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Kreis Viersen: Buch ist zu kostbar fürs Licht

Kreis Viersen : Buch ist zu kostbar fürs Licht

Das Kramer-Museum in Kempen muss einige Stücke aus konservatorischen Gründen vor der Öffentlichkeit verstecken. Dazu gehört auch ein 1785 in Kempen gedrucktes Gesangbuch einer Angehörigen des Dritten Ordens.

Vorsichtig öffnet Dr. Elisabeth Friese, die Leiterin des Städtischen Kramer-Museums in Kempen, das weiße Seidenpapier-Päckchen. Zum Vorschein kommt ein in braunes Leder eingeschlagenes Büchlein. Der Buchrücken ist mit goldfarbenen Ornamenten und Schrift verziert. Die Museumsleiterin schlägt das Buch mit spitzen Fingern auf. "Andächtige Gesänge welche das Jahr hindurch auf den Fürnehmsten Festagen oder sonst Pflegen gesungen zu werden In der Kirche Der p.p. Franziscaner zu Kempen Gedruckt zu Kempen 1785.", steht auf der Titelseite.

Büchlein ist unter Verschluss

"Etwas ganz besonderes" sei dieses Buch, sagt Friese. So besonders, dass es Museumsbesucher nicht zu Gesicht bekämen. "Das Licht würde dem Buch schaden", begründet die Museumschefin und Kulturamtsleiterin, warum die Stadt das Büchlein in einem Bücherschrank im Museumsmagazin unter Verschluss hält.

Das Gesangbuch gehörte einst Schwester Anna Katharina Friderica Josepha Driessen. So steht es auf der nächsten Seite. Sie gehörte dem dritten Orden an. Im Alter von 23 Jahren legte sie am 10. März 1785 das Gelübde ab, "die ewige jungfräuliche Keuschheit zu halten". Die junge Frau lebte im Kempener Tertianerinnen-Kloster, dem "Annenkloster", das bis zu seinem Abriss im Jahr 1973 im Bereich Klosterstraße/Möhlenwall stand.

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In dem Buch sind lateinische und deutsche Gesänge zu den kirchlichen Hochfesten aufgeschrieben. Viele Textanfänge beginnen mit reich geschmückten, farbigen Initialen. Auch andere Illustrationen wie das Auge Gottes finden sich in dem Buch. An einigen Stellen ist zu sehen, dass die kunstvollen Verzierungen in dem Gesangbuch brüchig werden.

Für die Museumsleiterin ist das Buch eine Besonderheit. Es könne gesagt werden, dass es von den Kempener Franziskanern stamme und auch in der Stadt gedruckt wurde. Andere Bücher fänden sich im Musuemwsmagazin von denen lediglich angenommen werden könne, dass sie von den Franziskanern stammen, die einst in dem Museumsgebäude zu Hause waren.

Konservatorische Bdenken

Das Gesangbuch der Katharina Friderica Josepha Driessen gehört zu den Stücken des Museums, bei denen es konservatorische Bedenken gibt, sie zu zeigen. Das gelte auch für die grafische Sammlung des Hauses, so Friese, die wegen der Lichtempfindlichkeit der Stücke nicht ausgestellt werden könne. Überhaupt zeige das Museum nur den geringsten Teil seiner Bestände öffentlich, was einfach mit Platzgründen zu tun habe. "Das Beste und Kostbarste ist aber ausgestellt", versichert die Museumsleiterin.

(RP)