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Stadt Kempen: Beeindruckende Porträts von Zeitzeugen des Nazi-Terrors

Stadt Kempen : Beeindruckende Porträts von Zeitzeugen des Nazi-Terrors

Zum Abschluss der Ausstellung "Jahrhundertzeugen" las der Autor Tim Pröse aus seinem gleichnamigen Buch.

Es mag dem schönen Wetter oder auch dem gleichzeitig stattfindenden Altstadt und einem weiteren Konzert im Kulturforum zuzuschreiben sein, dass die Lesung von Tim Pröse im Rahmen der Ausstellung "Jahrhundertzeugen" nur relativ wenig Besucher in die Christ-König-Kirche im Hagelkreuz lockte. Etwa 50 Zuhörer waren gekommen.

Das ist sehr schade, denn Tim Pröse schaffte es, der dort seit Mitte April laufenden Ausstellung Leben einzuhauchen. Denn die Fototafeln allein erschlossen sich dem Betrachter nur wenig. Zum einen waren sie ungünstig sehr niedrig platziert, so dass man sich schon tief beugen musste, um mit dem dargestellten Menschen auf Augenhöhe zu sein. Zum anderen gab es neben der Namensnennung oft nur ein kurzes Zitat und eine einzeilige Lebensbeschreibung.

Der Journaliast und Autor Pröse hat sich für sein Buch "Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler" die Mühe gemacht, möglichst viele dieser Helden noch selbst zu befragen. Oder er ist in Kontakt mit deren Verwandten getreten. Dadurch erhielten die Gesichter eine Geschichte. Die Texte, die Pröse vorlas, waren beeindruckend und machten betroffen.

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Sehr breiten Raum nahmen die Erinnerungen von Inge Aicher-Scholl, der Schwester von Sophie Scholl ein. Ihre Schwester, Mitbegründerin der Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose" wurde am 22. Februar 1943 hingerichtet. Inge Aicher-Scholl überließ Tim Pröse viele eigene Notizen aus der Zeit der Verhaftung, des Gerichtsverfahrens wie auch des Tages der Hinrichtung.

Jurek Rothenberg verdankt sein Leben dem Essener Industriellen Berthold Beitz. Der spätere Vorstand der Stahlfirma Krupp rettete 1200 Juden das Leben, in dem er sie in seinem Betrieb als Arbeiter unterbrachte. Beitz selbst hatte nie ein Aufhebens davon gemacht und jahrzehntelang geschwiegen. Doch Jurek Rothenberg schaffte es, ihn noch kurz vor dem Tod von Beitz zu treffen.

Widerstand gab es ebenfalls in der Wehrmacht. Der junge Kurt Keller desertierte nach dem D-Day, dem Beginn der Landung alliierter Soldaten am 6. Juni 1944 in der Normandie. Keller musste damals einen GI erschießen und verließ danach die Wehrmacht. Autor Pröse traf ihn nicht nur zu Gesprächen, sondern machte auch eine Reise mit ihm nach Frankreich. Keller wollte noch einmal nach Omaha-Beach, dem Landepunkt der Amerikaner in der Normandie zurück kehren.

Zum Schluss unterstrich Pröse, was Jeyaratnam Caniceus, der die Ausstellung gemeinsam mit dem Multikulturellen Forum nach Kempen geholt hatte, zur Einführung gesagt hatte. Der Kempener meinte, jeder sei verantwortlich, auch die Menschen mit Migrationshintergrund, dass so etwas wie die Nazi-Zeit nie wieder passiere.

Die Ausstellung in Christ-König ist zwar beendet, aber zum Abschluss gibt es am Donnerstag, 17. Mai, um 19 Uhr noch eine Lesung in der evangelischen Thomaskirche an der Kerkener Straße . Umeswaran Arunagirinathan liest aus seinem Buch "Der fremde Deutsche", das seine Flucht aus Sri Lanka und sein Leben in Deutschland beschreibt. Er absolviert eine Ausbildung zum Herzchirugen.

(sr)