Besuch beim neuen Kempener Prinzenpaar Peter und Brigitte Wolters

Kempen : Die rote Jacke bleibt im Kleiderschrank

Brigitte und Peter Wolters sind jetzt voll auf Karneval eingestellt. Das neue Kempener Prinzenpaar fiebert seiner offiziellen Proklamation am Samstag, 12. Januar, im Kolpinghaus entgegen. Ein Besuch bei Wolters’ daheim.

Annika kennt ein Geheimnis. Die Fünfjährige hat nämlich ein Foto gesehen und weiß, wie ihre Oma in einem ganz bestimmten Kleid aussieht. „Ich habe ihr ein Foto gezeigt, auf dem ich mein Ornat trage. Allerdings habe ich ein nicht so positives Feedback von ihr bekommen. Annika meinte, ich sollte doch besser ein pinkes Kleid tragen, schließlich sei ich doch eine Prinzessin und lange blonde Haare würde ich auch benötigen“, erzählt Brigitte Wolters lachend. Daher hat Annika ein entsprechendes Bild gemalt, wie ihre Oma als Prinzessin auszusehen hätte, und das hängt jetzt im Wohnzimmer von Brigitte und Peter Wolters in der Karnevalsecke. Pinkes Kleid, lange blonde Haare und eine riesige Krone gibt es zwar nicht, aber die Hand, die ein Helau winkt, wie es Annika gemalt hat, wird es auf jeden Fall geben. Das neue Kempener Prinzenpaar, Peter II. und Brigitte I., will eine närrische Zeit voller Frohsinn und Harmonie mit den Kempener Bürgern feiern. „Wir sind voller freudiger Erwartung, und unser Motto spiegelt genau unsere Einstellung wieder“, sagt Peter Wolters. Für die kommenden drei Jahre heißt es so: „Riek um Ärm, Jruet um Kleen, we fiere all to-same“.

Peter Wolters bezeichnet sich selber als ein Karnevalskind. Er sei von Geburt an jeck gewesen, scherzt er. Das habe an seiner Mutter gelegen, die den Karneval sehr gemocht hätte und diesen Frohsinn auf ihren Sohn übertrug. So sind die Fotoalben voll von Bildern, die ihn über die Kinder- und Jugendjahre in unterschiedlichen Kostümen zeigen. Der Karneval an sich hat für das Kempener Ehepaar indes eine ganz besondere Bedeutung, denn es war ein Rosenmontag, an dem die beiden sich kennengelernt haben. „Es war 1972 in der Kneipe ‚Haus am Werthchen’“, erinnert sich Brigitte Wolters. Zwei Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken. Dann kamen Sohn Bastian und Tochter Hanna Maria zur Welt.

Peter Wolters zeigt den närrischen Orden, den das neue Kempener Prinzenpaar in der Session unter das Narrenvolk bringen möchte. Foto: Wolfgang Kaiser

Spaß am Karneval hatte das Ehepaar immer, wenngleich der heute 66-jährige Peter Wolters erst im Mai 2008 richtig einstieg und dem Elferrat Kolping Kempen beitrat und später dessen Sitzungspräsident wurde. In den nächsten drei Jahren wird die rote Jacke vom Kolping-Elferrat allerdings im Kleiderschrank hängen bleiben. Dafür ist das närrische Ornat des Kempener Karnvalsprinzen angesagt. Ständiger Begleiter des neuen Prinzenpaares wird übrigens Heinz Kox sein. Der Vorsitzende des Kempener Karnevals-Vereins (KKV) und Ex-Prinz ist – wie zuletzt schon beim Prinzenpaar Rainer und Angelika Pasch – wieder Adjutant des Kempener Prinzenpaares. Neben dem Karnevalsbrauchtum gab es ein weiteres großes Hobby, das jahrzehntelang das Leben der Eheleute Wolters mitbestimmte, und das hieß Badminton. Das Kempener Ehepaar spielte 40 Jahre lang national und international sehr erfolgreich. Auch wenn die beiden heute aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Badminton spielen, nimmt der Sport nach wie vor eine große Rolle ein. Die künftige Prinzessin walkt und der künftige Prinz fährt Rennrad. Zudem ist Brigitte Wolters in der Forstwalder Theatergruppe aktiv. Und dann gibt es da noch den Wohnwagen, den „wir einfach anhängen und mit dem wir dann losfahren“, erzählen die beiden.

Während der gelernte Feinmechaniker schon den Ruhestand genießt, ist seine 66 Jahre alte Ehefrau noch für zehn Wochenstunden in ihrem Beruf als Erzieherin in der Kindertagesstätte „Paul und Pauline“ aktiv. Das beschert ihr derzeit jeden Tag ein niedliches Erlebnis. „Ein Kind in der Kita ist in der Tanzgarde und begrüßte mich mit Helau, nachdem sie wusste, dass ich Prinzessin werde. Jetzt hat es sich herumgesprochen, und alle Kinder in der Gruppe begrüßen mich Tag für Tag mit Helau. Das ist einfach nur schön“, erzählt die Kempenerin und lacht.

Sie hat sich inzwischen an den Gedanken gewöhnt, für die nächsten drei Jahre mit ihrem Mann zusammen im närrischen Rampenlicht zu stehen. Etwas, das sie sich vor ein paar Jahren noch nicht hätte vorstellen können. Man stünde auf Fotos und dergleichen doch eigentlich immer hinten. Das wäre allein schon durch die Körpergröße bestimmt, lacht sie. 1,96 Meter ist der Prinz groß, Die Prinzessin kommt auch auf stattliche 1,80 Meter. Seit der offiziellen Vorstellung stehen die Großen nun vorne.

Im heimischen Wohnzimmer feierten die Wolters’ schon viel mit ihren jecken Mitstreitern, seitdem alle wissen, dass sie die neuen närrischen Regenten sind. „Mal sehen, was uns auf unserem närrischen Weg erwartet“, sagen Brigitte und Peter Wolters. Sie sind neugierig darauf, was ihnen die in Kempen traditionell dreijährige Amtszeit bringen wird. Der Rosenmontagszug 2020 wird der besondere Höhepunkt ihrer Regentschaft sein. Der wird bereits jetzt geplant. Vom Wagen bis zum Wurfmaterial ist bereits alles organisiert. Fest steht auch schon, dass die Familie mit auf dem Festwagen fahren wird. Etwas, worauf sich die drei Enkelkinder ganz besonders freuen.

Private Termine werden für die närrische Regentschaft zurückgestellt. Das Ehepaar Wolters hat fast alles auf Karneval ausgerichtet, und die närrischen Verpflichtungen haben allesamt Priorität. Als erster Termin steht jetzt die Proklamation am 12. Januar an, die bereits ausverkauft ist. Karten gibt es indes noch für die Herren- und die Kostümsitzung des Kolping-Elferrates. Wobei Peter Wolters auch als Karnevalsprinz als Sitzungspräsident bei Kolping fungieren wird, allerdings ohne rote Kolping-Jacke, sondern im prinzlichen Ornat.