Kempen: Befragung: Wie gut arbeitet das Jobcenter?

Kempen : Befragung: Wie gut arbeitet das Jobcenter?

Das Jobcenter muss seine Arbeit verbessern: 2013 veröffentlichte Analysen zeigen, dass es teilweise die schlechtesten Ergebnisse in NRW abliefert. Die Armutskonferenz will nun die Betroffenen fragen, wo der Schuh drückt.

Vielleicht können die Fragebögen helfen, Probleme des Jobcenters zu lösen. 2013 zeigten mehrere Untersuchungen, dass die Einrichtung im Kreis Viersen zum Teil die schlechtesten Ergebnisse in Nordrhein-Westfalen abliefert: Verglichen mit Jobcentern, die unter ähnlichen Bedingungen arbeiten, wurden Arbeitslose seltener vermittelt, ihre Hilfebedürftigkeit seltener verringert, der Leistungsbezug seltener vermieden. "Zielverfehlung in allen Bereichen" heißt es in einer Präsentation, die die Geschäftsführer des Jobcenters und der Arbeitsagentur kürzlich dem Viersener Sozialausschuss vorlegten.

Die Gründe sind vielfältig, an Lösungen wird gearbeitet. Doch nach Ansicht der Viersener Armutskonferenz und des regionalen Katholikenrats kommen bisher die zu kurz, um die es geht: die Leistungsbezieher. Etwa 20 000 Kunden hat das Jobcenter im Kreis, das entspricht jedem 15. Bürger. Armutskonferenz und Katholikenrat wollen ein Prozent von ihnen nun nach ihrer Zufriedenheit und ihren Erfahrungen befragen.

In Krefeld hat eine vergleichbare Befragung mehrere Schwachstellen gezeigt. Ein Beispiel: Bei zwei von drei Kunden unter 25 Jahren waren schon einmal Unterlagen verschwunden. "Mir gegenüber hat mal der Geschäftsführer eines Jobcenters in der Nähe zugegeben, dass seine Mitarbeiter manchmal so überlastet sind, dass sie Unterlagen einfach wegwerfen", erzählt Jo Greyn. Er berät bei der Initiative gegen Arbeitslosigkeit der Region Krefeld—Viersen Jobcenter-Kunden. Die verschwundenen Unterlagen können dazu führen, dass die Betroffenen kein Geld erhalten, für sie ist das eine Katastrophe. Seitdem die Befragung zeigte, wie oft Unterlagen verschwanden, wird im Jobcenter Krefeld dokumentiert, was eingegangen ist. Betroffene können nachweisen, wenn sie keinen Fehler gemacht haben.

Die Initiatoren der Befragung gehen davon aus, dass es im Kreis Viersen ähnliche Probleme gibt. Von diesen erfahren sie schon durch die Jobcenter-Kunden, die in ihren Beratungsstellen um Hilfe bitten. Greyn berichtet von Menschen, die ihm weinend gegenüber sitzen, weil sie Angst vor ihrem Sachbearbeiter haben. Er nennt das Beispiel eines krebskranken Mannes, dem der Mitarbeiter des Jobcenters acht Kilometer Fußweg zu einer Arbeitsstelle zumuten wollte — sonst würden ihm die Leistungen gekürzt. Rechtmäßig war dies nicht, was der Mitarbeiter des Jobcenters aber offenbar nicht wusste. Greyn und die Mitstreiter erzählen von Druck, Angst und Stress auf beiden Seiten der Tische im Jobcenter. "Es geht ja nicht darum, die Sachbearbeiter schlecht zu machen", sagt Tamara Schubert, die zum Vorstand der Beratungsstelle IN VIA gehört. Die Sachbearbeiter könnten schließlich nichts für Schwächen im System.

Diese soll die Befragung aufzeigen. Die Geschäftsführung des Jobcenters habe bereits angekündigt, dass sie auf die Ergebnisse eingehen will, erklären die Initiatoren.

(RP)
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