Anwohner von Oedter Straße, Birken- und Berliner Allee wünschen eine Umgehung im Kempener Westen.

Westumgehung: Ringschluss: Die Politik ist nun am Zug

Die Verkehrsgutachter raten von einer Umgehung im Kempener Westen aus Kosten- und Zeitgründen ab. Anwohner von Oedter Straße, Birken- und Berliner Allee wünschen sie dennoch. Die Politik will den Betroffenen helfen.

Die Kommunalpolitiker in Kempen wollen sich selbst in die Pflicht nehmen. Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Verkehrszählung für das geplante Neubaugebiet im Kempener Westen ist völlig offen, wie die zu erwartenden Verkehrsströme künftig gelenkt werden. Die von Anwohnern in dem Wohnviertel Oedter Straße, Birken- und Berliner Allee geforderte Westumgehung ist noch nicht vom Tisch, auch wenn der von der Stadt beauftragte Gutachter aus Kosten- und Zeitgründen davon abrät.

In der Sitzung des Kempener Planungsausschusses am Montagabend haben Anwohner, die sich in der neuen Bürgerinitiative „Lärmschutz K 12“ zusammengeschlossen haben, ihre Befürchtungen, mit dem neuen Wohngebiet noch mehr Verkehr in ihrem Viertel ertragen zu müssen, klar artikuliert. Sie haben im Rathaus 237 Unterschriften gegen die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans übergeben. „Mit der im Westen liegenden großen Umgehungsstraße ist niemandem gedient. Wir möchten nur, dass die Erschließungsstraße für den Kempener Westen bis zum Außenring fortgeführt wird“, heißt es in einer Stellungnahme, die die Initiative nach der Sitzung des Planungsausschusses veröffentlicht hat. Sie dankt den Politikern dafür, eine solche Lösung nun „mit Augenmaß zu prüfen“.

Die Verkehrssituation auf der Birkenallee ist vor allem in Zeiten des Berufsverkehrs nicht unproblematisch.⇥Fotos: Norbert Prümen Foto: Norbert Prümen

Udo Kadagies von den Freien Wählern und Jochen Herbst von der CDU machten in der Sitzung deutlich, dass es falsch sei, eine mögliche Umgehung vorn vornherein auszuschließen. Auch kleinere Verkehrslösungen würden schließlich Geld kosten. Wie viel, ist derzeit unbekannt. Kosten haben die Gutachter für ihre vorgestellten Varianten bisher nicht ermittelt. Die möchte die Politik aber zunächst einmal kennen, um danach weiterzudiskutieren.

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„Ziel muss eine Verkehrsberuhigung sein“, betonte Herbst. Und seine Fraktionskollegin Steffi Beyss erklärte, dass die CDU die Bedenken sehr ernst nehme. Der Ausschuss beschloss daher, alle möglichen Varianten für eine Erschließung des Kempener Westen planerisch weiterzuverfolgen.

Grundstücke des Fichtenwegs und der Breslauer Straße liegen direkt an der Oedter Straße. Für die Anwohner ist der Verkehr eine besondere Belastung. Foto: Norbert Prümen

Bei der Bürgerversammlung, die es wohl im kommenden Frühjahr gibt, wird die Erschließung weiterhin der entscheidende Punkt sein. Die betroffenen Anwohner wollen nicht lockerlassen. Ihre Bedenken halten sie aufrecht – vor allem gegen die vom Gutachter favorisierte Lösung einer innerörtlichen Erschließung des Neubaugebiets als Tempo-30-Zone. Die würde vielleicht den Anwohnern im Kempener Westen etwas nützen, den Anwohnern der K 12 allerdings nicht. „Dann fahren erst recht noch mehr Fahrzeuge durch unser Wohngebiet“, sagt ein Anwohner.

Die Betroffenen haben eine klare Erwartungshaltung, die da lautet: Wir wollen nicht mehr Verkehr, sondern schon jetzt sinnvolle Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Ein Forderungskatalog liegt mit den 237 Unterschriften nun im Rathaus vor. Inwieweit er umgesetzt werden kann, entscheidet letztlich die Politik in den zuständigen Ausschüssen und im Stadtrat. Das Thema Verkehr wird die künftige Diskussion um das geplante Neubaugebiet im Kempener Westen maßgeblich beeinflussen. Im Frühjahr 2019 soll es damit weitergehen. Die Politik weiß nun, was die betroffenen Anwohner wollen und was nicht. Die künftige Stadtplanung wird sich an den Forderungen orientieren müssen.

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