SERIE IM MÄRZEN DER BAUER . . . Landarbeit zwischen Schweinestall und PC

St. Hubert · Auch wenn die Feldarbeit im Februar noch ruht, ist Langeweile auf dem Hof Dörkes in St. Hubert-­Voesch ein Fremdwort. Die Versorgung der Schweine, Bodenproben ziehen, Gerätereparatur, Fortbildung und viel Dokumentationsarbeit bestimmen den Alltag.

 Johannes Dörkes (r.) mit Azubi Simon Schmidt im Schweinestall.

Johannes Dörkes (r.) mit Azubi Simon Schmidt im Schweinestall.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Das Arbeitsmaterial, das Johannes Dörkes und Auszubildender Simon Schmidt auf das Feld hinter dem Hof tragen, wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Johannes Dörkes hat einen Eimer in der Hand, in dem ein größerer Nagel klappert, der Azubi trägt einen langen Metallstab mit Hohlkehle und Griff. „Es stehen Bodenproben an“, sagt der Landwirt, der bereits in der siebten Generation den Pothenhof, heute auch als Hof Dörkes bekannt, in St. Hubert-Voesch bewirtschaftet. Auf einer Fläche von einem Hektar gilt es zehn Proben, versetzt über den Acker, zu nehmen. Alle sechs Jahre sind solche Proben vorgeschrieben. Dörkes, der auch Vorsitzender der Ortsbauernschaft St. Hubert ist, zieht sie aber häufiger. So sei er besser im Bilde, was seine Böden angehe, meint er.

Simon Schmidt hat derweil den Stecher angesetzt. Rund 30 Zentimeter tief dreht er den Bohrer mit beiden Händen in die Erde, zieht ihn heraus und hält ihn über den Eimer. Mit dem Nagel kratzt sein Lehrmeister die Erde heraus. Danach geht es weiter über das Feld. Rund 500 Gramm Erde sind nach zehn Proben im Eimer, die danach in eine Tüte zur Untersuchung abgefüllt werden. Die weitere Prüfung zeigt genau an, was dem Boden fehlt. Entsprechend zielgerichtet kann gedüngt werden.

Gerade beim Stickstoff ist es sehr wichtig, exakt zu schauen, welche Düngung pro Hektar erforderlich ist. Auch der eigene Wirtschaftsdünger in Form der Schweinegülle wird untersucht. Denn auch hier gilt: Wenn man weiß, was drin ist, kann die entsprechende Menge auf den Feldern ausgebracht werden. „Landwirtschaftliche Planung findet heutzutage ein Stück weit am Computer statt. Alles wird dokumentiert. Es kann genau verfolgt werden, wie welche Fläche behandelt wurde, was dort wuchs und auch, was unsere Schweine fressen“, sagt der Landwirt.

Neben dem Getreide-, Kartoffel- und Zuckerrübenanbau sind es die Sauenhaltung und die Mastschweine, die den Tagesablauf auf dem Hof am Ortsrand der Stadt Kempen bestimmen. Morgens um sieben Uhr – im Sommer sogar noch früher – erhalten als Erstes die 75 Sauen, die Ferkel und die Mastschweine ihr Futter. Wobei die Sauen mit den Ferkeln per Hand gefüttert werden. Beim Füttern kann sofort festgestellt werden, ob alles in Ordnung ist. Steht eine Sau morgens direkt auf, wenn es Futter gibt oder bleibt sie, aus welchen Gründen auch immer, liegen? Sehen die Ferkel gut aus, fressen sie mit Appetit – all das kann während der Fütterung mit dem Handwagen kontrolliert werden. Die Mastschweine erhalten ihr Futter zwar per Automat, aber auch hier finden jeden Tag Kontrollen statt.

Eine Sau hat durchschnittlich ein Dutzend Ferkel in der Aufzucht. Wobei alle zwei Wochen eine Gruppe von fünf bis acht Sauen ferkelt. In der Abferkelabteilung bleibt eine Sau vier Wochen mit ihrem Nachwuchs. Danach geht es in die Ferkelaufzucht, und die Muttertiere kommen in die Deckstation, in der sie nach der entsprechenden Zeit wieder künstlich besamt werden. Zwei Monate bleiben die Ferkel im Aufzuchtstall. Dann geht es für vier Wochen in die so genannte Tiefstreu und danach in den Maststall. „Es vergehen gut sieben Monate vom Ferkel bis zum fertigen Mastschwein“, sagt Ute Bachmann.

