Ausstellung über Kinder in Auschwitz in Christ-König Kempen

Kempen : KZ-Ausstellung: Betroffene Schüler

In Christ-König ist die Ausstellung „Vergiss deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz“ zu sehen. Es geht um die Schicksale von Kindern in dem Konzentrationslager. Am Dienstag waren 90 Gesamtschüler zu Gast.

Es war eine sehr gespannte Stimmung in der Kirche Christ-König, als am Dienstagmorgen rund 90 Schüler der Jahrgangsstufe 9 der Gesamtschule die Ausstellung „Vergiss deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz” besuchten. Alwin Meyer, Autor des Buches, auf dem die Ausstellung basiert, schaffte es eine gute Stunde lang, den Schülern eindrucksvoll die Geschichte ihrer teils gleichaltrigen Leidensgenossen im Konzentrationslager authentisch nahezubringen. Das sei ein Anliegen, das ihm sehr wichtig sei, betonte er nachher im Gespräch.

Auch wenn es so manchem Schüler schwerfiel, sich auf die Geschichten, die Meyer erzählte, einzulassen, war den meisten anzumerken, wie berührt sie waren. Das bestätigten auch Emma und Simon, beide 15 Jahre alt. Im Unterricht hätten sie das Thema bislang noch nie so behandelt, sagten sie. Beide waren sich sicher, dass sie diese Erfahrung erst einmal sacken lassen müssen. Sicherlich würden sie das noch einmal zu Hause oder im Freundeskreis diskutieren wollen.

Diese Reaktionen hatte auch die Vorsitzende des Geschichts- und Museumsvereins Ina Germes-Dohmen registriert. Sie berichtete von einer Gruppe von Schülern, die am Vortag nach dem Vortrag Meyers aus der Kirche strömten. Dann seien sie aber wieder hineingekommen. Der begleitende Lehrer habe ihr erklärt, die Kinder hätten diese Zeit gebraucht, um ein wenig Abstand zu bekommen. Dann aber sah Germes-Dohmen, wie tief beeindruckt die Schüler waren. Ein Mädchen habe sich im Schneidersitz vor die Plakatwände gesetzt, um den ganzen Text in Ruhe zu lesen.

Melissa (15 Jahre) ist ähnlich beeindruckt. Sie hatte den ganzen Vortrag gespannt verfolgt. Sie fand es gut, wie der Autor den Kindern die Erlebnisse vermittelt und ihnen so Zugang zu den Geschichten verschafft habe. Das war nicht immer leicht, sagte Meyer. Viele bräuchten nämlich eine lange Zeit, um darüber zu reden, vor allem mit einem Fremden, zumal einem Deutschen. Seine allergrößte Freude war, so Meyer, als ihm einer der Überlebenden nach langer Zeit einen Stapel mit Briefen und einem Foto von ihm als Kleinkind vor der Deportation geschenkt habe.

Sehr lebendig berichtete Meyer von dem damaligen Leben der Kinder. Die Schüler sollten sich vorstellen, wie es war, bei furchtbaren Minusgraden noch nicht einmal Platz auf einer der Holzpritschen in der Baracke zu finden, sondern auf dem kalten Boden im Sitzen zu schlafen. Ständig wurden die Plätze gewechselt, so dass man sich immer wieder gegenseitig wärmen konnte. Die Kinder hatten nur einen Gedanken, nämlich eine Kleinigkeit Essen zu horten, wenigstens einen kleinen Besitz zu haben. Sie lernten schon in jungen Jahren, um ihr Leben zu kämpfen, wie auch immer. Kurz bevor das Lager im Januar 1945 befreit wurde, hatte zum Beispiel der kleine Kolja das Glück, dass ihn ein Ehepaar einfach durch ein Loch im Zaun befreite und zu sich nahm. Seine Mutter erzählte Meyer, wie lange er brauchte, um ein einigermaßen normales Kind zu werden. Und keines der Kinder habe die Erfahrung jemals losgelassen. Viele hätten bei ersten Besuchen in ihrer früheren Heimat schmerzlich erfahren müssen, dass sie nicht nur die Familie verloren hatten, sondern sich auch noch Nachbarn des Eigentums der Familien bemächtigt hatten.

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