Serie Kempens Schwärzester Tag (2): Bei der Bombardierung die Familie verloren

Serie Kempens Schwärzester Tag (2) : Bei der Bombardierung die Familie verloren

Irene Funken geb. Meisenberg wurde 1931 in Kempen geboren. Ihre Eltern hatten 1944 ihr Haus an der Hülser Straße verlassen, weil es wegen der Nähe der Bahnstrecke Krefeld/Kleve als besonders luftgefährdet galt.

"Vor der besonderen Bombengefahr an der Bahnlinie fanden wir Zuflucht bei meiner Großmutter an der Mülhauser Straße 2, wo jetzt die Mühlen-Apotheke steht. Mein Vater war damals Soldat und in Wesel stationiert. Eine Dienstreise führte ihn über Kempen nach Mönchengladbach. Für einige Stunden konnte er bei uns sein. Die Freude war groß. Wir wollten gerade einen Besuch in unserem Haus an der Hülser Straße machen, da fiel meiner Mutter ein, dass noch was in der Kolonialwarenhandlung Schaffers, Mülhauser Straße 16, gekauft werden musste. Ich wurde mit dem Kauf beauftragt. Bevor ich aber Schaffers erreichte, hörte ich Flugzeuge. Meine Angst war groß. Ich wurde wie von Geisterhand in den öffentlichen Luftschutzkeller auf der anderen Seite bei Lingen & Thielebein an der Mülhauser Straße 9 gezogen. Meine jüngere Schwester hielt sich schon in diesem Keller auf. Ich hatte ihn kaum erreicht, da war ich schon in eine Staubwolke gehüllt. Eine Bombe war unweit des Eingangs niedergegangen. Im Dunkeln tastete ich mich durch in einen Raum. Die Geschwister Anstötz nahmen sich unserer an. Wir gelangten mit ihrer Hilfe durch einen Notausgang ins Freie und stellten dann fest, dass der ganze Bereich Ecke Mülhauser Straße/Ring dem Erdboden gleich gemacht war. Wir bangten um das Leben unserer Angehörigen. Die Zeit des Wartens war grausam. Es hieß, man sei noch nicht bis zum Keller durchgestoßen. Die ganze Nacht wurde von Helfern mit Spaten der Schutt weggeräumt, um nach Verschütteten zu suchen. Dann erfuhren wir, dass wegen des extremen Luftdrucks alle im Haus Mülhauser Straße 2 befindlichen elf Personen, darunter meine lieben Angehörigen, wohl einen schnellen Tod gefunden hatten. Ihr furchtbares Schicksal hat mich mein Leben lang nicht mehr losgelassen."

(hk-)
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