Stadt Kempen: Bald darf der Spargel sich erholen

Stadt Kempen: Bald darf der Spargel sich erholen

Beim Spargel hat der Endspurt eingesetzt. Bis einschließlich Montag geht die Saison beim Spargelhof Goetzens. Danach müssen die Pflanzen ruhen, ansonsten nimmt man ihnen die Kraft. Die Bauern achten auf die Schädlinge.

"Der Spargel ist eine Lady. Wenn man sie einmal beleidigt hat, hält sie das fest", zitiert Karl Goetzens einen alten Spargelbauernspruch. Und daher hört bei ihm die Spargelsaison auch pünktlich drei Tage nach dem offiziellen Sommeranfang auf. Der Spargel braucht nämlich Zeit, sich zu erholen. "Natürlich könnten wir noch länger stechen, aber man nimmt dem Spargel die Kraft weg. Das rächt sich dann in den folgenden Jahren", erklärt Goetzens. Während jetzt noch fleißig gestochen wird und die Kunden sich an dem edlen Gemüse erfreuen, geht es ab der nächsten Woche mit den Arbeiten los, die die Spargelpflanzen auf das kommende Jahr vorbereiten. So wird die schwarze Folie entfernt und die Dämme leicht abgedämmt sowie die Wälle aufgelockert, damit der Spargel gut durchsprießen kann.

Zudem wird der Boden dort, wo die Spargelstecher über die Wochen der Ernte tagtäglich gelaufen sind, tief gelockert. "Der Boden ist dort verdichtet und die Wurzeln müssen Luft kriegen", erklärt der Fachmann. Unkrautmaßnahmen und Düngung gehören ebenfalls mit zu den Arbeiten. Und dann gibt es noch eine besondere Gefahr und die heißt Spargelkäfer. Dieses Insekt legt seine Eier am Spargel ab. Die sich entwickelnden Larven und Raupen fressen die feinen Fiederblättchen ab. Sind die Blätter weg, ist der Pflanze die Aktivität geraubt worden und sie geht ein. Daher hält der St. Huberter Landwirt ein aufmerksames Auge auf seine Felder und setzt bei Befall ein entsprechendes Insektizid ein.

"Im Prinzip legen wir jetzt die Ernte für das nächste Jahr an", betont er. Was man dem Spargel jetzt Gutes tue, schlage sich in der Ernte des nächsten Jahres nieder. Der Spargel müsse Kraft tanken, fügt Goetzens an. Je nach Spargelsorte hält ein Feld acht bis zwölf Jahre. Das geschulte Auge sieht dabei, wann es Zeit ist, das Feld umzumachen. "Der Spargel besteht aus seinen bis zu zwei Meter langen Wurzeln und der Knospe. Im Lauf der Jahre legen sich immer mehr Knospen darüber und der Spargel kommt irgendwann aus allen Ecken des Damms heraus. Das geht dann nicht mehr", berichtet Goetzens. Die Neuanlage von Spargelfeldern erfolgt immer im April. Zu diesem Zeitpunkt werden die ein Jahr alten Sämlinge, die vom Pflanzenzüchter kommen, eingesetzt. Spargelfelder werden in der Regel in West-Ost-Richtung angelegt. Der Hintergrund: So kann der Wind gut durch die Dämme gehen und trocknet das Laub im Herbst immer schön ab. "Für den Spargel ist es von Vorteil, wenn das Laub nicht so schnell welk wird. Bei welkem Laub ist die Pilzgefahr größer", informiert Goetzens. Je gesünder das Laub, umso besser ist es für die Regenerierungsphase des Spargels. Wenn das Laub im Laufe des Herbstes welk wird, wird es um St. Martin herum, wenn die ersten Fröste bereits da waren, eingemulcht. "Das ist gut für den Boden. Es ist Humus für den Damm", sagt der Landwirt.

Ebenfalls im Herbst wird schon ein Teil der Fläche aufgezogen, das heißt, die schwarze Folie kommt wieder über die Dämme. Die Bügel für die Minitunnel folgen danach. Frisch gesetzter Spargel wird im darauffolgenden Jahr — je nach Witterung — zehn bis zwölf Tage gestochen. Im zweiten Jahr kann bis Anfang Juni und ab dem dritten Jahr bis zum 24. Juni geerntet werden. Wie gesagt, Spargel ist eine empfindsame und arbeitsintensive Kultur, die bei Überbeanspruchung und Fehlern sehr nachtragend sein kann. FRAGE DES TAGES

(tref)
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