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Anwohner der Verbindungsstraße in Kempen klagen über zu viel Verkehr

Kempen : Die Polizei lässt das Tempo messen

Anwohner der Verbindungsstraße am Rande der Kempener Innenstadt beklagen sich über den Verkehr auf ihrer Anliegerstraße. Tempo 30 werde nicht eingehalten. Die Polizei hat reagiert und misst jetzt die Geschwindigkeit.

„Es ist einfach unerträglich laut. Gerade nachts wird hier gerast. Wenn Fahrzeuge mit höherer Geschwindigkeit über die Gullydeckel fahren, sitzt man senkrecht im Bett, weil es einen regelrechten Knall gibt“, sagt Ina-Maria Hermbusche. Ihr Schlafzimmerfenster liegt, wie das von vielen ihrer Nachbarn, zur Straßenseite. Schlafen bei gekipptem Fenster ist im Sommer aufgrund der Lärmentwicklung nicht möglich. Nachbarn hätten so schon Fenster mit Dreifachverglasungen und automatischer Lüftung einbauen lassen, weiß die Anwohnerin zu berichten.

Dabei sollte es an der Verbindungsstraße eigentlich ruhig zugehen. Die zwischen der St. Huberter und der Hülser Straße liegende Straße ist nämlich eine Tempo-30-Zone, wie zwei Verkehrsschilder an den jeweiligen Zufahrten deutlich machen. Doch daran halten sich die wenigsten Autofahrer. 50 km/h und mehr seien hier an der Tagesordnung und das vor allem ab 18 Uhr sowie erst recht in den Nachtstunden. „Wir haben Nachbarn, die schlafen mit Ohrstöpseln“, berichtet Astrid Zabel. Bei der Anliegerstraße, an der auch die Kempener Malteser ihren Sitz haben und die Moschee der Muslimischen Gemeinde Kempen zu finden ist, handelt es sich um eine relativ schmale Straße. Nichtsdestotrotz fahren hier sogar Lkw, obwohl nur wenige Meter weiter der Industriering Ost die beiden Hauptstraßen St. Huberter- und Hülser Straße ebenfalls miteinander verbindet. Im Gewerbegebiet ist die Straße deutlich breiter. Es dürfen dort 50 km/h gefahren werden.

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Die Anwohner haben den Eindruck, dass das Verkehrsaufkommen auf der Verbindungsstraße gestiegen ist. Während der Sperrung der Hülser Straße, die über mehrere Monate saniert wurde, diente die Verbindungsstraße als Umleitungsstrecke zwischen Hülser- und St. Huberter Straße. Seitdem nutzen nach Ansicht der Anwohner viel mehr Autofahrer ihre Straße. „Es ist so, als hätten die Autofahrer diese Straße für sich entdeckt. Früher haben hier Kinder gespielt. Das sieht man heute nicht mehr. Es wäre ja auch viel zu gefährlich“, meint Andreas Rannew.

Er und die anderen Anwohner konnten feststellen, dass nach Geschwindigkeitskontrollen für eine gewisse Zeit vorschriftsmäßig gefahren wurde. Daher wünschen sich die Anwohner vermehrte Kontrollen. Die Installation einer stationären Anlage für die Geschwindigkeitsmessung würden die Anlieger sehr begrüßen. Hermbusche wandte sich an die Polizei und die Stadt Kempen. „Ich habe im Januar vergangenen Jahres einen Brief an die Verwaltung geschrieben, auf den bis heute nicht reagiert wurde. Im September habe ich persönlich bei der Stadt vorgesprochen. Dort wurde die Problematik heruntergespielt. Nach dem Ende der Baustelle würde sich alles geben, meinte man dort. Zudem empfahl man mir wegzuziehen, wenn der Verkehr mich stören würde“, berichtet die Kempenerin empört. Sie fühlte sich mit ihrem Anliegen nicht ernst genommen.

Die Baustelle ist weg, aber der Verkehr ist geblieben. Außerdem befürchten die Anwohner noch mehr Autos, wenn in den nächsten Jahren eine neue Wohnanlage an der Ecke Verbindungs-/Hülser Straße gebaut wird. Sie schlagen vor, die Zufahrten zur Verbindungsstraße so umzugestalten, dass sie für den Autoverkehr unattraktiver werden.

Die Stadt Kempen hat die Verbindungsstraße nicht als eine Problemstelle auf dem Schirm. „Zu Zeiten der Baustelle ist der Verkehr dort häufiger kontrolliert worden. Die verstärkten Kontrollen gibt es jetzt nicht mehr. Aber wir werden ein Auge auf die Straße haben und den Verkehr überwachen“, heißt es von der städtischen Pressestelle. Zusätzlich werden die Gullydeckel geprüft. Sie bekommen bei Bedarf einen so genannten Klapperring. Es handelt sich dabei um einen Unterlegring, der das Klappern der Deckel beim Überfahren verhindern soll. Die Polizei ist ebenfalls aktiv geworden. Beamte haben sich ein Bild der Situation gemacht. Das Ergebnis: An der Verbindungsstraße soll jetzt eine so genannte Blackbox für Tempomessungen installiert werden. Unfalltechnisch ist die Straße unauffällig. In den vergangenen 18 Jahren gab es 44 Unfälle ohne besondere Vorkommnisse, sagt die Polizei.