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Gemeinde Grefrath: Bei Draftex sind 400 Jobs gefährdet

Gemeinde Grefrath : Bei Draftex sind 400 Jobs gefährdet

Das polnische Unternehmen Stomil Sanok übernimmt den Grefrather Autozulieferer. Darüber soll die Belegschaft am Montag offiziell informiert werden. Neben einem Stellenabbau sollen die Tariflöhne gesenkt werden.

Die Übernahme der Firma Draftex durch einen Hersteller von Gummibändern und Dichtungen aus Polen ist fast perfekt. Sie hat wahrscheinlich weitreichende Folgen für die Mitarbeiter am Draftex-Sitz an der Bahnstraße in Grefrath. Nach Informationen der Rheinischen Post aus dem Betriebsrat und von Grefraths Bürgermeister Manfred Lommetz sind die Weichen für die künftige Ausrichtung des Traditionsunternehmens, das früher auch mehrere Standorte in Viersen hatte, gestellt. Offiziell soll die Belegschaft am kommenden Montag vom Betriebsrat informiert werden.

Nach Informationen des polnischen Unternehmens Stomil Sanok ist folgendes Fakt: Ein entsprechender zunächst vorläufiger Übernahmevertrag ist unterzeichnet worden. Um in Kraft treten zu können, muss allerdings erst noch die Zustimmung der Gläubigerversammlung eingeholt werden. Außerdem sind Abstimmungen über geplante Entlassungen und den Sozialplan mit dem Insolvenzverwalter und - über den Betriebsrat - mit der Belegschaft von Draftex notwendig.

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Die von den Polen geplanten Änderungen sind tiefgreifend: Sie sehen ab dem Tag der Übernahme eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von derzeit 37,5 auf dann 38,75 Stunden vor. Weiter sollen die Tariflöhne um 20 Prozent gesenkt werden. Diese Vereinbarung soll zunächst für drei Jahre gelten.

Außerdem sollen dem Vernehmen nach rund 400 Arbeitsplätze wegfallen. Die Stammbelegschaft soll erhalten bleiben. Ob jedoch Draftex, der letzte große Arbeitgeber in Grefrath, auf Dauer seinen Standort halten wird, ist ungewiss. Von einer Transfergesellschaft war immer wieder die Rede, in der die entlassenen Mitarbeiter aufgefangen werden sollen. Doch wie lange bleibt eine solche Gesellschaft bestehen? Draftex beschäftigt neben dem Stammpersonal Leiharbeiter und Mitarbeiter mit zeitlich befristeten Arbeitsverträgen. Nach dem Abbau der in Rede stehenden 400 Arbeitsplätze dürfte die Belegschaft halbiert werden.

Zu den Kunden von Draftex gehören unter anderem die Automobilhersteller BMW, VW und Audi oder der Zulieferer Webasto-Edscha. Mit denen soll der neue Eigentümer Stomil Sanok bereits Verträge bezüglich der weiteren Zusammenarbeit mit Draftex abgeschlossen haben. Der von Stomil Sanok gezahlte Kaufpreis soll nach RP-Informationen ein Geschäftsgeheimnis bleiben. Stomil Sanok berichtet für das erste Halbjahr konsolidierte Umsätze von rund 86,6 Millionen Euro. Der operative Gewinn stieg um 38,2 Prozent auf 12,5 Millionen Euro. Der auf die Aktionäre der Muttergesellschaft entfallende Nettogewinn belief sich auf 9,9 Millionen Euro.

Ruhe ist in den vergangenen Jahren bei dem 1958 von Erich Weimar gegründeten Unternehmen Draftex nicht mehr eingekehrt, obwohl zahlreiche Mitarbeiter teilweise 30 Jahre und länger im Unternehmen tätig sind. Die letzte Insolvenz gab es im Frühjahr 2012. Im Jahre 2009 hatte eine indische Gruppe den Grefrather Autozulieferer übernommen. Im März 2012 hörte man aus Unternehmenskreisen immer wieder, dass an einer "fundierten und zukunftsgerichteten Lösung" gearbeitet werde. Das scheint offensichtlich nicht gelungen zu sein.

(mab)