Bereits der Vater von Barbara Münzenberg war evangelischer Pfarrer in Grefrath.

Starke Frauen... in Grefrath : Kern ist Verkündigung der frohen Botschaft

Bereits der Vater von Barbara Münzenberg war evangelischer Pfarrer in Grefrath.

Pfarrer, oder genauer gesagt Pfarrerin, zu sein, das ist kein Job, den man zu Hause an der Garderobe ablegt. Barbara Münzenberg (54) leitet seit fünf Jahren die evangelische Kirchengemeinde Grefrath, die räumlich dem Gebiet der Gemeinde Grefrath entspricht. Dazu gehören zwei Kirchen – Barbara Münzenberg nennt sie „Predigtstätten“ – in Alt-Grefrath und in Oedt. In Grefrath sind an die Kirche noch ein moderner zweizügiger Kindergarten und Gemeinderäume angebaut. Das Gemeindezentrum in Oedt ist noch etwas größer.

Rund 2650 Menschen gehören zur Gemeinde. Und durch den Zuzug vieler junger Familien in den Neubaugebieten seien die Zahlen einigermaßen stabil. „In unserem zentralen Taufgottesdienst, der alle zwei Monate stattfindet, hatten wir zuletzt vier Taufen, das war schön“, sagt Barbara Münzenberg.

Doch ohne Zweifel gebe es einen „Traditionsabbruch“ in der Verankerung des christlichen Glaubens in der Gesellschaft, sagt sie. „Da spielt der Kindergarten eine ganz wichtige Rolle“, um dagegenhalten zu können. „Die Kinder werden auf kindgerechte Weise an den christlichen Glauben herangeführt und haben die Möglichkeit, sich darin zu verwurzeln.“

Mit ihrem Team, zu dem neben den Mitarbeiterinnen im Kindergarten eine Diakonin, eine Gemeindesekretärin, ein Organist und zwei Küsterinnen gehören, legt sie besondere Schwerpunkte in der Gemeindearbeit. Im Rahmen dessen, was die personellen und finanziellen Ressourcen zulassen. „Die Gemeinde nimmt dankbar unterschiedliche Gottesdienstformen an“, berichtet sie.

Der Arbeitskreis Gottesdienst hat einen besonderen Gottesdienst zur Osternacht erarbeitet. Er steht in diesem Jahr unter dem Thema „Scherben unseres Lebens“. Ein Erfolg sei auch die „After-Work-Kirche“, die freitagsabends mit guter Musik und Besinnung in das Wochenende hinüberführe. Überhaupt die Musik: „Wir sind eine Sing-Gemeinde“, sagt Barbara Münzenberg. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ihrer Arbeit sei die seelsorgliche Zuwendung zu einzelnen Gemeindegliedern, nicht nur im Rahmen von Amtshandlungen. Traditioneller Kern evangelischer Gemeindearbeit ist die Verkündigung von Gottes Wort in Form einer sorgfältig ausgearbeiteten Predigt. Da gibt es auch bei Barbara Münzenberg nichts „von der Stange“. „Das ist immer wieder ein neues kreatives Produkt“, sagt sie. Und dass sie den Anspruch habe, tagesaktuelle Akzente zu setzen. „Wenn ich mit meinem alten Hund durch den Park cruise, sozusagen von Grashalm zu Grashalm, da entwickeln sich viele Predigtgedanken“, sagt sie schmunzelnd. „Eine Predigt, das ist ein dialogisches Geschehen, da kommen Reaktionen, die ich an den Gesichtern ablesen kann“, so empfindet sie es.

Zu Grefrath hat Barbara Münzenberg ein besonderes Verhältnis. Ihr Vater Karl-Theodor Münzenberg war von 1961 bis 1967 der erste Pfarrer der neu gegründeten Kirchengemeinde in Grefrath, die durch den Zuzug vieler Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten zahlenmäßig stark angewachsen war. 1964 wurde Barbara Münzenberg in Krefeld geboren. Ihre Mutter Ursula war in Grefrath als Kirchenmusikerin tätig. „Wir waren die ersten Mieter im Pfarrhaus“, erinnert sie sich. Im selben Haus, in dem sie heute mit ihrem Partner wieder wohnt. Ganz konkrete Erinnerungen habe sie nicht mehr, „dazu war ich damals noch zu klein“. Aber sie erzählt, dass es Fotos gebe, wo sie mit ihrer Schwester im Garten des Pfarrhauses spielt, „an der kleinen Abtrennmauer, die es heute noch gibt“. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete Barbara Münzenberg zunächst als Schulpfarrerin im Kirchenkreis Krefeld-Viersen.

Doch als die Pfarrstelle in Grefrath frei wurde, habe sie sich beworben. „Ich habe immer ein Gefühl für Grefrath behalten“, sagt sie. Der Amtsantritt sei ein bisschen „wie nach Hause kommen“ gewesen. Sie sei „freundlich“ empfangen worden und rasch in alle Bereiche hineingewachsen. Ihr Vater habe sie in ihrem beruflichen Werdegang immer „kollegial wahrgenommen und unterstützt“. „Er hätte auch gerne in der Gemeinde ausgeholfen“, sagt sie, sei aber leider 2016 verstorben – „im gleichen Monat wie meine Mutter“, fügt sie noch hinzu. Dass dies immer noch auf ihr lastet, merkt man ihr an. Barbara Münzenberg stammt aus einer Pfarrerdynastie, wenn man das so sagen darf. „Auch mein Großvater war schon Pfarrer“, erzählt sie. Eine Tradition, die aber nicht fortgeführt werden wird: „Meine Tochter arbeitet als Assistenzärztin in der Nähe von Berlin.“ Auf die sei sie „sehr stolz“.

Ein Leben in der Gemeinde verläuft nicht immer ohne Konflikte. Auch der ständig steigende Verwaltungsaufwand setzt ihr zu: „Da bleibt immer zu wenig Zeit für die kirchlichen Kernaufgaben.“ Ausgleich und Erholung findet sie bei ihren Pferden, die auf einem Hof in Straelen stehen. Sie genießt die Ausritte in den niederländischen Grenzwald mit ihrem jungen Islandpferd Bruni. „Das ist meine Kraftquelle, da fühle ich mich immer wieder eins mit Gott. Das ist ein beglückendes Gefühl der Ruhe.“ Ihre Entscheidung für die Pfarrstelle hat sie nicht bereut: „Bis heute freut es mich, dass ich mit vielen lieben, motivierten Menschen in Grefrath Kirche leben darf.“

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