Stadt Kempen Beratung fürs Wohnen bis ins hohe Alter

Stadt Kempen · Kempen und Grefrath haben jetzt eine gemeinsame Wohnberatung für Bürger über 64 Jahre eingerichtet. Die Sozialpädagogin Ewa Majdzinkska-Otto berät ältere Menschen, damit sie möglichst lange eigenständig wohnen können.

 Ewa Majdzinska-Otto wurde entsprechend geschult, um Senioren oder deren Angehörige umfassend beraten zu können.

Ewa Majdzinska-Otto wurde entsprechend geschult, um Senioren oder deren Angehörige umfassend beraten zu können.

Foto: Kaiser

Manfred Lommetz ist eigentlich kein Freund von Netzwerken, aber diese Zusammenarbeit mit der Stadt Kempen gefällt auch dem Grefrather Bürgermeister besonders gut. Lommetz und sein Kempener Amtskollege Volker Rübo stellten jetzt die neue gemeinsame Wohnberatung für Senioren der beiden Kommunen vor. Sie ist angesiedelt im Amt für Soziales und Senioren der Stadt Kempen. Ewa Majdzinska-Otto ist seit Mitte März in ihrem neuen Amt. Die erfahrene Sozialpädagogin hatte eine in dieser Form völlig neue Aufgabe übernommen. Sie soll älteren Bürgern helfen, möglichst lange eigenständig in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu können.

Dass Kempen und Grefrath in Sachen Wohnberatung nun sehr eng zusammenarbeiten, kommt nicht von ungefähr. Die Kooperation ist das Ergebnis eines mehrjährigen Diskussionsprozesses auf Kreisebene. Das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik mit Sitz in Köln hatte im Jahre 2008 im Auftrag des Kreises eine Untersuchung zur Pflegesituation im Kreis Viersen bis zum Jahre 2030 vorgenommen. Das wenig überraschende Ergebnis: Die Bevölkerung wird aufgrund des demografischen Wandels zunehmend älter. Im Jahre 2030 wird der Anteil der Bürger, die älter als 60 Jahre sind, an der Gesamtbevölkerung im Kreis bei 40 Prozent liegen, so die Prognose der Experten. 8,8 Prozent der Menschen wird über 80 Jahre alt sein.

Ein Ergebnis aus dem folgenden Diskussionsprozess war die Entscheidung des Kreistages, unter anderem dafür zu sorgen, dass die Menschen nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" möglichst lange eigenständig in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Das bedeutet auch, dass die bestehenden Wohnungen vielfach den geänderten Bedürfnissen von älteren Menschen angepasst werden müssen. Und hier setzt die jetzt kreisweit etablierte Wohnberatung an. Sie gibt es dezentral an vier Standorten. Einer davon befindet sich im Kempener Rathaus am Buttermarkt. Ewa Majdzinska-Otto betreut von ihrem Büro im Sozialamt aus interessierte Bürger in Kempen und Grefrath.

An ihrem Schreibtisch wird die Oedterin, die viel Erfahrung in der Sozialarbeit mitbringt und für ihre neue Beratungstätigkeit speziell geschult wurde, allerdings eher selten anzutreffen sein. Denn sie wird künftig viel unterwegs sein, ältere Menschen in ihren Wohnungen in Kempen und Grefrath besuchen und sie beraten, wie die Räume so umgestaltet werden können, dass auch ein eigenständiges Leben bis ins hohe Alter möglich ist. Unterstützt wird Ewa Majdzinska-Otto von ihrer Kollegin Petra Reck. Die Mitarbeiterin der Kempener Bauverwaltung bringt den technischen Sachverstand mit, um den Interessierten mögliche Umbaumaßnahmen in der eigenen Wohnung zu erläutern.

Konkret geht die Beratung beispielsweise darum, wie eine Wohnung - speziell Bad oder Küche - barrierefrei umgebaut werden kann, Wo ein Treppenlifter zu beziehen ist und wer die Kosten für notwendige Bauarbeiten bezahlt. Die Beratung soll den Betroffenen auch helfen, im Bürokratie-Dschungel den Durchblick zu behalten.

Das Interesse an einer solchen Wohnberatung ist durchaus vorhanden. Das zeigen die Erfahrungen andernorts, etwa bei der Stadt Viersen, die seit Jahren eine solche Beratung für Senioren und deren Angehörige anbietet. Das zeigen auch die Erfahrungen der Sozialämter in Kempen und Grefrath, wie die beiden Amtsleiter Petra Sdunek und Volkmar Josten bestätigen.

"Wir wollen die Betroffenen an die Hand nehmen, ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie sie sich ihre Selbstständigkeit möglichst lange erhalten können", sagt Kempens Bürgermeister Volker Rübo. Dabei könne die individuelle Wohnberatung eine wertvolle Hilfe sein. Und dass das Projekt weder Kempen noch Grefrath etwas kostet, ist ein schöner Nebeneffekt. Die halbe Stelle von Ewa Majdzinska-Otto wird - wie die anderen dezentralen Beratungsstellen in Viersen, in Willich/Tönisvorst und in Nettetal (auch für Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal) - komplett aus dem Kreishaushalt finanziert. Ein Teil der Kosten wird von den Pflegekassen mitgetragen.

(RP)
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