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Stadt Kempen: AOK: Patienten-Versorgung verbessert

Stadt Kempen : AOK: Patienten-Versorgung verbessert

Mit dem Gesundheitsreport untersucht die Krankenkasse regionale Auffälligkeiten bei Operationen und der Versorgung ihrer Versicherten. Bezogen auf den Kreis Viersen hat sich die Lage positiv entwickelt. Es gibt aber auch Schwachstellen.

Einmal im Jahr nimmt die AOK Rheinland/Hamburg die medizinische Versorgung ihrer Versicherten unter die Lupe. Vor wenigen Wochen stellte die Krankenkasse ihren Gesundheitsreport 2018 vor. Er enthält wieder umfangreiches Datenmaterial zur Situation der Patienten, die bei der AOK versichert sind. Fest steht: Wie man behandelt wird, hängt auch vom Wohnort ab. Und die AOK-Versicherten im Kreis Viersen profitieren durchaus von einer guten Versorgung im ländlichen Raum. Einige Kliniken wie das Städtische Krankenhaus Nettetal und die Orthopädie-Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland in Süchteln erzielten sogar bundesweit TOP-Bewertungen.

Gleichwohl gibt es diverse Schwachpunkte in der Versorgung, die die AOK als die mit 75.000 Versicherten führende Krankenkasse im Kreisgebiet angehen will, wie AOK-Regionaldirektor Heinz Frohn gestern bei einem Pressegespräch in Kempen erklärte. Er sei sowohl mit den Kliniken als auch mit der Kreisverwaltung im Dialog. Den aktuellen Gesundheitsreport hat er auch an die Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer (CDU) und Udo Schiefner (SPD) verschickt.

Frohn sprach sich gestern ausdrücklich dafür aus, dass die Gesundheitskonferenz auf Kreisebene wieder reaktiviert werde. Entsprechende Hinweise habe er der Kreissozialdezernentin Katarina Esser bereits gegeben. Das Gremium war vor einigen Jahren mit großen Ambitionen an den Start gegangen, hatte die Arbeit alsbald aber wieder eingestellt. Nun soll die Runde aus Vertretern des Kreises, der Kommunen und von Ärzten, Apothekern, Krankenhäusern, Krankenkassen und Gesundheitsverbänden wiederbelebt werden. AOK-Regionalchef Frohn wünscht sich einen konstruktiven Austausch, der vor allem die medizinische Versorgung aller Bürger im Kreis Viersen voranbringt.

Die Ansatzpunkte sind durchaus positiv, wie Frohn gestern betonte. So ist der Kreis Viersen rheinlandweit Spitze, wenn es um die Akzeptanz der angebotenen Früherkennungsuntersuchungen für Kinder geht. Da sprach Frohn gestern den Kinderärzten ein großes Lob für ihr Engagement aus. Wo es allerdings hapert, ist bei der Zahngesundheit von Kindern. Da erreicht der Kreis Viersen laut AOK-Untersuchung keine guten Werte.

Frohn sprach auch das zuletzt vor allem im Westkreis diskutierte Thema einer rechtzeitigen Versorgung von Schlaganfallpatienten in einer so genannten Stroke-Unit an. Eine solche Einrichtung hält kein Krankenhaus im Kreisgebiet vor. Sie gibt es in den größeren Kliniken in Krefeld oder Mönchengladbach. Der Rettungsdienst sei hier stärker gefordert, die betroffenen Patienten direkt in eine solche Klinik zu bringen. Gleichwohl hat die AOK-Untersuchung auch gezeigt, dass Schlaganfallpatienten in den Krankenhäusern im Kreis nicht schlecht versorgt werden. Die Zahl der Pflegefälle nach Schlaganfall sei hier nämlich nicht höher als andernorts. Frohn schließt daraus, dass die Krankenhäuser im Kreis hier sehr gute Arbeit leisten. Das sehen übrigens auch die Patienten so. Die von der AOK im Jahr 2015 gemeinsam mit der Barmer vorgenommene Befragung unter ihren Versicherten hat eine besonders gute Bewertung der Krankenhäuser mit hoher Zufriedenheit der Patienten ergeben.

Besonders positiv: Der Kreis Viersen bekommt demnächst eine eigene Neurologie. Sie soll, so berichtete Frohn, am Hospital zum Heiligen Geist in Kempen angesiedelt werden. Die Gespräche dazu laufen noch, die Bezirksregierung habe sich aber bereits festgelegt. In Kempen hat man seit Jahrzehnten eine große Erfahrung im Bereich der neurologischen Frührehabilitation. Für eine spezielle Einrichtung hatte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Julius Louven schon in den 1990er-Jahren erhebliche Bundesmittel beschafft.

In den meisten Bereichen kann der Kreis Viersen, was die medizinische Versorgung betrifft, mit den Großstädten mithalten. Hier wie dort liege es aber an den Bürgern, die Angebote etwa bei Vorsorgeuntersuchungen stärker zu nutzen, meinte AOK-Direktor Frohn.

(RP)