Stadt Kempen: Artemed rettet das Krankenhaus

Stadt Kempen: Artemed rettet das Krankenhaus

Der Vertrag zur Übernahme des finanziell angeschlagenen Kempener Hospitals zum Heiligen Geist ist unterschrieben. Die mittelständische Artemed Kliniken GmbH mit Sitz im oberbayerischen Tutzing ist seit gestern Trägerin der Einrichtung anstelle der Hospital-Stiftung. Ein neuer Anfang.

Nach fünfwöchigen, besonders vom bisherigen Aufsichtsratschef Karl Hensel voran getriebenen und koordinierten Verhandlungen haben Stiftungsvorstand und Artemed-Klinikgruppe den Kaufvertrag ausgehandelt und am Mittwoch notariell unterzeichnet: Seit gestern gehört das Heilig-Geist-Hospital komplett den Artemed Kliniken. Es ist das siebte Krankenhaus des mittelständischen Gesundheitsunternehmens. Zu einem nicht genannten Kaufpreis übernahm es den Geschäftsanteil von der über 600 Jahre alten Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, die nur noch die Altenheime in Kempen betreibt.

Foto: Wolfgang Kaiser

Nicht nur Bürgermeister Volker Rübo war gestern überzeugt, "den richtigen Partner für eine langfristige Lösung" gefunden zu haben. Ärzteschaft und Mitarbeiter seien froh, dass die ein Jahr währende Unsicherheit und Lähmung überwunden und klare Perspektiven zu sehen seien. Der neue Inhaber Professor Dr. Rainer Salfeld, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von Artemed, sagte: "Die Mitarbeiter freuen sich anzupacken." Ihre Arbeitsplätze seien sicher, deren Zahl werde mit Zunahme der medizinischen Leistungen eher erhöht. Die Tarifverträge würden eingehalten. Beschäftigte, die bereits gekündigt haben, will Salfeld möglichst zurückgewinnen.

Zur Vorgeschichte: Die finanzielle Notlage des Hospitals — obwohl baulich gut aufgestellt und schuldenfrei — war Anfang August 2011 mit der Kündigung von Geschäftsführer Friedhelm Sicking offenkundig geworden. Erhebliche Fehlbeträge hatten sich in den Jahren angehäuft. Mit Millionen Euro aus der Stiftung blieb das Krankenhaus liquide und vermied die Insolvenz.

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Artemed will nun aber die Einrichtung der Grund- und Regelversorgung "nicht auf links drehen", freute sich Rübo. Salfeld betonte vielmehr: Die Identität des Hospitals zum Heiligen Geist werde gewahrt, seine christliche Grundeinstellung wie sein in der Region verwurzelter Name bleiben. Ein lokaler Beirat soll die Verbundenheit mit der Bürgerschaft sichern. Das Ziel steckte Salfeld hoch: "In einem Jahr soll kein Kempener mehr ernsthaft erwägen, nicht ins Kempener Hospital zu gehen. In zwei Jahren sollen auch die Patienten aus der Umgebung davon überzeugt sein." Sein Versprechen: "Wir wollen ein tolles Haus aufbauen."

Nicht nur bleiben alle Fachabteilungen erhalten, sondern sollen wo nötig weiter differenziert werden. "Das ist der Gang der Medizin." Spezialisierungen will das Hospital mit den niedergelassenen Ärzten als "gleichberechtigte, Hand in Hand arbeitende Partner" absprechen. Für Salfeld stehen die medizinisch optimale Versorgung der Patienten und eine hohe Zuwendung im Mittelpunkt. Daraus würden hohe Belegungszahlen und Wirtschaftlichkeit des Hauses folgen.

Die Krankenhausküche bleibt, die Verwaltung arbeitet als "Heilige Dreifaltigkeit" (Salfeld) mit Geschäftsführer Ralf Barian und den beiden neuen Dr. Ulrich R.Mauerer (38) und Dr. Clemens Guth (32), beide Ärzte. Sie sind ab heute werktags in Kempen tätig. Frage des Tages

(RP/url)
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