Stadt Kempen: Betty hilft sogar beim Rechnen

Stadt Kempen: Betty hilft sogar beim Rechnen

Die Astrid-Lindgren-Schule hat einen vierbeinigen Helfer im Einsatz. Sie ist nämlich im Besitz eines Hundes. Betty begeistert Schüler und Lehrer.

Ohne großes Getöse, sondern still und leise haben sich die Schüler der 3b der Astrid-Lindgren-Grundschule zu einem Stuhlkreis formiert. Kaum sitzen alle, macht eine Metalldose die Runde, in die jeder greift, etwas herausholt und danach fest in der Hand hält. Einer hat die ganze Aktion aufmerksam beobachtet, und das ist Schulhund Betty. Der Bearded Collie, der neben Klassenlehrerin Sabine Ahl liegt, wedelt dabei vor Begeisterung mit der Rute. Was gleich folgt, kennt die knapp zwei Jahre alte Hündin genau. Aber nicht nur sie freut sich. "Wer will starten?", fragt Ahl in die Runde hinein. Die Lehrerin kann sich vor in die Höhe fliegenden Hände kaum retten. Begeisterte Gesichter leuchten ihr entgegen. Sophia darf diesmal den Anfang machen. "Betty, komm", fordert die Achtjährige den Vierbeiner auf. Sekunden später sitzt Betty vor ihr und nimmt das Bröckchen Trockenfutter vorsichtig aus der Hand der Grundschülerin entgegen. Dann geht es der Reihe nach.

Ein jeder gibt der Hündin das zuvor aus der Dose genommen Stückchen Trockenfutter. Kinderhände fahren zudem über das wuschelige Fell und streicheln Betty. Jeder Morgen in der Klasse 3b beginnt mit der Begrüßungsrunde für Betty. Die Schüler haben nämlich das Glück, dass der Schulhund ihrer Klassenlehrerin gehört, und so kommen sie vermehrt in den Genuss. Seit einigen Wochen nennt die Astrid-Lindgren-Grundschule einen Schulhund ihr Eigen. "Ich hatte meine Vorgängerin-Hündin Wilma, ebenfalls ein Bearded Collie, ab und an einmal zu Besuch mit in die Schule genommen", berichtet Ahl, der die Idee Schulhund schon seit längerem im Kopf umherging.

Als Wilma starb und die acht Wochen alte Betty bei ihr einzog, sprach Ahl die Schulleiterin Sabine Stammen auf das Thema Schulhund an. Hier rannte sie offene Türen ein. Die Lehrerkonferenz war ebenfalls begeistert, und auch bei der Schulkonferenz gab es grünes Licht für den Vorschlag. Ahl startete zusammen mit der inzwischen über ein Jahr alten Betty die Ausbildung. Rechtsfragen, Versicherung, Hundegesundheit und das Einbinden des Hundes in den Unterricht - Ahl drückte die Schulbank.

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Betty indes musste Gehorsamsübungen machen und zeigen, dass sie keinerlei Probleme mit Kindern hat. Die beiden bestanden die Prüfung locker, und damit konnte es in der Astrid-Lindgren-Schule losgehen. "Wir möchten Betty nicht mehr missen", sagt Stammen. Die positiven Effekte, die allein durch die Anwesenheit der Hündin ausgelöst werden, sind groß. "Die Kinder arbeiten einfach besser mit, wenn Betty da ist. Sie sind ruhiger und konzentrierter, nehmen mehr Rücksicht aufeinander. Es ist phänomenal", sagt Stammen.

Das Konzept der Schule sieht vor, dass alle Schüler in den Genuss Bettys kommen, wobei die 3b die meiste Zeit mit der Hündin verbringt. Im ihrem Klassennebenraum befindet sich nämlich auch der Korb der Hündin. Dort kann sie sich zurückziehen, denn auch ein Schulhund braucht Pausen.

Die Schule hat so genannte Betty-Stunden eingerichtet. In denen wird gezielt mit auffälligeren Kindern unter Anwesenheit der Hündin gearbeitet. Unruhige oder auch aggressive Kinder profitieren ungemein vom Schulhund, wie die Erfahrungen zeigen. Beim Förderunterricht spornt Betty ebenfalls an. Wer fleißig mitmacht, darf sie in die Aufgaben des Unterrichts einbinden und das motiviert mehr als jedes Fleißkärtchen. "Wird in normalen Stunden gut mitgearbeitet, machen wir zum Abschluss etwas Schönes zusammen mit Betty. Darauf freuen sich alle. Die größte Strafe für ein Kind ist es, wenn es den Unterricht verlassen muss, wenn Betty da ist", berichtet Ahl. In der 3b lässt der Matheunterricht indes alle Kinder strahlen und voller Begeisterung mitmachen. Betty hilft nämlich. Sie würfelt, und die Kinder müssen die gewürfelten Zahlen addieren. Miles legt den großen Schaumstoffwürfel auf seine Hand. Auf ein Zeichen haut Betty ihn mit der Pfote herunter. Da alle Schüler auf diese Art und Weise würfeln wollen, werden die zu addierenden Listen immer länger. Mathe wird so zu einem absoluten Lieblingsfach.

(tref)