Bürgerinitiative fordert faires Miteinander im Verkehr in Kempen

Forderung einer Bürgerinitiative : Für faires Miteinander im Verkehr

Mal sind Autofahrer zu schnell unterwegs, mal fahren Radler waghalsig auf den Gehwegen und gefährden Fußgänger. Mehr Fairness im Verkehr fordert eine neue Bürgerinitiative, die sich in St. Hubert engagieren will.

Achim Rothe reicht’s: Er hat genug von Autofahrern, die viel zu schnell unterwegs sind, die auf Rad- und Fußwegen oder in zweiter Reihe parken und von Radfahrern, die meinen, die Verkehrszeichen würden für sie nicht gelten. Und weil man mit Gleichgesinnten seine Interessen besser vertreten kann, lud er jetzt ein in die Gaststätte „Poststuben“ an der Königsstraße im Ortskern von St. Hubert. Seine Forderung: fairer Verkehr in St. Hubert.

Knapp 20 Menschen kamen. Was sehr schnell deutlich wurde: Etliche von ihnen, wie Karl-Heinz Josten oder Werner Heiß, kämpfen schon lange gegen den „Wahnsinn auf St. Huberts Straßen“, wie sie sagen. Sie fühlen sich von der Kempener Politik und Stadtverwaltung nicht ernst genommen, glauben, dort eher als „Nervensägen“ wahrgenommen zu werden.

Achim Rothe weiß, dass Einzelkämpfer nicht viel bewegen. „Wenn wir viele sind, können wir mehr verändern“, ist sich der 62-Jährige sicher. Dass die Unzufriedenheit bezüglich der Verkehrssituation in dem Kendeldorf groß ist, spiegelte die Kritik jetzt wider. Ein Anwohner der Hülser Landstraße beklagte, dass Radfahrer oft viel zu schnell auf den Gehwegen unterwegs seien. Was immer wieder kritisiert wurde: dass Busfahrer zu viel Gas geben. „Wir müssen unseren Fahrplan einhalten“, hatte ein Busfahrer, angesprochen auf seinen sportlichen Fahrstil, zu verstehen gegeben.

Auf Einladung von Achim Rothe (im Hintergrund) trafen sich Bürger aus St. Hubert und Kempen, um über die Verkehrsprobleme zu sprechen. Foto: Norbert Prümen

Hannelore Küsters empfahl, in Tempo-30-Zonen mit dem Rad so zu fahren, dass ein Überholen für den motorisierten Verkehr unmöglich wird, da sonst ein Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann. Man merkte, dass sich einiges an Unzufriedenheit angestaut hatte: Karl-Heinz Josten mahnte ein Umdenken an. Er kämpft seit vielen Jahren gegen die unbefriedigende Verkehrssituation in St. Hubert. Als unbefriedigend empfindet der Anwohner der Bahnstraße das, was bislang passiert ist: „Zum Thema ,St. Hubert hat ein Verkehrsproblem’ sind in den zurückliegenden Jahren 30 Flyer erschienen. Menschen, die sich um diese Probleme gekümmert haben, sind alle vor die Pumpe gelaufen.“ Gisela Ditzen von der Bürgerinitiative „Fahrradstadt Kempen“ sprach sich für ein Mobilitätskonzept für das Stadtgebiet aus, ein Radverkehrskonzept alleine reiche nicht. Sie riet dazu, wie es in vielen Städten und in vielen Ländern praktiziert werde, Zufahrten abzuschneiden. Darüber hinaus schlug sie andere Aktionen vor wie den Radelbus – das ist eine Art Schwarm von Radfahrern, zum Beispiel Schulkinder, die von Erwachsenen begleitet werden und die mehr Rechte im Straßenverkehr haben als ein Einzelner. „In Kiel habe ich den Parking-Day kennengelernt: Da wird einen Tag lang ein Parkplatz gesperrt, um zu zeigen, dass die Straße den Menschen gehört“, berichtete Gisela Ditzen.

Was immer wieder beklagt wurde im Verlauf der zweistündigen Diskussion: Es sind keine Fremden, es sind die Bürger der Stadt Kempen, die sich nicht an Verkehrsvorschriften halten, die rücksichtslos sind. Ein Teilnehmer des Abends riet dazu, getreu dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ vorzugehen und den Kommunalpolitikern und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung „freundlich auf die Nerven zu gehen, mit vernünftiger Wortwahl“. Sie sollten auch Fristen für die Beantwortung der Fragen setzen. Claudia Rothe fordert den Ausbau des Radwegenetzes und das nicht nur unter dem Umweltaspekt: „Man hat Angst um Leib und Leben, wenn man in St. Hubert Fahrrad fährt“, hatte eine Bürgerin ihr zu verstehen gegeben.

Mehr von RP ONLINE