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Stadt Kempen: An Opfer erinnern - zum Frieden mahnen

Stadt Kempen : An Opfer erinnern - zum Frieden mahnen

In Kempen sind jetzt die Schicksale von 745 Opfern des Zweiten Weltkrieges für die Bürger zugänglich. Die Initiative "Opfergedenken" überreichte gestern vier Alben mit biographischen Daten, Quellenangaben und Todesumständen.

Karl-Josef Bast war 18, als er starb. Er war der Sohn des Oberstudiendirektors Dr. Josef Bast, Leiter des Kempener Gymnasiums Thomaeum von 1930 bis 1951. Wegen seiner Widersetzlichkeit gegen das NS-Regime hat man 1996 nach ihm die Dr.-Bast-Straße am Peschweg benannt. Am 12. Dezember 1926 geboren, hatte Dr. Basts Sohn Karl-Josef sich nach seiner Dienstzeit als Luftwaffenhelfer und beim Reichsarbeitsdienst im August 1944 zur Marine gemeldet. Im Februar 1945, als die alliierten Armeen schon weit im Reichsgebiet standen, wurde er wie viele andere Luftwaffen- und Marinemänner zur Waffen-SS überstellt. Im März oder April 1945 ist Karl-Josef Bast bei den Kämpfen in Ungarn ums Leben gekommen. Das war bisher unbekannt in Kempen.

Die Verkäuferin Hildegard Heinen war 17, als sie starb. Sie war eine von 90 Einwohnern, die am Samstagnachmittag, 10. Februar 1945, getötet wurden, als 36 amerikanische Bomber Kempen angriffen. Das wissen heute nur noch wenige.

Was es mit Karl-Josef Bast und Hilde Heinen auf sich hat, wo sie wohnten, wann sie geboren sind und wann sie starben, vor allem aber: Wie sie starben — das ist jetzt von jedermann nachzulesen. Ihre Schicksale und die von 744 anderen Kriegsopfern aus Kempen und Schmalbroich sind neuerdings in vier Gedenk-Alben aufgeführt. Die übergab am Montag Robert Koth, Metzgermeister und Geschäftsinhaber im Ruhestand, an Bürgermeister Volker Rübo, an den Kreisarchivar Dr. Gerhard Rehm, an den evangelischen Pfarrer Bernd Wehner und für die katholische Kirchengemeinde an deren Archiv-Verwalter Hans Gerd Jentjens. Die Genannten werden dafür Sorge tragen, dass jeweils ein Album in der Rezeption des Rathauses am Buttermarkt, im Benutzersaal des Kreisarchivs und an gebührender Stelle bei den Kirchengemeinden deponiert wird. Dort können die Bürger sie sich aushändigen lassen, dort können sie dann die Schicksale von Verwandten und Bekannten nachlesen. Damit deren Opfer als Mahnung zum Frieden nicht vergessen wird.

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Robert Koth ist der Sprecher und Hauptaktivist einer Bürger-Initiative, die sich das Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges zur Aufgabe gemacht hat. Ausgangspunkt wurde eine Schweigeminute, die 2007 die Angehörigen des Kempener Volksschuljahrgangs 1936/37 im Rahmen eines Treffens am Ehrenmal an der Ellenstraße abhielten. Dann nahm die Gruppe Kontakt zu dem Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser auf. Der machte sich daran, eine möglichst umfassende Liste aller Kriegsopfer aus Kempen und Schmalbroich zu erstellen. Kaiser sichtete mehrere tausend Sterbeurkunden des Kempener Standesamtes, unzählige Totenzettel in den Sammlungen des Kreisarchivs und des Kempener Propsteiarchivs, ließ sich mit Begleitschreiben des Kempener Bürgermeisters Material von verschiedenen Dienststellen und Archiven zusenden. Am 12. Juli 2011 gab der Stadtrat grünes Licht für das Vorhaben, auch für die Toten des Zweiten Weltkrieges in der Gedenkstätte vor der Burg Tafeln aufzustellen. Sie zeigen die Namen von 660 Kriegsopfern aus Alt-Kempen mit deren Lebensdaten. Am Volkstrauertag vergangenen Jahres wurden sie vor der Burg eingeweiht. Genau dort übergab gestern die Initiative "Gedenkt der Kriegsopfer" ihre Dokumentations-Alben. Ein schönes Projekt ist zu einem guten Abschluss gebracht.

(hk-)