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Bennet Gielen ist seit Anfang April neuer Beigeordneter der Stadt Kempen

Neuer Beigeordneter Bennet Gielen : Start mitten in der Corona-Krise

Bennet Gielen ist seit Anfang April neuer Beigeordneter der Stadt Kempen. Der 39 Jahre alte Jurist aus Elmpt ist zuständig für die Bereiche Soziales, Jugend, Schule und Sport. Er war zuvor Erster Beigeordneter in Simmerath.

Den Start im neuen Amt hätte sich Bennet Gielen lieber anders vorgestellt. Aber die Corona-Krise ermöglicht dem neuen Beigeordneten der Stadt Kempen derzeit keinen normalen Einstieg. Viele seiner 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der 39-Jährige noch nicht kennen lernen können. Zu schwierig sind die Arbeitsbedingungen derzeit auch in der öffentlichen Verwaltung. Der Elmpter ist seit 1. April für die Stadt Kempen tätig. Er hat die Nachfolge des nicht mehr wiedergewählten Beigeordneten Michael Klee angetreten.

Gielen hat die ersten Kennenlernrunden mit Amtsleitern und Sachgebietsleitern hinter sich. Die Gespräche seien positiv gelaufen. Der neue Chef des Dezernats B – es umfasst die wichtigen Bereiche Soziales und Senioren, Schule und Sport sowie Jugend – hat zumindest in allen Büros schon mal hereingeschaut und – mit dem gebührenden Sicherheitsabstand – mit einigen Mitarbeitern gesprochen.

Gielen hat in den kommenden Monaten jede Menge Arbeit vor der Brust. Dessen ist sich der Elmpter mit CDU-Parteibuch sehr bewusst. Es müssen wichtige Projekte vorangebracht werden. Für den Ausbau der Kindertagesstätten soll es bereits im Mai erste konkrete Daten geben. Die Stadt plant einen ersten Neubau an der Bendenstraße in St. Hubert. Zweit weitere Kindergärten sollen – ebenfalls an der Bendenstraße sowie am Schmeddersweg in Alt-Kempen – in den nächsten Jahren folgen. Die Stadt hat – wie viele Kommunen – einen erheblichen Nachholbedarf an Kinderbetreuungsplätzen in Kitas und in der Kindertagespflege.

Das zweite große Thema ist die Sanierung und Modernisierung der Schulen in Kempen. Nicht nur das Großprojekt „Schulcampus“ muss vorangebracht werden. Hier hat Bürgermeister Volker Rübo gemeinsam mit einer verwaltungsinternen Arbeitsgruppe im Januar neue Vorschläge in die Diskussion gebracht. Die Politik zieht bei dem Vorhaben mit. Der öffentliche Druck im Wahlkampfjahr wächst. Eltern wollen wissen, wie ihre Kinder in den kommenden Jahren unterrichtet werden. Für die weiterführenden Schulen muss ein Raumkonzept auf den Weg gebracht werden. „Auch die Verbesserung der digitalen Ausstattung aller Schulen müssen wir voranbringen“, sagt der Vater von zwei kleinen Kindern.

Im Bereich des Sports muss dringend die Sportstättenentwicklung angegangen werden. Im Bereich Soziales muss die Stadt die Unterbringung der Asylbewerber verbessern. Nicht erst die Corona-Pandemie mit der Quarantäne für 53 Flüchtlinge in der Unterkunft an der Peter-Jakob-Busch-Straße hat gezeigt, dass eine Unterbringung in solch großen Einrichtungen eigentlich längst überholt ist.

Aktuell sind in der Corona-Krise die Teams vom Jugendamt und vom Schulverwaltungsamt gefordert, eine Notbetreuung der Kinder sicherzustellen. „Gerade mit Blick auf die sich ständig ändernden Verordnungen ist dies keine leichte Aufgabe“, sagt Gielen.

Bennet Gielen scheut die Verantwortung nicht. Schon in seinem vorherigen Amt – er war bis zum 31. März vier Jahre lang Erster Beigeordneter in der Eifelgemeinde Simmerath bei Monschau – hat er Führungsverantwortung unter Beweis gestellt . Auch wenn er dort für die drei Abteilungen Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Wirtschaftsförderung und Strukturwandel sowie Planen und Bauen zuständig war, die mit seinem jetzigen Verantwortungsbereich in der Kempener Stadtverwaltung nicht direkt etwas zu tun haben, kann er doch aus dieser Erfahrung für seine jetzige Arbeit schöpfen. Denn es gibt viele Berührungspunkte. Ohne das Planungs- und das Hochbauamt lassen sich beispielsweise der Kita-Ausbau und die Schulsanierung nicht umsetzen. Gielen war in Simmerath zudem allgemeiner Vertreter des dortigen Bürgermeisters. In dieser Funktion konnte der 39-Jährige in alle Bereiche einer Kommunalverwaltung Einblick nehmen und Verantwortung übernehmen.

Stichwort Bürgermeister: Dieses Amt strebte Gielen bei der Kommunalwahl 2015 in seiner Heimatgemeinde Niederkrüchten an. Er wurde es nicht, unterlag in der Stichwahl dem parteilosen Kandidaten Kalle Wassong. Gielen wurde damals nachgesagt, er sei mit gerade mal 34 Jahren noch zu jung für das Amt des Bürgermeisters. Gielen sah das damals und sieht das auch heute anders. Er brachte seinerzeit bereits viel Verwaltungs- und politische Erfahrung mit. Er arbeitete damals bei der Viersener Kreisverwaltung, war einige Jahre persönlicher Referent des damaligen Landrats Peter Ottmann. Zudem führte Gielen die Niederkrüchtener Christdemokraten als Parteivorsitzender wieder zusammen. Dass er nicht Bürgermeister wurde, sieht er nicht als Niederlage. Es sei ein Lernprozess gewesen, an dem man nur wachsen könne.

Dass er nun in Kempen arbeiten kann, ist für Gielen auch so etwas wie ein Geschenk. Der 39-Jährige ist im Kreis Viersen tief verwurzelt, wuchs in Elmpt auf, hier hat er sein Umfeld, neben der Familie – Gielen hat mit seiner Frau, die aus Neuss stammt, zwei Töchter im Alter von fünf Jahren sowie sieben Monaten – viele Freunde. Als Absolvent des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums in Dülken hat er zahlreiche Kontakte, ebenso aus seiner Studienzeit in Bonn.

Seit seinem 16. Lebensjahr gehört er der CDU an. Das sei zwar prägend, spiele aber für sein neues Amt in Kempen keine Rolle, betont Gielen. Als Beigeordneter sieht er sich allen politischen Richtungen verpflichtet. Das hat er bereits in ersten Gesprächen mit Vertretern der Fraktionen deutlich gemacht.

Sein Büro hat Bennet Gielen übrigens im mittleren der drei neuen Verwaltungsgebäude der Stadt an der Schorndorfer Straße. Hier sind jetzt die Mitarbeiter seines Dezernats zusammengezogen. Der Weg zum zentralen Rathaus am Buttermarkt ist nicht weit. Die Stadt hat ihm zudem ein Fahrrad zur Verfügung gestellt, mit dem Gielen nun in der Stadt unterwegs ist.