Gemeinde Grefrath: Betriebsrat will Standort retten

Gemeinde Grefrath : Betriebsrat will Standort retten

Die Entscheidung über die Zukunft von Johnson Controls fällt in der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates. Der Betriebsrat in Grefrath hat ein Alternativkonzept zur Erhaltung des Werkes Grefrath erstellt.

"Wenn in Grefrath nicht entwickelt wird, dann kann nicht mehr produziert werden." Auf diese einfache Formel brachte es der Betriebsratsvorsitzende von Johnson Controls Grefrath, Werner Langeleh, gestern bei der Pressekonferenz in der Oedter Albert-Mooren-Halle. Knapp 200 Ingenieure will das Unternehmen entlassen. So war es im Oktober des vergangenen Jahres von der Firmenleitung angekündigt worden. Sollte das wirklich umgesetzt werden, steht für den Betriebsrat fest: "Dann ist Johnson Controls tot."

Die Entscheidung darüber fällt heute ab 10 Uhr bei der Aufsichtsratssitzung in Wuppertal. Versuche des Betriebsrats, einen gemeinsamen Nenner mit der Geschäftsleitung zu finden, um das Werk in Grefrath zu retten, sind bisher fehlgeschlagen. Dabei war das vergangene Jahr das bislang beste in der Firmegeschichte. Das hat die Geschäftsleitung bestätigt.

Mehr als 100 Seiten Vorschläge

In den zurückliegenden Wochen und Monaten hat der Betriebsrat unter dem Motto "Zukunft Grefrath" ein mehr als 100 Seiten starkes Alternativkonzept entwickelt. Es sind Vorschläge zur Beschäftigungssicherung im Rahmen des Betriebsverfassungsgesetz. Dafür wurden die 19 Abteilungen in Grefrath untersucht. "Wir wollen aus dem Tal gestärkt hervorgehen", beschreibt Werner Langeleh die Stoßrichtung des Betriebsrates. Für ihn steht weiter fest, dass das Unternehmen das Potenzial besitzt, seine Marktsituation gegenüber den Wettbewerbern zu verbessern.

In dem Alternativkonzept, das mit Unterstützung externer Fachleute erstellt wurde, hat der Betriebsrat mehr als 50 Einzelmaßnahmen ausgearbeitet, die zur Sicherung des Standorts Grefrath beitragen. Angesprochen sind darin die Kurzarbeit, die Sachkostenreduzierungen wie auch die Organisation staatlicher Unterstützungsmittel für Entwicklungsarbeiten. Um rund 20 Prozent der Mitarbeiter abzubauen, gäbe es Mittel und Wege, so Langeleh, doch ist nach Auffassung des Betriebsrats dazu "der Wille in der Geschäftsleitung nicht vorhanden". Derzeit seien die Fronten verhärtet, heißt es.

Man kann sich seitens des Betriebsrates auch eine Kurzarbeit bis zu 18 Monaten vorstellen. Über einen möglichen zehnprozentigen Gehaltsverzicht ließe man mit sich reden. Dieser Gehaltsverzicht sollte dann dem Unternehmen als Darlehen zur Verfügung gestellt werden. Ebenso wäre es denkbar, dass Mitarbeiter mal ein halbes Jahr ausscheiden. Über allem stehen der Wunsch, die Forderung: "Wir wollen weitermachen!"

Bürgermeister skeptisch

Bürgermeister Herbert Kättner ist sauer. "Wir sind in großer Sorge. Die Gemeinde Grefrath hat erhebliche Zukäufe vom Land getätigt, so dass sich das Unternehmen erweitern konnte. Als das neue Entwicklungszentrum vor einigen Jahren eingeweiht wurde, sagte man uns, dass dies auch zur absoluten Standortsicherung beiträgt." Nach einem Gespräch mit der Geschäftsführung ist Kättner jedoch alles andere als optimistisch. "Die Geschäftsführung sieht kaum Chancen für den Erhalt des Werkes." Der Alternativvorschlag des Betriebsrates liegt der Geschäftsführung und den Aufsichtsratmitgliedern vor.

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(RP)
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