Stadt Kempen: Auf der Spur des Heiligen Martin

Stadt Kempen : Auf der Spur des Heiligen Martin

Martinsvereine im Rheinland wollen dafür sorgen, dass die Tradition der Martinszüge als immaterielles Kulturerbe anerkannt wird. In Kempen setzt sich Jeyaratnam Caniceus dafür ein.

Die Martinstradition wird im Rheinland von Ort zu Ort unterschiedlich gefeiert. Es gibt viele Ähnlichkeiten, aber auch einige Besonderheiten. Und denen sind zwei Martinsfreunde aus dem Kreis Viersen auf der Spur, die sich für das Brauchtum einsetzen: René Bongartz aus Brüggen und Jeya Caniceus aus Kempen wollen dafür sorgen, dass die Martinstradition im Rheinland in das Inventar des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird. In diesem Verzeichnis werden regional verankerte Bräuche, traditionelle Handwerkstechniken, Lied- und Musiktraditionen gesammelt, die erhalten und dokumentiert werden sollen.

Die Initiatoren hatten nun Vertreter von Martinsvereinen und -komitees im Rheinland zu einer Versammlung nach Brüggen eingeladen. Rund 200 Vertreter von etwa 70 Vereinen kamen in den Brachter Bürgersaal, unter anderem aus dem Kreis Viersen, aus Krefeld, Mönchengladbach, Emmerich, Dinslaken, Düsseldorf, Neuss, Hilden, Straelen und Stolberg.

Wie die Martinsvereine und -komitees entstanden sind, erklärte Martin Happ, der über das Martinsbrauchtum promoviert hat. Happ gab einen Überblick über die Entstehung der Martinstradition seit dem Mittelalter, stellte die Verbindung zum Martinstag als Zahltag dar und verwies auf die Verbindung zum Karneval: Früher gab es auch vor Weihnachten eine Fastenzeit - der Elfte im Elften, der Martinstag, war die letzte Gelegenheit, um noch mal richtig zu feiern. Man trank gut, man aß gut, und weil mit der Fastenzeit auch eine sexuelle Enthaltsamkeit einher ging, kam es auch in diesem Bereich zu Ausschweifungen. Anhand von Gemälden aus dem 16. Jahrhundert zeigte Happ, wie derb damals gefeiert wurde. Der Obrigkeit waren die Ausschweifungen am Martinstag schon früher ein Dorn im Auge gewesen: Verbote der Martinsfeuer, von denen eine große Brandgefahr ausging, sind für das 14./15. Jahrhundert belegt.

Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts änderte sich das. Martinsvereine und -komitees wurden gegründet. Das ungeordnete Brauchtum, das mit jugendlichem Schabernack einherging, wurde geordnet. Das ist bis heute so. Happ: "Das Fest der Kinder und Jugendlichen ist zu einem Fest für Kinder und Jugendliche unter Aufsicht der Erwachsenen geworden."

"Wir haben heute vielleicht eine historische Versammlung", freute sich Jeyaratnam Caniceus aus Kempen , der 2013 die Idee aufbrachte, die Martinstradition im Rheinland als Kulturerbe anerkennen zu lassen. Damals sprach er mit Bongartz am Rande des Kempener Martinszuges über das Vorhaben - jetzt soll es gelingen. Wenn es mit der Bewerbung klappt, könnte die Martinstradition im kommenden Jahr (2018) in das Inventar des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Um die Kenntnisse über das Martinsbrauchtum zu vertiefen, hat Caniceus schon jetzt eine Ausstellung geplant, die ab 15. Oktober 2018 in Kempen zu sehen sein soll. Die Wanderausstellung "St. Martin war ein guter Mann" richtet sich an Familien mit Kindern.

(RP)