Amnesty-Aktion zu Menschenrechten in Kempen

Kempen : Schüler befassen sich mit Menschenrechten

Schüler haben sich mit der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und deren Auswirkungen auf die Gegenwart auseinandergesetzt. Die Arbeiten wurden am Montag im Kempener Rathaus vorgestellt.

70 Jahre gibt es die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte durch die Vereinten Nationen. Inwieweit hat diese UN-Deklaration heute noch Einfluss auf unser Leben? Mit dieser Aufgabenstellung verteilte die Kempen-Nettetaler Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im Sommer Aufsteller an weiterführende Schulen in Kempen und Mülhausen. Mitglieder der Gruppe baten die Schüler, sich ihre eigenen Gedanken zum Thema Menschenrechte und deren Bedeutung zu machen. Mit den Ergebnissen sollten sie die Aufsteller gestalten. Am Montag präsentierten sie das Ergebnis ihrer Arbeit im Kempener Rathaus. Und sie verblüfften die Besucher mit der Ernsthaftigkeit, mit der sie sich damit beschäftigt hatten.

In seiner Begrüßung wies Kempens Bürgermeister Volker Rübo darauf hin, dass zwar viele Staaten die Erklärung unterschrieben hätten, aber es immer noch viele Staaten gäbe, wo diese Menschenrechte nicht gelten würden. Er sprach ganz offen China an, ebenso die Türkei oder auch Myanmar. Rübo mahnte, dass es bis heute viel Engagement brauche, die Rechte der Menschen durchzusetzen. Dafür dankte er Organisationen wie Amnesty International. Und er forderte die Schüler auf, das, was sie formuliert hatten, auch umzusetzen. Sei es in der Familie, in der Nachbarschaft, in Deutschland oder in der Welt.

Ingrid Schmale, Sprecherin der Amnesty-Gruppe, dankte dem Bürgermeister für seine eindringlichen Worte. Sie freue sich darüber. Gleichzeitig bedankte sie sich, dass in Kempen Amnesty immer offene Türen gefunden habe. Veranstaltungen könnten in städtischen oder kirchlichen Räumen stattfinden. Sie erinnerte auch daran, dass die Rechte gleichzeitig auch Pflicht bedeuten. Eigene Rechte dürften nicht auf dem Rücken anderer ausgetragen werden.

Die Schüler der einzelnen Kurse und Klassen erläuterten anschließend ihre Beweggründe für die Auswahl der Themen. Alle hatten sich in ihren Schulen intensiv mit dem Text beschäftigt. So sagte eine Schülergruppe, dass der Respekt vor Menschenrechten und deren Einhaltung keineswegs selbstverständlich sei. Darauf wollten sie aufmerksam machen. Sie hatten auf ihrem Aufsteller Namen von Menschen aus vielen Nationen vermerkt. Damit wollten sie auf die Empfindlichkeit des Einzelnen aufmerksam machen.

Eine zweite Gruppe hatte sich mit den Artikeln drei und vier der UN-Deklaration beschäftigt. Darin geht es um Gleichheit, Freiheit und Sicherheit, auf die jeder Mensch Anspruch hat. Der Artikel vier beinhaltet das Verbot der Sklaverei. Anderen Schülern ging es um das Thema Diskriminierung. Sie hatten sich hier des aktuellen Trends zur Diskriminierung in sozialen Medien angenommen. Religionsfreiheit war ein weiteres Thema. Diese bliebe einzelnen Gruppen oft seit vielen Jahrhunderten verweigert. Der erste Artikel, der die Würde des Menschen als unantastbar nennt, stand wie ein großes Motto zwischen den Aufstellern.

Die Schülerarbeiten sind bis 6. Januar im Atelier von Edith Stefelmanns in Kempen, Rabenstraße 21, in ihrer Ausstellung „Unterwegs sein in eine neue Heimat?” zu sehen. Darin geht es um die Schicksale namibischer Kinder, die Ende der 1970er-Jahre in die damalige DDR gebracht wurden, dort aufwuchsen und nach der Wende wieder in ihre afrikanische Heimat zurückgebracht wurden. Besichtigungswünsche können bei Elke Steinhauer von Amnesty per E-Mail an: Ehel.Steinhauer@t-online.de angemeldet werden. Im Januar wird Amnesty mit anderen Kempener Menschenrechtsgruppen einen Lesemarathon zum Thema „Flucht“ in der evangelischen Thomaskirche veranstalten.

Mehr von RP ONLINE