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Bachkonzert in der Kempener Paterskirche

Kempen : Bach in der Paterskirche: Flinke Finger zur Begleitung

Der Bratscher Antoine Tamestit und der Cembalist Masato Suzuki genossen den Abend genauso wie das Publikum.

Viele Besucher der „Kempener Klosterkonzerte“ werden sich sicher noch an eine Sternstunde im April vergangenen Jahres erinnern – nämlich an das Konzert mit Bachs „Goldberg-Variationen“, interpretiert vom Geiger Frank Peter Zimmermann, dem Cellisten Christian Poltéra und dem Bratschisten Antoine Tamestit. Letzterer war so begeistert von der Bach-gemäßen Atmosphäre und Akustik der Kempener Paterskirche, dass er für die laufende Saison sein neues Projekt anbot, das er mit dem Cembalisten Masato Suzuki erarbeitet hat. Am Freitag war es so weit.

Dieser ist der Sohn von Masaaki Suzuki, dem Gründer und Leiter des „Bach Collegium Japan“. Durch ständige Mitwirkung in dieser legendären, deutschen Barock-Ensembles in nichts nachstehenden Vereinigung ist der Musiker bestens mit dem Werk des Thomaskantors vertraut.

Der weltweit gefragte und außerdem seit Jahren an Hochschulen und in Meisterkursen lehrende Antoine Tamestit und der gleichermaßen international beschäftigte und bestens bekannte Masato Suzuki, deren Liebe zu Bachs Musik in jeder Phase spürbar ist, haben für ihr Projekt die drei Gamben-Sonaten BWV 1027, 1028 und 1029 (in der Bratschen-Fassung) gewählt, dazu die französische Suite für Cembalo solo G-Dur BWV 816 und die zweite Cello-Solo-Suite d- Moll BWV 1008, die der Bratscher für sein Instrument arrangiert hat.

Doch das ist keine „normale“ Viola, sondern eine geniale Schöpfung von Altmeister Antonio Stradivari aus dem Jahr 1672. Dieses wunderbar rund und golden klingende Meisterwerk besitzt vor allem eine ausladende, weit ausschwingende Tiefe, so dass der Hörer an diesem Abend in der Paterskirche sofort vergaß, dass die Werke eigentlich für Gambe beziehungsweise Cello komponiert sind. Dazu kam die ausgereifte, nie zum Selbstzweck verkommende Technik des Franzosen, der sich mit allen Fasern seines Wesens, selbstverständlich mit hoher interpretatorischer Kompetenz, in die gegensätzlichen Werke versenkte.

Sein seelenverwandter Partner am Cembalo begleitete nicht nur flinkfingrig, sehr genau und immer durchsichtig – er teilte vor allem die Musikzierfreude seines Kollegen. In der Cembalo- und der Cello-Suite konnten die Gäste ausgiebig ihre überragenden solistischen Fähigkeiten zeigen – Brillanz in den raschen Sätzen und vorbildliche Ruhe in den getragenen.

Bevor – nach tosendem Applaus – Tamestit die Zugabe – die „Aria“ aus der Bach – Kantate Nr.5 („mit einer wunderbaren Bratschensolostimme“) ansagte, verriet er noch, dass sowohl er als auch Suzuki schon als Kinder am liebsten Werke von Bach gespielt hätten.

Einen ganzen Abend nur Bach – ob das nicht irgendwann langweilig wird? Für das geschulte Publikum in Kempen sicherlich nicht, wie die gut besuchte Paterskirche zeigte. Und in dieser hohen Qualität ein ganz besonderes Geschenk.