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Gemeinde Grefrath: Arbeitslose helfen im Museum

Gemeinde Grefrath : Arbeitslose helfen im Museum

Auch durch Arbeitsgelegenheiten im Freilichtmuseum in Grefrath versucht die Gesellschaft für Beschäftigung des Kreises Viersen, junge Erwachsene in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Museum profitiert davon.

Wenn behinderte Besucher des Niederrheinischen Freilichtmuseums des Kreises Viersen in Grefrath, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, demnächst die Behindertentoilette auf ebenen und gepflasterten Wegen erreichen können, ist das auch ein Verdienst von Manuel (Name geändert). Der 23-Jährige aus Dülken ist arbeitslos. Individuelle Vermittlungshemmnisse machen es nicht leicht, ihn in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber dank der gemeinnützigen Gesellschaft für Beschäftigung (GfB) des Kreises Viersen und des Freilichtmuseums kann er sich weiter qualifizieren. In einem Projekt, das am Jahresende endet, lernt er unter anderem, Wege fachmännisch zu pflastern.

Begleitung durch Fachleute

Zwölf junge arbeitslose Erwachsene unter 25 Jahren, die Arbeitslosengeld II — im Volksmund Hartz IV genannt — erhalten, nehmen im Museum an einem Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt teil. Die GfB und das Museum haben für sie so genannte Arbeitsgelegenheiten (AGH) mit Mehraufwandsentschädigung geschaffen, auch "Ein-Euro-Jobs" genannt. Sie erledigen im öffentlichen Interesse liegende und zusätzliche Arbeiten, um das Museum noch attraktiver zu machen. Begleitet werden sie dabei von einem Werkanleiter und einer Sozialpädagogin.

Bevor Manuel im AGH-Projekt Dorenburg anfing, hatte er noch nie eine Schippe in der Hand. Jetzt verteilt er mit der Schaufel vor dem Gerbereigebäude des Freilichtmuseums gleichmäßig Schotter. Sie sind Teil des Fundamentes für den neuen gepflasterten Weg rund um die Dorenburg, das Herzstück des Museums. Knut Kallenberg, Garten- und Landschaftsbaumeister und Werkanleiter der Gruppe, zeigt Manuel und seinen Kollegen, wie sie eine Ebene Fläche herstellen können. Durch das Projekt ein geregeltes Leben zu haben und sich weiter zu qualifizieren hält Manuel für eine wichtige Erfahrung.

Kallenberg und seine Kollegin, die Pädagogin Wieslawa Skucha, versuchen, den Projektteilnehmern so gut wie möglich zu helfen. Kallenberg folgt dabei seiner eigenen Philosophie: "Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen", sagt er. Und die sind auch dringend notwendig, um die jungen Erwachsenen fit zu machen für den Arbeitsmarkt. "Viele brauchen intensive, persönliche Betreuung", sagt Renate Friedrich, die Projektmanagerin. Vielfältige Vermittlungshemmnisse machten es schwer, sie in reguläre Betrieb zu integrieren, sagt die Pädagogin Wieslawa Skucha. Viele Teilnehmer hätten keinen Schulabschluss geschweige denn eine Ausbildung. Hinzu kämen Probleme im persönlichen Bereich, Faktoren, die es ihnen schwer machten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. "Früh aufstehen, pünktlich hier zu erscheinen, die meisten haben das nicht drauf", sagt Skucha.

Das Projekt hat zwei Gewinner: die jungen Erwachsenen und das Museum. Von 38 jungen Erwachsenen, die im Jahr 2010 in der Dorenburg eine Arbeitsgelegenheit hatten, wurden zwei in Arbeit vermittelt, drei machten eine Ausbildung. Sieben Teilnehmer gingen in eine Folgemaßnahme über, acht junge Erwachsene bleiben im Projekt, drei gingen in eine Therapie. 15 Teilnehmer brachen das Projekt vorzeitig ab. "Das ist ein gutes, durchschnittliches Ergebnis", sagt Erwin Riether, Geschäftsführer der GfB.

Das Freilichtmuseum wäre nicht so weit, wie es heute ist, sagt Anke Wielebski, kommissarische Leiterin des Freilichtmuseums. Die Arbeitsgelegenheiten würden dazu beitragen, das Museum attraktiver zu machen. Wielebski und die GfB hoffen, dass das bis zum Jahresende befristete Projekt auch darüber hinaus fortgeführt werden kann.

(RP)