ordnungsausschuss längst beschlossen worden, ein externes Fachbüro mit der Planung für sogenannte Polleranlagen zu beauftragen. Diese könnten möglicherweise an den Zufahrtsstraßen zur Fußgängerzone dauerhaft für mehr Sicherheit sorgen. Doch weit gediehen ist das Projekt noch nicht. Wie der nun zuständige Beigeordnete Jörg Geulmann in der jüngsten Ausschusssitzung mitteilte, erhofft sich die Stadt konkrete Ergebnisse der Untersuchung im ersten Halbjahr 2020. Bis dahin sollen von dem Büro mögliche Handlungsoptionen entwickelt werden, so Geulmann.

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Handeln muss der Werbering aber schon jetzt. Bald ist wieder der Handwerkermarkt und der Weihnachtsmarkt mit seinen vielen Besuchern aus nah und fern wirft auch schon seine Schatten voraus. So ist der Kempener Werbering eine treibende Kraft in dem neuen Bündnis, dass vor allem mit Blick auf die Kommunalwahlen im kommenden Jahr von der Politik dringend Veränderungen wünscht. Die gehen von einem deutlichen Abbau bürokratischer Hemmnisse über flexiblere und schnellere Entscheidungswege bis hin zu einer stärkeren Berücksichtigung der Interessen örtlicher Vereine oder Institutionen.

Dem neuen Bürgerbündnis gehört auch der Unternehmerkreis Kempen (UKK) an. Der hat vor einigen Monaten bei einem internen Treffen mit Bürgermeister Volker Rübo mal deutlich Dampf abgelassen. Die Kempener Unternehmen fühlen sich ebenfalls in wichtigen Fragen allein gelassen. Vor einigen Jahren war es der Breitbandausbau, der in Kempen nur schleppend voranging. Mittlerweile sind es eine Fülle von Wünschen, die die Firmenchefs in Richtung Stadtverwaltung haben. Ihnen fehlte immer wieder ein Ansprechpartner im Rathaus. Den soll es nun zumindest schon mal geben. Am Dienstag, 1. Oktober, hat der neue Wirtschaftsförderer der Stadt Kempen seinen ersten Arbeitstag. Auf Stefan von Laguna, er wechselt von der Wirtschaftsförderung der Stadt Viersen ins Kempener Rathaus, ruhen große Hoffnungen des UKK und anderer Betriebe in der Stadt Kempen. Sie wünschen einen „Kümmerer“, wie es ihn mittlerweile in allen Städten und Gemeinden im Kreis Viersen gibt, nur bisher nicht in Kempen.

Hoffnungen setzen die Vertreter der „Initiative Pro Kempen“ auch auf den künftigen Bürgermeister. Von Volker Rübo erwarten die wenigsten in diesem Kreis noch wegweisende Entscheidungen in ihrem Sinne. Rübo tritt bei der Kommunalwahl im September 2020 nicht mehr an. Da erwartet man von den beiden bislang nominierten Bewerbern um seine Nachfolge, Philipp Kraft (CDU) und Christoph Dellmans (parteilos), deutlich mehr. Mit beiden wurden bereits Gespräch geführt, aber auch mit fast allen anderen im Stadtrat vertretenen Parteien.

Krafts derzeitiger Nachteil: Er steht als CDU-Vorsitzender für die über Jahre gewachsene Unzufriedenheit der Vereinsvertreter mit der Stadt und auch mit der CDU-Mehrheitsfraktion im Stadtrat, obwohl viele der Kritiker selbst der CDU angehören. Da hat Christoph Dellmans deutlich bessere Karten. Der städtische Marketingmann ist gut vernetzt in Werbering, Verkehrsverein, Karneval oder hat gute Kontakte zur Vereinigten Turnerschaft. In diesen Kreisen gibt es etliche Stimmen, die Dellmans bei seiner Kandidatur unterstützen wollen.