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Bilanz der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt Kempen

Bilanz des Kempener Teams : Ehe der Schuldenberg wächst: Awo bietet Beratung an

1850 Mal nahmen Bürger aus Kempen, Willich, Nettetal, Tönisvorst und Grefrath im vergangenen Jahr die Angebote der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt wahr. Die Zahl dürfte weiter steigen.

Mit Prognosen ist man beim Team der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) vorsichtig: „Aber um rund 20 Prozent könnten die Beratungsfälle in diesem Jahr schon steigen“, schätzt Vanessa Kerkhoff mit Blick auf die Folgen der Corona-Krise. Die 53-Jährige ist seit zwölf Jahren bei der Awo, ab 1. August neue Leiterin des vierköpfigen Teams der Schuldner- und Insolvenzberatung des Awo-Kreisverbandes. Der hat seinen Sitz an der Kleinbahnstraße in Kempen. Hier werden in Finanznot geratene Klienten in Kempen, Tönisvorst und Grefrath betreut. Für Willich hat die Awo ein Büro im Haus des Jobcenters an der Gießerallee 8 im Stahlwerk-Becker-Areal. Für Nettetal gibt es ein Büro im alten Standesamt an der Hochstraße 29 in Lobberich.

1850 Beratungen registriert die Awo-Beratungsstelle für 2019. Das waren so viele wie lange nicht mehr. Die Statistik ist das eine, aber hinter jedem Kontakt mit einem Klienten steht ein Mensch, dessen finanzielle Situation in Schieflage geraten ist oder doch zumindest zu geraten droht. Einer, der viele solcher Schicksale kennt, ist Johannes Jacobs. Der 66 Jährige, bislang Teamleiter, hat sich nach 24 Jahren in der Awo-Schuldnerberatung nun in den Ruhestand verabschiedet. Für ihn und seine Kolleginnen ist wichtig, dass die Betroffenen frühzeitig zur Beratung kommen. Er wünscht sich, dass das Instrument des außergerichtlichen Vergleichs gestärkt wird. Das eröffne den Betroffenen bessere Chancen, aus der Schuldenfalle wieder herauszukommen. Heute sei es nicht selten so, dass Gläubiger in dem Moment, in dem sie um einen außergerichtlichen Vergleich gebeten würden, noch schnell ihre Forderungen erhöhen würden.

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Für die Expertinnen und Experten der Awo ist es auch wichtig, dass die Betroffenen bei dem Prozess aktiv mitarbeiten. Der langjährige Awo-Kreisgeschäftsführer Bernd Bedronka – er ist vor wenigen Wochen in Ruhestand gegangen – sagt: „Unsere Beratung ist zwar kostenlos, aber sie ist nicht unverbindlich.“ Will heißen: Wer die Schuldnerberatung in Anspruch nimmt, kann sich nicht zurücklehnen und alles den Experten überlassen. Er muss selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen. „Wir können nur Hilfe zur Selbsthilfe geben“, sagt Beraterin Romina Manuguerra (35).

Ein Problem: Die Scham und Hemmschwelle sei bei vielen Betroffenen so groß, dass sie viel zu lange warteten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Oft steht der Gerichtsvollzieher am nächsten Tag schon vor der Tür“, sagt Vanessa Kerkhoff. Ihre Kollegin Kerstin Lorenz (31) berichtet von Informationsabenden für Eltern in Kitas oder für Jugendliche in Schulen. Nicht wenige Jugendliche steckten in der Schuldenfalle, aus der sie selbst nicht mehr herausfinden würden. Wichtig auch: Die Betroffenen sollten dauerhaft schuldenfrei bleiben.