Anke Petrat, Leiterin des Freilichtmuseums Dorenburg in Grefrath

Starke Frauen...in Grefrath : Geschichte auf lebendige Art und Weise

Anke Petrat arbeitet seit 2010 im Freilichtmuseum Dorenburg. Sie kommt jeden Tag mit Freude zur Arbeit.

Wenn Anke Petrat ihren Arbeitsplatz betritt, dann macht sie nicht nur eine Zeitreise, sondern hat mit gut fünf Hektar Fläche auch viel Platz. Sie ist nämlich die Leiterin des Niederrheinischen Freilichtmuseums in Grefrath. „Bis zum Jahr 2010 war Grefrath für mich allerdings noch ein weißer Flecken auf der Landkarte“, berichtet Anke Petrat mit einem Lächeln. Das ist nun nicht mehr der Fall, und selbst ihre vierjährige Tochter Lina kennt den Arbeitsplatz ihrer Mutter inzwischen. Denn gerade wenn am Wochenende besondere Veranstaltungen anstehen, reist die Museumsleiterin nicht alleine an, sondern bringt gleich ihren Mann Christian und ihre Tochter mit. Die beiden dürfen dann das Freilichtmuseum und das Ereignis erkunden, während die 39-jährige Mutter ihrer Arbeit nachgeht.

Dass es einmal eine Tätigkeit in einem Museum werden würde, hätte die gebürtige Recklinghausenerin beim Abitur noch nicht gedacht. Germanistik als Hauptfach und Volkskunde als Nebenfach sollten an der Uni Münster studiert werden. Die Pläne gingen in Richtung Journalismus, schließlich war sie als Schülerin bereits in ihrem Heimatort bei einem Anzeigenblatt als freie Mitarbeiterin tätig gewesen. „Im ersten Semester habe ich gemerkt, dass mich die Volkskunde viel mehr angesprochen hat, und ich habe die Hauptfächer gewechselt“, erzählt Anke Petrat.

Nach dem Grundstudium ging es nach Bamberg. In diese Zeit fiel ein achtwöchiges Praktikum, das die junge Frau im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg absolvierte. „Da hat es mich auf der ganzen Linie gepackt. und ich wusste, dass ein Museum für mich eine gute Richtung ist“, erinnert sich Anke Petrat. Nach dem abgeschlossenen Studium im Jahr 2005 ging es beruflich nach Münster zurück und zwar für ein zweijähriges Volontariat beim Landschaftsverband Westfalen Lippe. Im Museumsamt, der Beratungsstelle für Museen in Westfalen, stellte Anke Petrat die erste eigene Ausstellung auf die Beine. Unter dem Titel „Heut’ laden wir uns Gäste ein. Kulturgeschichte der privaten Feiern nach 1945“ konzipierte sie eine Wanderausstellung mit 200 Exponaten, die allesamt die Partykultur beleuchteten.

Die Ausstellung wanderte durch acht Museen. „Es waren wirkliche Kuriositäten darunter. Ich hatte seinerzeit über die Zeitungen Suchaufrufe nach privaten Partyerinnerungen gemacht. Darunter war ein ehemaliger Windeleimer, der von außen mit Nagellack lackiert worden war und in dem die Besitzer die Bowle ansetzen“, erzählt Anke Petrat. Die eigene Ausstellung bekräftigte sie in ihrem Berufswunsch. Museen und Ausstellungen waren ihr Ding.

Nach dem Volontariat stand vor dem Hintergrund der nicht einfachen Stellenlage das große Fragezeichen. Doch Anke Petrat ließ sich in ihrem Berufswunsch nicht beirren. Es folgten zwei Werkverträge, einer davon vom Stadtmuseum Borken, wo sich danach ein befristeter Arbeitsvertrag als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum anschloss. „Ich habe immer wieder das Internet nach Stellen durchforstet und über den Deutschen Museumsbund die Ausschreibung für die stellvertretende Leitung im Niederrheinischen Freilichtmuseum Grefrath gefunden“, erinnert sich Anke Petrat. Sie informierte sich über das für sie bis dato relativ unbekannte Freilichtmuseum, war mehr als nur begeistert und schickte voller Hoffnungen ihre Bewerbung ab. Das Vorstellungsgespräch folgte. Das Ergebnis: Am 1. April 2010 trat Anke Petrat den Job an, dem kurz darauf die kommissarische Leitung und schließlich die Leitung folgten. „Ich komme jeden Tag mit Freude zur Arbeit. Es macht einfach Spaß, den Menschen in diesem schönen Ambiente Geschichte auf lebendige Art und Weise näher zu bringen. Wir sind hier ein tolles Team, und ich habe eine Arbeit mit einem wirklichen Schönausblick“, sagt die 39-Jährige und deutet auf die Fenster in ihrem Büro, die den Blick auf das Museumsgelände inmitten der Natur zeigen. Man selber käme gerade durch die verschiedenen Ausstellungen immer wieder mit neuen Themen in Kontakt, und das sei immer wieder spannend, fügt sie an. Und dass eine kleine Tochter bestens zur Arbeit passt, zeigt Anke Petrat seit vier Jahren. Familie und Arbeit bringt sie gut unter einen Hut.

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