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Stadt Kempen: Blutrote Birnen

Stadt Kempen : Blutrote Birnen

Julius von Heimendahl schwärmt, wenn er den hohen Birnbaum auf der Wiese hinter Haus Bockdorf sieht: "Eine Urform, sauber gewachsen, herrlicher Behang." Und die Früchte sind etwas Besonderes: Ihr Fleisch ist blutrot.

Seinen Namen trägt der schon im 17. Jahrhundert beschriebene und heute seltene Baum zurecht: Blutbirne. Denn das Fruchtfleisch der kleinen, kugelförmigen Birnen ist kräftig-rötlich marmoriert. Noch schmecken sie etwas säuerlich, aber der Geschmack soll süß werden, sobald sie in ein paar Tagen erntereif sind.

Der Baum auf Gut Heimendahl am Krefelder Weg bei Kempen trägt erstmals so prächtig, freut sich Julius von Heimendahl. Er schätzt, dass rund zwei Zentner dieser seltenen Birnen zusammenkommen, die er dann im Hofladen verkaufen will.

Baum trägt reiche Frucht

Der 77-jährige Altbauer erinnert sich an die Geschichte dieses heute hoch gewachsenen Birnbaums mit einer Krone wie eine Pyramide. Als er vor 17 Jahren im Bereich Hülser Bruch/Orbroich unterwegs war, fiel ihm ein uralter Baum voller Birnen auf. "Es war ein typischer Baum, wie er früher vor den niederrheinischen Bauernhöfen stand."

Er durfte ein paar Früchte mitnehmen, zeigte sie einem Pomologen. Der Experte für Obst und Obstbäume habe ihm aber die Sorte nicht genau bestimmen können. Erst später stieß von Heimendahl auf die Bezeichnung "Blutbirne".

Zwei Jahre später besorgte sich der Gutsbesitzer Edelreiser von dem Baum im Hülser Bruch, ließ sie in einer Krefelder Baumschule aufpfropfen und pflanzte den Baum dann auf der Wiese. Das ist inzwischen rund zwölf Jahre her, und nun trägt er erstmals so reiche Frucht. "Bei solchen Dingen muss man eben viel Geduld haben", sagt von Heimendahl, der "seit Jahr und Tag auf natürlichen, voll biologischen Anbau" setzt.

Ohnehin mag der Altbauer traditionelle, widerstandsfähige Obstsorten, die im Keller eingelagert, zum Einmachen von Kompott verwendet oder zu Most oder Marmelade verarbeitet werden. "Das waren früher Volksnahrungsmittel", sagt er. So bietet der Hofladen auch die selten gewordenen Mispeln an, die einst am Niederrhein verbreitet waren. Die bräunlichen Apfelfrüchte werden heute als Marmelade genossen.

Haus Bockdorf ist Arche

Neben dem Kulturgut Obst kümmert sich der Betrieb um den Erhalt alter Tierrassen. Er gehört der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. an und nennt sich daher "Arche-Hof". "Wie erhalten Tiere in Reinzucht, das sind derzeit zwei Hühnerrassen und fünf oder sechs Schafrassen", erklärt von Heimendahl. Das Besondere: Diese Haustiere werden nicht wie in einem Zoo gehalten, sondern wie andere auch genutzt. Sie geben also Wolle, Fleisch, Fell.

(RP)