Bericht über die Arbeit im Begegnungscafé Kempen

Kempen : Für einen guten Start in der neuen Heimat

Jan Lensen ist 15 Jahre alt und geht in die neunte Klasse der Kempener Gesamtschule. Er engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Im folgenden persönlichen Bericht schildert er seine Motivation, regelmäßig im Begegnungscafé in der evangelischen Thomaskirche mitzuarbeiten.

Freitag, 17 Uhr. Wie jede zweite Woche betrete ich das Gemeindezentrum der evangelischen Thomaskirche in Kempen. Hier findet seit Oktober 2015 das sogenannte Begegnungscafé „Treffpunkt Asyl“ statt. Ehrenamtler und Mitarbeiter der Kirchengemeinde unterstützen Flüchtlinge bei ihrer Integration. Obwohl ich erst 15 Jahre alt und damit der jüngste Ehrenamtler im Treffpunkt bin, helfe ich gerne. Das erste Mal ging ich im Dezember 2015 mit meiner Mutter zum Café. Sie war dort mit einer Freundin verabredet. Die Atmosphäre und das offene Miteinander haben mir sofort gefallen. Für die Schicksale von Flüchtlingen hatte ich mich immer schon interessiert. Ich wollte mich engagieren, wusste aber nicht wo und wie. Daher konnte ich mich für die Mitarbeit im Begegnungscafé sofort begeistern.

Seitdem gehöre ich zum Team der freiwilligen Helfer. Wir kümmern uns um die Organisation des Cafés. Dank einer Vielzahl an Spenden können wir jedes Mal eine große Auswahl an Gebäck und Kuchen anbieten. Manchmal bringen einige der ausländischen Besucher auch Essen aus ihren Heimatländern mit.

Im Café treffen sich Deutsche und Ausländer, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Wenn Flüchtlinge Fragen oder Probleme haben, können sie sich gerne an ehrenamtliche Helfer wenden. Wir übersetzen den ausländischen Besuchern beispielsweise Briefe oder bringen ihnen die deutsche Kultur näher. Als ehrenamtlicher Helfer im Café kümmere ich mich unter anderem darum, dass das Buffet reichlich gedeckt und immer genug Kaffee und Tee vorhanden ist. Außerdem bin ich für die Küche verantwortlich. Zusammen mit den anderen Ehrenamtlern sorge ich dafür, dass am Ende des Tages das Geschirr gespült ist. Wir räumen den Raum auf, stapeln alle Stühle aufeinander und säubern den Boden. Dabei sind wir über jede helfende Hand froh.

Ein Mal im Monat gibt es ein „Begegnungscafé Spezial“ mit einem Sonderprogramm. Da können die Gäste zum Beispiel das beliebte Bingo spielen. Gegen eine kleine Spende ist es möglich, daran teilzunehmen und kleine Preise zu gewinnen. Besonders beliebt bei den deutschen Besuchern sind auch die sogenannten Ländertage. Hierbei wird ein Land, aus dem einige der ausländischen Freunde stammen, von diesen mit Bildern, Musik und Tänzen vorgestellt. Auch kulinarische Spezialitäten aus dem jeweiligen Land werden angeboten.

Besondere Höhepunkte des Begegnungscafés sind das gemeinsame Grillfest im Sommer auf der großen Wiese am Pfarrheim der katholischen Kirche Christ-König im Kempener Hagelkreuz. Jeder bringt etwas mit und man kann von allem probieren. Bei den Kindern kam zuletzt im Dezember der Besuch vom Nikolaus Walter Simon wieder gut an. Gemeinsam wurden weihnachtliche Lieder gesungen, anschließend gab es für jedes Kind eine Tüte mit Süßigkeiten. Zu Karneval gab es ebenfalls ein Sonderprogramm, an dem alle Café-Besucher ihren Spaß hatten. Der Besuch des Kempener Prinzenpaares mit seiner Tanzgarde weckte auch das Interesse der ausländischen Gäste. Denn sie sind sehr interessiert daran, die deutschen Bräuche kennenzulernen. Bei dem Auftritt einer Capoeira-Gruppe, die eine brasilianische Kampfkunst mit Musik und Tanz präsentierte, waren ebenfalls alle Besucher begeistert.

Mich freut es ungemein, die Freude der ausländischen Freunde zu sehen und sie bei ihrem neuem Leben in Deutschland zu unterstützen. Das sieht auch mein Mitstreiter im Organisationsteam, Mohanad Hijazi, so. Er floh selbst einst aus seinem Heimatland, dem Irak, und hilft nun anderen Flüchtlingen, bei uns Fuß zu fassen. Ich habe ihn kennengelernt, als er nach seiner Ankunft in Deutschland das Begegnungscafé besucht hat. Über das Begegnungscafé sind schon viele interkulturelle Freundschaften entstanden. Gemeinsam spielen deutsche und geflüchtete Kinder. Ehrenamtliche Helferinnen betreuen sie bei Sonderaktionen wie dem Basteln für Ostern. Währenddessen können die Eltern der Kleinen bei einer Tasse Kaffee oder Tee Bekanntschaften untereinander und mit deutschen Gästen schließen. Das Begegnungscafé ist für mich eine gute Sache, deshalb engagiere ich mich dort. In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Besucher zurückgegangen. Dies sehe ich aber nicht negativ. Im Gegenteil: Es zeigt, dass viele Ausländer in Kempen nicht mehr auf Hilfe angewiesen sind. Das freut mich sehr. Ich werde mich weiter ehrenamtlich engagieren, das steht für mich fest. Wer neue Bekanntschaften schließen oder unser Team unterstützen will, ist herzlich im Café willkommen. Der Eintritt ist übrigens frei.

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