Am Berufskolleg Kempen wurde die Europawahl simuliert

Berufskolleg in Kempen : Schüler wählen das Europa-Parlament

Das Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen gehört zu den drei ausgewählten berufsbildenden Schulen, an denen der Jugendverband JEF Deutschland eine Europawahl-Tagung mit Erstwählern organisiert.

Letzte Blicke fallen auf die Muster-Stimmzettel, dann schreiten die knapp 100 Oberstufenschüler der Berufsfachschule am Rhein-Maas-Kolleg in Kempen, die nach den Osterferien ihr Fachabitur ablegen, zur Tat. In der Aula geben sie ihre Stimme mit einem Kreuzchen einer der zwölf Parteien, die dort zur Auswahl stehen. Die Europawahl, die am 26. Mai stattfindet, wurde am Dienstag am Berufskolleg simuliert. Im Rahmen der überparteilichen Europawahlkampagne „#EuropaMachen“ sind Vertreter des Jugendverbandes der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) Deutschland für einen besonderen Projekttag nach Kempen gekommen. Die zwölf JEF-Mitarbeiter informieren rund um die Europawahl mit Probewahlen, Workshops, einem Europawahl-Parcours sowie einem politischem Speed-Dating, bei dem die zwölf jeweils Vertreter von politischen Parteien darstellen. Bundesweit gibt es nur drei Veranstaltungen dieser Art.

In Kempen findet der Auftakt statt, dem sich eine weitere berufsbildende Schule in Flensburg sowie eine in Passau anschließen. Der Kontakt zu Kempen entstand über den NRW-Landesverband von JEF. Es wurde eine Schule in einer ländlichen Region in Nordrhein-Westfalen gesucht, und das Rhein-Maas-Berufskolleg zeigte sofort sein Interesse. „Es ist eine optimale Ergänzung zum Politikunterricht. Es ist Information und Motivation zur Wahl in einem. Wir sind sehr stolz, als Schule ausgewählt worden zu sein“, sagt Antonio Liepold vom Rhein-Maas-Berufskolleg.

An der Schule finden am Morgen die ersten Workshops in Kleingruppen statt. Je zwei Akteure von JEF betreuen die Oberstufenschüler, die bei der Europawahl im Mai zum ersten Mal ihre Stimme abgeben dürfen. Was es mit dem europäischen Rat, dem Rat der EU, dem europäischen Parlament und der europäischen Kommission auf sich hat, wie diese Organe aufgestellt sind, aus wie vielen Mitgliedern sie bestehen und welche Aufgaben sie haben – Stück für Stück wird alles erarbeitet. Die Berufsschüler staunen, als sie erfahren, dass die Wahlsysteme an sich verschieden sind und auch das Alter der Wähler nicht überall gleich ist. In Österreich und Malta darf bereits ab 16 Jahren gewählt werden, während die Altersbeschränkung in Deutschland bei 18 Jahren liegt. In Luxemburg gibt es eine so genannte Wahlpräferenzliste, bei der der Wähler nicht ein Kreuzchen macht, sondern die Parteien von eins bis zwölf nach seinen persönlichen Vorstellungen durchnummeriert.

Die jungen JEF-Mitarbeiter bringen den teilweise trockenen Stoff spannend rüber. Dabei hilft auch der Europawahl-Parcours, bei dem die Schüler in Teams gegeneinander antreten. Es gilt, ein Wahlaufrufvideo zu gestalten. Zitate von Politikern müssen Parteien zugeordnet werden, und es gibt ein Wahlquiz. „Das ist ein guter Ansatz, um zu informieren“, lobt Justin Tim. Der Oberstufenschüler ist selber zwar schon sehr im Thema drin, aber trotzdem erfährt auch er Neues. „Ich hatte zuvor zur Europawahl viele Fragen. Nun hat sich vieles geklärt“, sagt Buket.

Bei der Wahlentscheidung hilft zudem das Speed-Dating mit den Mitgliedern des JEF-Teams, die in die Rollen von Politikern der verschiedenen Parteien schlüpfen. Sachlich informieren sie darüber, wofür welche Partei steht. Bei der zweiten Probewahl, die zum Abschluss am Nachmittag in der Schule stattfindet, verschiebt sich daher das eine oder andere Kreuzchen auf dem Muster-Stimmzettel im Gegensatz zum ersten Wahldurchgang deutlich. „Wir hoffen, dass wir ein Zeichen pro Europa setzen konnten und unser Ziel, junge Erwachsene für die Europawahl zu motivieren, erreicht haben“, sagt Pia Schulte, die stellvertretende Bundesvorsitzende der JEF Deutschland – in Anbetracht der Tatsache, dass bei der vergangenen Europawahl noch nicht einmal 30 Prozent der 18- bis 25-Jährigen gewählt haben.

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