Stadt Kempen: Ausspannen bei Musik zur Kaffeezeit

Stadt Kempen: Ausspannen bei Musik zur Kaffeezeit

Der "Tanztee" ist eine der beliebtesten Veranstaltungen im "Haus Wiesengrund". Während früher viele Senioren zur Musik der "Evergreens" die Tanzfläche bevölkerten, wird der Treff heute mehr zum gemütlichen Plausch genutzt.

Diese Veranstaltung in der Begegnungsstätte von "Haus Wiesengrund" in Kempen heißt "Tanztee". Tatsächlich aber wird hier Kaffee getrunken. Und dazu gibt es Torte: Marzipantorte, Grillagetorte, Bienenstich oder Schwarzwälder-Kirsch. Marion Dohmes und ihre beiden Mitstreiterinnen Anita van Rijn und Cornelia Lenting bedienen die Gäste an den Tischen. Doch die Sorge um das berüchtigte Hüftgold ist hier wenig berechtigt, da die meisten Besucher des Willi-Hartmann-Saals gleich wieder einige Kalorien beim Tanzen verarbeiten werden. Seit 25 Jahren treffen sich tanzbegeisterte ältere Menschen an jedem ersten Donnerstag im Monat, um zwei vergnügliche Stunden bei Livemusik zu verbringen.

Vorne auf der Bühne des Willi-Hartmann-Saals spielen wie schon seit vielen Jahren die "Evergreens" auf. Eine Dame und vier Herren machen gemütlich-beschwingte Tanz- und Unterhaltungsmusik "von früher". Bekannte Melodien aus Operette, Film und Schlager, aber auch Songs von ABBA sind dabei. Die Bandmitglieder sind selbst bereits im Seniorenalter: Sigrid Friedrich (77) aus Kempen am Akkordeon, Hubert Glasmachers (69) aus Grefrath am Saxofon, Claus-Bernd Reinke (76) aus Nettetal am Schlagzeug und Gerd Rütten (76) aus Kempen am Kontrabass. Älteste Mitglied ist der 81-jährige Heinz Reichel aus Viersen am Klavier. Damit sind die Akteure etwa im gleichen Alter, wie die Damen und Herren unten im Saal, die erwartungsvoll ihrem ersten Tanz entgegenblicken.

Ingeborg Erel (67) und Peter Thönnessen (60) sind das erste Mal beim Tanztee im Haus Wiesengrund. Die Beiden sind seit drei Jahren ein Paar, haben sich beim Tanzen im "Odeon" in Krefeld kennen gelernt. Sie wollen demnächst zusammen ziehen, vielleicht sogar nach Kempen, wo sie sich gerade eine Wohnung angeschaut haben. Vom Tanztee haben sie in der Zeitung gelesen. "Ganz toll" seien sie hier aufgenommen worden, sagen die Beiden. Und mit dem Tanzen wollen sie auch "gleich loslegen".

Ihre Tischnachbarin ist die Kempenerin Annegret Theskes. Sie ist alleinstehend, freut sich in Gesellschaft zu sein. Tanzen will sie heute aber nicht, sagt sie mit Hinweis darauf, dass mal wieder zu wenige tanzfreudige Herren da seien. Deshalb würden auch schon mal die Damen zusammen tanzen. Viele Damen haben sich heute besonders hübsch gemacht, eine Blume ins Haar gesteckt, ein schönes Kleid angezogen und etwas glitzernden Schmuck angelegt.

Die 80-jährige Christa Vila ist mit ihrem 86-jährigen Mann Alberto extra aus Willich gekommen. Seit zehn Jahren kommen sie zum Tanztee. Die Beiden sind ein attraktives, schlankes Paar und wirken sehr lebendig und freundlich-aufgeschlossen. Alberto ist Spanier, "Katalane", wie er betont, und hat die Leidenschaft für den Tanz aus seiner Heimat mitgebracht. Die Deutschen seien eher "Tanzmuffel", findet seine Frau. Beide bedauern, dass ihr Tanz-Freundeskreis im Laufe der Jahre so zusammengeschmolzen ist. "Wir waren mal eine ganz große Clique", erzählt Christa Vila. "Leider, leider lassen die Kräfte nach", fügt ihr Mann hinzu. Und tatsächlich sind die Tische vorne an der Bühne des Willi-Hartmann-Saals leer geblieben.

Marion Dohmes (54) ist die gute Seele hier, seit 23 Jahren leitet sie die Begegnungsstätte. "Das wird immer weniger", bestätigt sie. Einen Grund sieht sie darin, dass es in Kempen mittlerweile sehr viele ähnlich ausgerichtete Angebote für ältere Menschen gibt und dass tanzfreudiger Nachwuchs ausbleibt.

Derweil drehen sich viele Paare nun zur Musik. "Eviva Espagna" von Chris Roberts wird gerade gespielt. Ingeborg und Peter, wie auch Christa und Alberto bewegen sich elegant und sicher auf der Tanzfläche. Annegret sitzt noch am Tisch, sie kennt jedes Lied und singt mit. So hat jeder seinen Spaß hier.

(evs)