 Ute Bachmann zieht gerade einen frischen Kirschstreuselkuchen aus dem Ofen; sie kümmert sich um das leibliche Wohl und um die Blumenwiese.

Ute Bachmann zieht gerade einen frischen Kirschstreuselkuchen aus dem Ofen; sie kümmert sich um das leibliche Wohl und um die Blumenwiese.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Sie hat gerade einen frischen Kirschstreuselkuchen aus dem Ofen gezogen. Das tägliche gemeinsame Kaffeetrinken am Nachmittag steht an. Tochter Franziska, die von der Schule gekommen ist, hat derweil schon einen Blick durchs Schweinefenster geworfen. Ein Spaß, den sich die 14-Jährige gerne gönnt. An der Außenmauer neben der Straße hat die Familie Dörkes-Bachmann nämlich eine kleine Metalltreppe angebracht. Wer die fünf Stufen zum Podest hinaufgeht, kann durch das Fenster in den Schweinestall mit seinen Boxen und den rosigen Tieren schauen.

 An der Außenmauer neben der Straße hat die Familie Dörkes-Bachmann eine kleine Metalltreppe angebracht. Die 14-jährige Franzi geht gern die fünf Stufen hoch, um durch das Fenster in den Schweinestall zu schauen.

An der Außenmauer neben der Straße hat die Familie Dörkes-Bachmann eine kleine Metalltreppe angebracht. Die 14-jährige Franzi geht gern die fünf Stufen hoch, um durch das Fenster in den Schweinestall zu schauen.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Direkt daneben steht das Kartoffelhäuschen, vor dem sich Ute Bachmann eingefunden hat. Es gilt, die Kasse zu leeren und nachzuschauen, welche Kartoffeln aufgefüllt werden müssen. Zweieinhalb-, Fünf- und Zehn-Kilogramm-Tüten und die beliebten Schmörkes, alle von der Sorte „Regina“, stehen zur Auswahl. „Mein Metier ruht derzeit noch“, sagt die Landwirtin und blickt auf das gegenüberliegende Feld, auf dem ein Bauwagen samt Gartenmöbel steht. Links ist noch die blanke Erde zu sehen, rechts das Grün von Kleegras und Tausendschön. Bereits im Spätsommer wurde das Saatgut ausgesät, dem nun mit den kommenden wärmeren Tagen die nächste Feldblumenaussaat folgt. Seit einigen Jahren bietet die Familie auf dem Hof Blumen sowohl zum Selberschneiden als auch gebundene Sträuße an.

Das Besondere dabei: Es werden ab dem kommenden Jahr Bio-Blumen sein. Derzeit erfolgt die Umstellung, wobei es eigentlich schon vorher Bio war, denn Ute Bachmann verzichtete von Anfang an auf Spritzmittel. Doch nun erfolgt die offizielle Anerkennung nach den EU-Bio-Richtlinien. „Das Schöne ist, dass man sich hier draußen im Sommer viel mit den Menschen unterhalten und ihnen so die Landwirtschaft ein Stück näher bringen kann“, sagt die Kempenerin.

Johannes Dörkes ist inzwischen im großen Wartestall mit den tragenden Sauen. Neugierig grunzend drängen sich die Tiere durch das Stroh ans Gatter. Berührungsängste kennen die Schweine nicht. „Wir sind der Initiative Tierwohl angeschlossen und machen daher einiges anders“, erklärt der Landwirt. Die Sauen genießen so eine Strohunterlage, mehr Platz und Außenklima.

Kurz danach dröhnt der Hochdruckreiniger. Immer, wenn die Tiere von einem Aufzuchtbereich in den nächsten umziehen, wird der gesamte Stall gereinigt. Danach muss der Verteiler am Güllefass repariert werden. Das sind alles Arbeiten, die gut in den Wintermonaten gemacht werden können, bevor es ab März wieder mit der Feldarbeit losgeht.

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