Auf dem Bauspielplatz der Kempener Ferienspaßaktion

Kempen : Bauen in Kempen – ohne Papierkram

Wer in Kempen oder einer anderen Stadt etwas bauen will, muss viele Formulare ausfüllen. Denn er braucht schließlich eine Baugenehmigung. Nicht so auf dem Bauspielplatz beim Ferienspaß. Da reicht eine einfache Zeichnung.

Wer schon einmal gebaut, umgebaut oder nur einen Carport auf seinem Gelände errichtet hat, kennt den schwierigen Weg bis überhaupt der erste Spatenstich getan werden kann. Auf der städtischen Internetseite finden sich neun verschiedene Anträge für Bauvorhaben. Es braucht einen Bauantrag, einen Lageplan, einen Liegenschaftsplan für die Fläche, Bauzeichnungen und eine Baubeschreibung. Alles genau vorgeschrieben im Maßstab und Form. Und in dreifacher Ausfertigung.

Diese Mühe haben sich der stellvertretende Bürgermeister Otto Birkmann und Dieter Doetsch für ihren Entwurf des Ferienspaßzirkus 2018 nicht machen müssen. Eine einfache Zeichnung auf kariertem Papier reichte vollkommen aus für das diesjährige Vorhaben am Bauspielplatz auf der Sportanlage an der Berliner Allee. Und ganz viel blieb dabei der Fantasie der Kinder überlassen. „Alles ohne Baugenehmigung und Statikgutachten”, sagt Otto Birkmann schmunzelnd.

So ist bereits ein toller Eingang zur Manege entstanden. Von den Kindern bunt bemalt steht das Tor schon am Eingang des großen Zeltes auf dem Platz. Rot und weiß haben es die Kinder lackiert, am Kopf prangt das Motto vom Ferienspaß. Und wenn man durch das Tor ins Zelt hineingeht, entdeckt man auch noch einen fröhlichen bunten Clown. Man ist ist ja schließlich im Zirkus.

Jetzt sind Kinder und die beiden Bauherren noch mit einem weiteren wichtigen Element beschäftigt. Schließlich braucht die Manege eine Umrandung. Eigentlich sollten die einzelnen Elemente noch so zugeschnitten werden, dass sie ineinander passen. Aber es fehlt in diesem Jahr der dritte Mann, Herbert Zens, der leider erkrankt ist, was Otto Birkmann sehr bedauert. Über die Freiwilligenagentur werden daher jetzt handwerklich begabte Helfer für das nächste Jahr gesucht.

An der Seite liegen in der Bauhalle noch jede Menge Holzbretter, die darauf warten verarbeitet zu werden. Einige ein bisschen schief und krumm, aber da der Ferienspaß diese immer günstig bekommt, kann man keine erste Qualität erwarten. Birkmann und Doetsch sind eifrig mit Säge und elektrischem Schraubendreher beschäftigt. Diese elektrischen Geräte geben sie den Kindern dann doch lieber nicht in die Hand.

Aber diese stehen schon parat, um die Teile der Manegen-Umrandung zu schleifen und anschließend zu bemalen. Da gibt es noch den sorgsamen Tipp von Birkmann, doch lieber Arbeitshandschuhe anzuziehen, damit man sich beim Schleifen keinen Splitter in den Finger zieht. Er bewundert den Elan der Kinder, die selbst an heißen Tagen viel gearbeitet haben. Da habe man oft bremsen müssen, damit sich keiner anstrengt.

Und da es jede Menge Abschnitte vom Holz gibt, lassen die Kinder in der Bauhalle auch hier ihre Fantasie spielen. Die zehnjährige Lena hat gerade einen Kasten als Fotorahmen gebaut. Da kommt von ihrer Nachbarin an der Werkbank die Idee, dass könne doch auch ein Fernseher sein. Gute Idee, findet Lena und schnappt sich sofort ein weiteres Stück Holz, um daraus eine Fernbedienung zu bauen. Im vergangenen Jahr hat sie bei der Ferienspaßaktion ein Puppenbett gebaut und in einem anderen Jahr einen Engel, den sie ihrem Opa aufs Grab gestellt hat.

Beim Ferienspaß ist die Bauhalle die reinste Ideenwerkstatt. Da wird mit viel Elan gehämmert und gesägt. „Die Mädchen sind manchmal geschickter als die Jungen”, erzählt Otto Birkmann. Der Kempener Vize-Bürgermeister baut schon seit vielen Jahren ehrenamtlich beim Ferienspaß mit den Kindern. Viele schöne Sachen sind da entstanden: eine Lokomotive, Häuser, Hochbeete – und das alles ohne Baugenehmigung und sonstigen Papierkram.